Druckschrift 
11 (1846) Patrick bis Réfugiés
Entstehung
Seite
621
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Qualität Quandt 62 L

Dienste des Evangeliums zu reisen, auf voreilige Weise ihr Beglaubigungsschreiben auszu-händigen, sondern dahin zu sehen, daß Solche zu Hause erst wohl geprüft und bewährt, ge-sund an Glauben und Lehre, sowie auch von gutem Wandel sind und mit ihren eigenen Ge-meinden in Einigkeit stehen. Übrigens ist es bemerkenswerth, daß diese Verfassung undKirchenzucht von George Fox selbst mit großer Klarheit und tiefem Scharfsinn nicht nur an-gedeutet, sondern auch größtentheils wirklich eingeführt wurde, und ungeachtet der großenVermehrung der Gesellschaft und der eingetretenen Veränderung der Zeitumstände nochimmer fortdauert, den Bedürfnissen der Gemeinde angemessen, und zum allgemeinen Wohlewirksam zu sein. Mit Unrecht hat man die Gesellschaft als Feinde von Bildung und Gelehrsam-keit angeklagt. Schon George Fox beförderte die Errichtung von Schulen und Erziehungsan-stalten und in später» Zeiten haben sie sich nicht nur unter sich, sondern auch gegen das Publicumals entschiedene und thätige Freunde der Ausbreitung aller nützlichen Kenntnisse, vorzüglichunter den Armen, gezeigt. Ihre menschenfreundlichen Bemühungen und dauerhaften Anstren-gungen zur Abschaffung des Sklavenhandels in allenLändern sind bekannt, und die Wohlthä-tigkeit, mitder sie sich selbst fremder Glaubensgenossen annehmen, unddie streng gehandhabtcnGesetze ihrer Sittenzucht lassen nicht leicht Etwas aufkommen, was ihren Ruf beflecken könnte.

Qualität heißt so viel als Beschaffenheit. Der Ausdruck wird daher eben sowol aufDas, was ist, dieDinge, als auf Das, was gedacht wird, die Begriffe und Urtheile, bezogen.Die Qualitäten eines Dinges heißen im gewöhnlichen Leben seine Eigenschaften, sie be-zeichnen Das, was das Ding ist. Die Relativität und Veränderlichkeit derselben führt aberauf die Frage nach ihrem wahren Wesen, und somit zu dem Begriffe solcher Qualitäten, dienicht blos in der Erscheinung liegen und von den veränderlichen Bedingungen der letzter»abhängen.(S. Metaphysik.) Die Qualität eines Begriffs ist gleich seinemJnhalt;sie bezeichnet Dts, was in einem Begriffe gedacht wird. Sich nach der Qualität der Begriffein seinem Denken richten, also jeden Begriff so denken, wie er kraft seines Inhalts gedachtzu werden verlangt, heißt, ihn logisch genau denken. Die Qualität eines Urtheilsnennt die Logik die Art der Entscheidung über die Verknüpfung oder Nichtverknüpfungzweier Begriffe, die das Urtheil aussagt, also den Unterschied des bejahenden und verneinen-den Urtheils. (S. Kategorien.) Im gewöhnlichenLcben nennt man die Qualität einesMenschenoft auch seinen Rang, Titel u. s. w.

Quandt (Joh. Gottlob von), Mitglied des akademischen Rathes für die Akademiein Dresden und Leipzigs auch als kunstgeschichtlicher Schriftsteller rühmlichst bekannt,wurde am 9. Apr. >787 zu Leipzig geboren, wo sein Vater, Joh. Gottlob Q-, Besitzerder gegen das Ende des >7. Jahrh. von Amsterdam nach Leipzig verlegten großen Tabacks-handlung Joh. Gottfr. Quandt und Thorbeck war, die jetzt im Besitze Mangelsdorfs ist.Anfangs für die Handlung bestimmt, wurde er sehr bald durch seinen Lehrer, den nachmaligenHoftath Rochlih, zu der Kunst hingezogen, und schon in seinem zwölften Jahre legte er denGrund zu seiner gegenwärtig so reich ausgestatteten Kunstsammlung. Später übte er sich inder Kunst technisch und praktisch, und machte sich cisrigst mit der Kunstgeschichte bekannt.So ausgerüstet unternahm er l8lI seine erste Reise nach Italien. Eine Frucht derselbenwar die SchriftStreifereien im Gebiete der Kunst" (3 Theile, Lpz. 1819), die aus politi-schen Rücksichten erst so spät im Druck erschien. Ihm verdankt in Leipzig die Stadtbibliothekdie schönen altdeutschen Bilder, die er in ihrer Verborgenheit aufsuchte und für derenWieder-herstellung er thätig wirkte. Nach dem Tode seines Vaters, der l 819 erfolgte, ließ er sich inDresden nieder, wo er noch gegenwärtig seinen Aufenthalt hat. Im I. 182» unternahmer seine zweite Kunstreise nach Italien. Seine Vorträge über Kunst- und Künstlergeschichte,die er von Zeit zu Zeit in seiner Wohnung vor zahlreicher Versammlung hielt und wobei erdie wichtigsten Blätter aus seiner Sammlung vorlegte, gaben ihm Veranlassung zurHeraus-gabe desEntwurfs zu einer Geschichte der Kupferstechkunst und deren Wechselwirkungenmit andern zeichnenden Künsten" (Lpz. 1826). Außerdem erschienen von ihmBriefe ausItalien über das Geheimnißvolle der Schönheit und der Kunst" (Gera 1830); mit Wagnereine Übersetzung von Lanzi'sGeschichte der Malerei in Italien" (3 Bde., Lpz. 183»33)undKleines A-B-C-Buch für Anfänger im Lesen und Schreiben. Synonymen und Ho-monymen" (Lpz. 1838).