Quaker 617
Simon Q., geb. 1795, Hoftheatermaler und Decorateur in München, ist als Architektur-und Theatermaler ganz in die Fußtapfen seines Vaters und ältesten Bruders getreten.
Quäker (engl, tznalcers, d. i. Zitterer) werden die Glieder einer um die Mitte des17. Zahrh. in England entstandenen Neligionsgesellschaft genannt. Anfangs wurde ihnendieser, auch noch jetzt beibehaltene Name, von ihren Gegnern aus Spott beigelegt, weilGeorge F ox (s. d.), ihr Stifter oder erstes Glied, bei einer besonder» Veranlassung vor Ge-richt gesagt haben soll: „Zittere vor dem Worte des Herrn". Die Sekte selbst nennt sichdie christliche Gesellschaft der Freunde, weil das Band der Freundschaft undgleichen Gesinnung ihre von der engl. Kirche abweichenden Glieder und Gemeinden ver-einigte. Es war im I. 16 - 16 , einem wegen politischer Gährung und umsichgreifender Be-schwerden über Civil- und Neligionsangelegenheiten besonders merkwürdigen Zeitpunkte,als sich Fox in seinem 23. Jahre, im treuen und festen Christenglauben und nach manchemharten Geisteskampfe sich dazu berufen hielt, als Neligionslehrer aufzutreten. Die Dreistig-keit, mit welcher er gegen Alles, was nach seiner Überzeugung, sowol innerhalb als außer-halb der engl. Kirche, dem reinen Christenthume zuwider war, sich aussprach, fand zwarBeifall bei Vielen, erregte aber bei weit Mehren, besonders unter den höhern Ständen undder Geistlichkeit, Widerstand, sowie von Seiten der Staatsbehörden manche Harke Unter-drückungsmaßregel. Die vielen Sonderbarkeiten, die ihn und seine Glaubensgenossen inLehre, Verfassung und Sitte auszeichneten, machten die Quäker bald zum Gegenstände desSpottes und der Verfolgung; man warf sie, besonders wegen Verweigerung des Eides unddes Hutabnehmens, in Gefängnisse und Einige besiegelten ihr Zeugniß für die Wahrheit mitihrem Blute, indem sie in Amerika, blos weil sie Gott nur nach ihrem eigenen Gewissen undnicht nach Menschensatzungen dienen konnten, auf dem Schaffet hingerichtet wurden. Trotzaller Verfolgungen, die über sie ergingen, breiteten sich ihre Meinungen doch schnell aus undcs bildeten sich bald in mehren Theilen von Großbritannien und Nordamerika viele Quäker-gemeinden, die von den Regierungen abwechselnd geschont und gedrückt wurden, bis ihnenendlich in England die Toleranzacte von 1689 vollkommene kirchliche Freiheit verschaffteund ihnen auch in Amerika gänzliche bürgerliche und kirchliche Freiheit gestattet wurde.Die Gesellschaft hat sich bis auf unsere Zeiten erhalten. In England findet man sie häufig,nirgend aber zahlreicher als in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. In Deutschlandsind sie nur in der Gegend von Pyrmont und Minden vorzusinden. Man trifft sie in Süd-frankreich in der Nähe von Nismcs; in Holland, wo sic in frühem Zeiten ziemlich verbreitetwaren, sind sie beinahe ausgestorben, dagegen hat sich in neuerer Zeit eine kleine Anzahl inNorwegen gesammelt, und auch in Australien findet man mehre kleine Gemeinden. Wo siegeduldet werden, gilt jetzt ihr einfaches Wort vor Gericht an Eidesstatt; ihr Fleiß, ihre Red-lichkeit und Ordnungsliebe, die Einfachheit ihrer Lebensart, der Ernst ihres Betragens unddie häuslichen Tugenden, die man fast ohne Ausnahme in ihren Familien wahrnimmt, habenihnen die öffentliche Achtung erworben.
Ein eigentliches kirchliches Symbol oder förmliches Glaubensbekenntniß, welches nachdefinitiv festgesetzten Artikeln von den Mitgliedern zu unterschreiben wäre, hat die Gesell-schaft der Freunde nicht aufgestellt. Ihre Glaubensansichten sind aber aus den Schriftenvon George Fox, Robert Barclay, William Penn, Henry Fuke, I. I. Gurney u. A., sowieaus den gedruckten Urkunden und Sendschreiben ihrer jährlichen Versammlungen in Londondeutlich genug zu entnehmen. Wenngleich nun bei ihrer Entstehung und in den ersten Zeitenihres Wirkens von ihren Gegnern Manches zum Nachtheil der Gesellschaft verbreitet wurde,und man sie der Heterodoxie und selbst des Deismus beschuldigte, es auch wol nicht zu ver-neinen wäre, daß einige ihrer eigenen Schriftsteller Anlaß zu Mißverständnissen gegeben, so istes doch bei aller Verschiedenheit einer subjectiven Darstellung zur Genüge erweislich, daß diechristliche Gesellschaft der Freunde, in Hinsicht auf die eigenthümlichen und wesentlichenGrundwahrheiten des Christenthums, mithin auf Alles, was sich unmittelbar auf das Werkder Erlösung der Menschen von der Sünde durch Christum bezieht, von andern rechtgläubigenChristen wenig oder gar nicht abweicht, sich aber in der praktischen Ausführung dieserLehren,im Leben und Wandel der Christen, desto mehr unterscheidet. Aus den von der Gesellschaftseit ihrer Entstehung, namentlich von 1673 an selbst veröffentlichten Dokumenten über ihr«