614 Quadrupleallianz
der Höhe von Passaro vernichtete, schloß Dubais unterdeß am 2.Aug. 1718 zu London zwi-schen Frankreich, England und Ostreich eine neue Allianz, in welcher sich diese Mächte ihrenLänderbesitz und sämmtlichc Bestimmungen des utrechter Friedens gewährleisteten. Manfoderte Spanien zum Beitritt aus, erhielt aber eine ausweichende Antwort. Desgleichenzögerte auch der Herzog von Savoyen, weil er Sicilien gegen Sardinien an den Kaiser ab-treten sollte. Als aber Savoyen sah, daß es von beiden Seiten gefährdet, trat es am 2.Nov.l 7 l 8 der Allianz bei und nahm die Insel Sardinien mit dem Königstitel an. Nach langenVerhandlungen schlossen sich am U>. Febr. 1719 die Generalstaaten dem Bunde an, derhiermit nun den Namen der Quadrupleallianz erhielt. Nachdem Alberoni gestürzt undSpanien gedemüthigtworden war, mußte am 26,Jan. 1720 auch Philipp V. eine Zutritts-acte unterzeichnen. Die Ausgleichungen zwischen Ostreich und Spanien sollten unterVermit-telung der übrigen Verbündeten auf einem Congresse zu Cambray stattfinden, der zwar in derMitte des I. 1721 zusammentrat, aber durchaus zu keinem Resultat führte. Spanien, vonFrankreich durch die Zurücksendung der Infantin Maria Anna (s. Ludwig XV.) hart be-leidigt, schloß endlich mit Ostreich zu Wien am 30. Apr. 1725 einen geheimen Vertrag, inwelchem letzteres die bourbonische Erbfolge in Spanien, ersteres die Pragmatische Sanktiongewährleistete. Der Congreß zu Cambray löste sich demzufolge auf und Frankreich, Eng-land und Preußen errichteten am 3. Sept. 1725 zu Herrenhausen die sogenannte hannov.Allianz, der >726 die Generalstaaten und 1727 auch Schweden und Dänemark beittaten.
Die Bündnisse, welche sich an den östr. Erbfolgekrieg und den Siebenjährigen Kriegknüpften, desgleichen die Coalitionen, welche die europ. Mächte zur Vernichtung der franz.Republik und des Kaiserreichs schlossen, werden gewöhnlich nicht nach ihrer Gliederzahl be-zeichnet. Dagegen erhielt ein Bündniß der neuesten Zeit, das zunächst die Aufrechterhaltmigdes konstitutionellen Princips auf der pyrenäischen Halbinsel bezweckte, den Namen einerQuadrupleallianz. Der Plan, der diesem Bündniß zum Grunde lag, war weit tiefgreifenderund mehr auf die Erhaltung des europ. Gleichgewichts berechnet, als es den Anschein hatte.Schon seit dem Frieden von l8I5 betrachteten die brit. Staatsmänner aller Parteien dieAusbreitung der russ. Macht im Osten und den Einfluß derselben auf die Politik der west-lichen Staaten mit gerechter Besorgniß. Die Gefahr stieg, als sich auch das franz. Cabinetunter KarlX. dem östlichen Riesen zuneigte, um vielleicht mit dessen Hülse die absolute Mon-archie herzustellen. Nach der Julirevolution zögerte darum selbst das brit. Toryministeriumnicht, den neuen Zustand in Frankreich anzuerkenncn, sowie den Freundschaftsanträgen desFürsten Talleyrand ein günstiges Ohr zu leihen. Die Aussicht auf ein Bündniß zwischenden beiden großen konstitutionellen Mächten rückte noch näher, als die Whigpartei ansStaatsruder gelangte, und die Parlamentsreform die liberalen Ideen entfesselte. Palmer-ston, der neue Minister des Auswärtigen, ging sogar mit Vorliebe auf die großartigen Planerin, welche ihm Talleyrand, der Meister der franz. Diplomatie, entwickelte. Frankreich undEngland im Verein sollten dem russ. Übergewicht mit Nachdruck begegnen und zuvörderst imwestlichen Europa auf die Herrschaft des liberalen Princips hinarbeiten. Schon trat dieseEinigung in der belg. Frage hervor; bald sollte sich dieselbe in den Angelegenheiten der pyre-näischen Halbinsel noch deutlicher äußern. Eine franz. Flotte vernichtete die Seemacht DomMiguel's, und dem Dom Pedro wurde der Weg zur Eroberung Portugals so viel als mög-lich geebnet. Zugleich errang die franz.-brit. Diplomatie am Hofe zu Madrid einen gewich-tigen Sieg, indem König Ferdinand VII. seinem dem Absolutismus zugewendeten Bruder,Don Carlos, die Thronfolge absprach und seiner jungen Tochter Jsabella die span. Kronegegen die gesetzliche Erbfolge vorbehielt. Es war leicht vorauszusehen, daß diese Anordnungnach Ferdinand's Tode lebhaften Widerstand bei der Pfaffenpartei erwecken und die Köni-gin-Mutter Christine, der die Regentschaft zustand, gänzlich in die Arme der bisher unter-drückten constitutionellen Partei nöthigen würde. Als die unmündige Jsabella im Sept.1833 den span.Thron bestieg, erhielt jedoch alsbald die absolutistische Partei durch die Erhe-bung der in ihren Privilegien bedrohten Baskischen Provinzen eine gefährliche Stärke. Auchin Portugal war die Macht Dom Miguel's noch nicht völlig gebrochen, und zugleich hattederselbe den span. Jnfantcn an seinem Hofe ausgenommen. Diese Umstände, verbunden mitdem feindseligen Benehmen der östlichen Mächte, führte die franz.-brit. Politik zu entschir-