6«ß Pyromantie Pyrrho
und derselbe, „P. und seine Umgebungen mit besonderer Hinsicht auf seine Mineralquellen"(2. Ausl., Pyrm. I8äv).
Pyromantie (griech.), lat. ignispicium, nannten die Alten die Kunst, aus dem Feuerzu weissagen, die namentlich von den Priestern zugleich bei den Opfern in Anwendung ge-bracht wurde, indem man darauf sah, ob die Flamme hell brannte, gerade aufstieg, ob sie dasOpferthier sogleich ergriff, oder wieder erlosch, ehe sie dasselbe verzehrt hatte u. s. w. AlsErfinder dieser Kunst wird gewöhnlich Amphiaraus (s. d.) angegeben.
Pyrometer oder Feuermesser ist ein Instrument, mit welchem höhereHitzegrade,die über den Siedepunkt des Quecksilbers hinaus liegen, gemessen werden können. Unter dmverschiedenen Vorrichtungen, die man hierzu ersonnen, hat die von Wedgwood ein kaumverdientes Ansehen genossen. Andere bekannte Pyrometer sind das von Daniell und dasvon Prinsep. Die größte Vollkommenheit erhielten die Pyrometer erst durch Petersen undPouillet, und es beruhen dieselben darauf, daß man einen kleinen, nicht luftdicht verschlosse-nen Platinballon der zu messenden Hitze aussctzt und dann unter Wasser oder Quecksilbererkalten läßt. Dabei dringt soviel Wasser oder Quecksilber ein, als der Ausdehnung ent-spricht, welche die Luft in der Hitze erfahren hatte, und aus dem Gewicht des Eingedrunge-nen berechnet man dann mit Schärfe die Temperatur.
Pyröphor heißt ein Körper, der sich, wenn er aus einem verschlossenen Gefäße an dieLuft gebracht wird, von selbst entzündet. Die Chemie bietet viele Beispiele von Pyrophorendar, unter denen der sogenannte Alaunpyrophor oder der Ho mb erg'sche Pyrophorder bekannteste ist.
Pyrotechnik, s. Feuerwerk.
Pyrrha, s. Deukalion.
Pyrrhlcha hieß bei den Alten ein Waffentanz, der von seinem Erfinder, einem gewis-sen Pyrrhichos aus Sidon, den Namen erhalten haben soll. Man betrachtete diesen Tanzals eine nützliche Kriegsübung für junge Leute, indem diese sich übten, theils solche Bewe-gungen mit dem Körper zu machen, wodurch sie den Streichen des eindringenden Feindesentgehen konnten, theils solche, welche beim Werfen der Pfeile und Wurfspieße, beim An-greifen des Feindes, gemacht werden mußten. Zn späterer Zeit, namentlich bei den Römern,führte man diesen Tanz bei Feierlichkeiten und öffentlichen Schaugebungen zur Abwechselungund Unterhaltung mit auf.
Pyrrhichius, s. Nhythmus.
Pyrrho, der Stifter der häufig nach ihm genannten altern skeptischen Schule, waraus Elis im Peloponnes gebürtig und um 376 v. Chr. geboren. In seiner Zugend beschäf-tigte er sich mit der Malerkunst, bis theils eigenes Nachdenken, theils das Studium der Schrif-ten des Demokrit ihn der Philosophie zuführten. Einen seiner Lehrer, den Anaxarchos, soller im Gefolge Alexandcr's des Großen nach Indien begleitet und sich auf diesem Auge mitden Meinungen der Gymnosophisten und Magier bekannt gemacht haben. Sein Mistrauengegen das positive Wissen ging endlich so weit, daß er alles Wissen für unnütz hielt und nurder Tugend einen Werth beilegte. Seine Äußerungen in dieser Hinsicht haben seine Gegnerdurch viele lächerliche Geschichten zu persiffliren gesucht. Einen großen Theil seines Lebensbrachte er in der Einsamkeit zu. Seine Landsleute ehrten ihn wegen seines sittlichen Charak-ters und übertrugen ihm nicht nur das Amt eines Oberpriesters, sondern erklärten seinet-wegen auch alle Philosophen für frei von den öffentlichen Abgaben. Er starb um 288 imhohen Alter. Die Athener ehrten ihn durch Ausstellung seiner Statue. Cicero rechnet ihn aus-drücklich noch zu den Sokratikern, und zwar insofern mit einigem Grunde, weil seine Skepsissich an die Ironie des Sokrates anschloß, indem er das scheinbare Nichtwissen und dieBestreitung des eiteln Wissens in eine Lehre von einer allgemeinen Ungewißheit verwandelteund dadurch, wie Sokrates, der Sophistik entgegcntrat. Seine Ansichten trug er blos münd-lich vor; auch die Schriften seines Schülers und Freundes Timon (s. d.) sind verloren ge-gangen; was wir von ihm und seinen Ansichten wissen, verdanken wir Sextus Empiricusund spätem Philosophen. Die sogenannten Pyrrhonischen Wendungen oder Zwei-felsgründe gehören P. nicht alle an, sondern sind theils schon „von den Sophisten, theilserst von spätem Skeptikern aufgestellt und entwickelt worden. Überhaupt ist es falsch, die