Pyrmont (Furstenthum) Pyrmont (Stadt) 605
terischen Geist, wie für den edeln Geschmack ihres Verfassers ein vortheilhaftcs Zcugniß«biegen, in Norddcutschland jedoch nur wenig Eingang gefunden haben. Lyrisch Werth,volles enthalten seine „Lieder der Sehnsucht nach den Alpen" (Stuttg. 1845). Seineschönen lat. Landtagsreden wurden zwar gedruckt, aber nur an die Landesbehörden ver-theilt. Eine Sammlung seiner Werke erschien in drei Bänden (Stuttg. 1831 — 31;neue Aust., >845).
Pyrmont, ein zum Fürstenthum Waldeck gehöriges Fürstenthum, umschlossen vonLippe-Detmold, dem preuß. Regierungsbezirk Minden und der hannov. Provinz Kalen-berg, ist ziemlich gebirgig, von der Emmer durchflossen und zählt aus IV- OM. Flächeninhaltgegen 7 000 meist protestantische Einwohner, die sich mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigen.Der Hauptort ist die Stadt Pyrmont (s. d.). P. war früher Grafschaft und gehörte denGrafen von Pyrmont. Durch Aussterben kam dieselbe im I. 1404 an die Grafen vonSpicgclberg, 1557 an die von der Lippe, >583 an die von Gleichen und durch Erbvcrbrü-derung l 625 an Waldeck.
Pyrmont, der Hauptort des gleichnamigen waldeckischen Fürstenthums, eine nied-liche Stadt von 3000 E., an der Emmer, am nördlichen Ende eines romantischen Thales,verdankt seinen weitberühmten Namen den daselbst entspringenden Mineralquellen und warfrüher der berühmteste unter allen Curorten. Die Mineralquellen waren, der Sage nach,schon von Karl dem Großen geschätzt und zogen bereits um die Mitte des 16. Jahrh. jährlichoft über 10000 Besucher herbei, von denen der größte Theil aus Mangel an Wohnungenein förmliches Feldlager in der Nähe des Bades bezog. Zwar nahm in der Folge die Frequenzbedeutend ab, dagegen gehörten namentlich die Zeiten, wo Friedrich II. und Friedrich Wil-helm II. häufig daselbst weilten, wieder zu den blühendsten, und noch" gegenwärtig beläuftsich dieZahl der jährlichen Curgäste auf3—4000. DieZahl der Heilquellen ist sehr beträcht-lich; sie gehören theils zu den erdig-salinischen Eisenquellen, theils zu den Soolquellcn, theilSzu den Säuerlingen. Unter die ersten sind zu rechnen die eisenhaltige Trinkquelle oder diePyrmonter Stahlquelle (11° R-), die Badequelle oder der Brodelbrunnen (>1° R.), derAugenbrunnen (9,5° N.), der Neubrunnen (9,3° R.), der alte oder niedere Badebrunnen(11° N.) und der westliche Badebrunnen; zu den Soolquellen die vorzugsweise sogenannteSoolquelle (8,7° R.), die muriatisch-salinische Trinkquelle (10° R.) und der kochsalzhaltigeBadebrunnen; unter die Säuerlinge eine Quelle mit einerTempcratur von 9° R. Die Quel-len der ersten Art wirken als Getränk angewendet vorzugsweise erregend und belebend aufdas Nerven - und Gefäßsystem, stärkend, erhitzend, auch leicht berauschend, die Mischung desBluts verbessernd, und zusammenziehend auf die Schleimhäute; als Bad belebend, stärkend,zusammenziehend und erhitzend, weshalb sie besonders bei Übeln angewendet werden, die aufSchwäche beruhen. Die Soolquellen werden da in Gebrauch gezogen, wo Soolbäder(s. d.) überhaupt angezeigt sind. Der Säuerling Hat eine gelind eröffnende auslöscnde Wir-kung. Außer diesen Quellen, die theils als Getränk, theils in jeder Form des Bades ihreAnwendung finden, benutzt man noch das dem Brodelbrunnen entströmende Gas zu Gas-bädern und die in der Nähe gegrabene Moorerde zu Mineralschlammbädern. Demnach istauch die Reihe der Krankheiten, gegen welche in P. Hülfe gesucht wird, eine sehr ansehnliche,und mit welchem Nutzen die verschiedenen Quellen angewendet werden, beweist, außer derFrequenz der Gäste, auch die Quantität des versendeten Wassers, welche jährlich gegen400000 Krüge beträgt. Die Cur wird durch die schöne Lage des Orts unterstützt, sowie durchdie geselligen Vergnügungen, für welche durch Anlagen im Freien und durch entsprechendeGebäude hinlänglich gesorgt ist, weshalb sich neben den eigentlichen Curgästen stets eine großeAnzahl Fremder bloß zum Vergnügen einfindet. In der Nähe des Bades liegt das SchloßPyrmont, das seit >806 die Sommerresidenz des Fürsten von Waldeck ist. InteressantePunkte in der Umgebung von P. sind die der Hundsgrotte (s. d.) bei Neapel ähnlicheDunsthöhle, drei merkwürdige Erdfälle, der Königsberg mit eurem Marmordcnkmale Fried-rich's II., das Salzwerk, welches eine jährliche Ausbeute von 4000 Ctr. liefert, und dieQuäkercolonie Friedrichsthal mit einer Stahlfabrik. Vgl. Harnier, „ittesnme sur I,r n»t»re«t I'NSAFS clss tzkuix ininsrsles ile ?." (Hannov. 1828); Menke, ,',Die Heilkräfte des pyr-monter Stahlwassers, des versendeten wie des an der Quelle getrunkenen" (Pyrm. l 835)