Pyrenäen 603
aufsteigt, auf der Südseite dagegen durch die Gebirge von Aragonien und Catalonien mitdem Gebirgskerne der Pyrenäischen Halbinsel verknüpft, auf der Westseite aber unmittel-bar mit demselben verbunden ist. Die Pyrenäen bestehen aus zwei Hauptkettcn, einer vonWesten kommenden, welche, als östliche Fortsetzung des Cantabrischen Gebirges, bei der Bi-daffoa beginnt und im Osten an der Noguera Pallaresa endigt, und einer andern, welchenördlich von der vorigen, an der Gave d'Ossau mit dem Pie du Midi de Gavisos beginnt,eine Strecke lang in einem Abstande von 3 — 4M. neben der vorigen hinläuft, von derGaronne und vielen kleinern Flüssen durchbrochen wird und ostwärts bis zum Golf von Ro-sas am Mittelländischen Meere streicht, wo sie nördlich von diesem Golf in den Vorgebirgenvon Norfeo und Creuz endigt. Die Abdachung der Pyrenäen nach Norden zu den Ebenenund Hügellandschaften Südwestfrankreichs ist sanfter als nach Süden zu, wo sie in steilenTcrrassenabsätzen in die anliegenden Berglandschaften übergehen. Soweit beide Hauptkettender Pyrenäen einander parallel laufen, bilden sie den wildesten und höchsten Theil des gan-zen Gebirges, die Hoch- oder Mittelpyrenäen. Hier liegt in der südwestlichen Kette eineReihe von Hochgipfeln, die mit dem 9186 F. hohen Pic du Midi de Pau beginnt und mitder kahlen Maladetta, deren höchste Spitze, der 10722 F. hohe Pic d'Anethou, der höchstealler Pyrenäengipfel ist, endigt, und die zwischen beiden mehre andere über >9000 F. hoheBerge zählt, wie den Montperdu und die Tres Sorores. Die nordöstliche Kette dagegensteigt minder hoch auf, bildet keine undurchbrochene Felsenmauer, sondern einen von vielenQuerthälern durchfurchten Wall, aus welchem der Pic de Gavisos mit 7932 F. und derPic du Midi de Bareges im Süden des gefeierten Campanerthals mit 9036 F. aufsteigen.Die Ostpyrenäen, die östlichste Fortsetzung der nordöstlichen Hauptkette, beginnen mit demThale von Arran, erheben sich in ihren Gipfeln in die Region des ewigen Schnees und bil-den bis zur Segrequelle eine mächtige, undurchbrochene Felsenmauer. Hier nehmen sie jedocheinen andern Charakter an, indem eine eigenthümliche Zertheilung und Spaltung der Ee-birgsmasse sowol nach ihrer Längen- wie nach ihrer Querrichtung eintritt und die Höhe derGebirgskette von nun an ostwärts immer mehr abnimmt, denn der 8580 F. hohe Canigoubildet eine fast isolirte, außerhalb des Hauptrückcns liegende Gebirgsmasse; dieWestpyrenäen,die westliche Fortsetzung der südwestlichen Hauptkette der Mittelpyrenäen, erreichen nirgenddie Schneelinie, indem ihr höchster Gipfel, der Pic dÄnio, nur 7500Fermißt. Sie bildenim Osten 6—7000 F. hohe Rücken, selten gesonderte Massen, werden gegen Westen immerniedriger und erscheinen an der untern Bidassoa nur noch als isolirte Berghaufen von etwa3000 F. Höhe. Auch fehlt ihnen der breite Gürtel nördlicher Vorberge, der den Ostpyrc-näen eigenthümlich ist.
Die mittlere Kammhöhe der Pyrenäen beträgt 6—7000 F. Fast in derselben Höheliegen die meisten ihrer Pässe, deren mehr als 100 über das Gebirge gehen, von denen jedochnur sieben für Wagen und Kanonen fahrbar sind. Die wichtigsten davon sind die Straßenvon St. - Jean de Luz über die Bidassoa nach Vittoria, von St.-Jean Pied de Port nachPampelona und von Perpignan über Junquera nach Gerona; die Nolandspforte von Bielsanach Bareges ist beschwerlich. Den Pyrenäen fehlen großartige Längenthäler; überhauptsind die Thalbildungen in denselben beschränkt; sie erscheinen in der Gestalt kleiner, kessel-förmiger, stufenweise übereinanderliegcnder Becken, die durch enge Schluchten miteinanderverbunden sind, und haben sämmtlich den Charakter von Hoch - und Nebenthälcrn, währendHauptthäler und darum ausgebildete Thalsysteme selten sind. Ebenso sind die Pyrcnäen-stüsse im Ganzen nicht sehr ansehnlich. Die Region des ewigen Schnees, welche auf demNordabhange des Gebirges mit 7900 F., und auf dem Südabhange mit 8600 F. Hohe be-ginnt, enthält keine großen Schneefelder, und der Pyrenäenkamm zeigt im Sommer keinezusammenhängende Schneedecke, sondern nur einzelne Schneekoppcn und Flecke. Auch findetman hier nicht die Ungeheuern Eismeere wie aus den Alpen, und die Gletscher sind unbedeu-tend und nur auf den nördlichen Abhängen der höchsten Berge zu treffen, reichen nirgendtiefer als bis zu 7800 F. und niemals in die bebauten Thäler hinab. Sehr verschieden istder landschaftliche Charakter auf den beiden Seiten der Pyrenäen. Denn während auf demwärmern und trockenem Südabhange Gletscher ganz fehlen, die Schneegrenze um 700 F.höher ist als aus dem Nordabhange, Wälder nur wenig gesunden werden, und die von den