582 Puchta (Wolfgang Heinr.) Pückl^r-Muskau
danken zu verfolgen und seine Gestaltung zu einer geist- und lebensvollen Einheit aufzuzei- i
gen. Dabei verband er mit gediegener philosavbischer Bildung (er gehörte der Schelling'schen ,
Schule an) eine seltene Schärfe und Klarheit des Gedankens und des Ausdrucks, und ,
seine Lehrvorträ'gc wie seine, namentlich später« Schriften stnd in dieser Hinsicht musterhaft >
zu nennen. Auf dem Gebiete des Kirchenrechts folgte er einer strengen Richtung, der er sich §
auch im Leben zuwendete, und die ihm, wie die Schärfe seiner Kritik, mannichfache Anfein- ,
düngen zuzog. Als seine wichtigsten Schriften haben wir zu nennen den „Grundriß zu Vor- ,
lcsungen über juristische Encyklopadie und Methodologie" (Erlang. >822), „Civilistische i
Abhandlungen" (Bd. I, Verl. 1823), „Encyklopädie als Einleitung zu Institutionen- r
Vorlesungen" (Bcrl. >825), „Das Gewohnheitsrecht" (2 Bde., Erlang. l828 — 37), ;
„Lehrbuch für Jnstitutionen-Vorlesungen" (Münch. 1829), „System des gemeinen Civil- c
rechts, zum Gebrauch bei Pandcktcn-Vorlesungcn" (Münch. 1832), „Lehrbuch der Pan- s
dekten" (Lpz. 1838; 3. Aust., 1813), „Einleitung in das Recht der Kirche" (Lpz. 1839) ,
und „Cursus der Institutionen" (2 Bde., Lpz. 1831—32; 2. Aust., >835—36). x
Puchta (Wolfgang Heinr.), ein sehr bekannter juristischer Schriftsteller, der Vater l
des Vorigen, geb. zu Mährendors bei Erlangen am 3. Aug. 1769, wurde auf dem Eymna- ^
sium zu Ansbach und auf der Hochschule zu Erlangen vorgebildct und betrat die praktische r
Laufbahn als Advocat in Ansbach, wo er bald als Criminalrath bei der prcuß. Negierung t
angestellt wurde. Seit >797 erster Justizbcamter und Justizrath, kam er nach dem Uber- r
gange der Provinz Ansbach an Baiern als Landrichter nach Cadolzburg und 1811 als Di- b
rigent des Landgerichts nach Erlangen, wo er am 6. März >835 starb. Wie in seinem d
Amte, so war er auch auf dem schriftstellerischen Gebiete sehr eifrig. Es war zunächst weder d
die philosophische Schärfe, noch die Tiefe der Gelehrsamkeit, die seinen Schriften ihren beson- »
dcrn Werth verliehen, sondern eine aus der Tiefe des Lebens geschöpfte Erfahrung und eine h
ihres Zwecks sich klar bewußte Richtung, die seiner Stimme Achtung und Anerkennung d
verschafften, mochte sie über den sachwalterischen Beruf oder das richterliche Amt oder a
für zweckmäßige Änderung der Grundmängel des Proceßwesens sich erheben. Als seine u
vorzüglichsten Schriften sind zA erwähnen „Über die Grenzen des Richtcramts in kürzer- z ilichen Rechtssachen" (Nürnb. >819), „Handbuch des gerichtlichen Verfahrens in Sachen ! uder freiwilligen Gerichtsbarkeit" (2 Bde., Nürnb. >821; 2. umgearb. Aufl., > 831 —32), ' ü
„Beiträge zur Gesetzgebung und Praxis des bürgerlichenNechtsvcrfahrens" (Erlang. 1822), ^ d
„Das Institut der Schiedsrichter" (Erlang. 1823), „Entwurf einer Ordnung,des Versah- u
rens in den Gegenständen der freiwilligen Gerichtsbarkeit" (Erlang. > 823), „Über die bür- u
gerliche Rechtspflege und Gerichtsverfassung Baierns" (Erlang. 1826), „Uber den Con- si
cursproceß, besonders mit Rücksicht auf die Mittel seiner Abwendung und Abkürzung" li
(Erlang. 1827), als zweiter Theil der „Beiträge zur Gesetzgebung"; „Über die gcrichk- j glichen Klagen, besonders in Streitigkeiten der Landeigenthümer" (Gieß. 1833; 2. Aust, a
1836), „Die Landgerichte in Baiern und ihre Reform" (Erlang. 1833), „Das Proceß- r
leitungsamt des deutschen Civilrichters" (Gieß. 1836), „Über die rechtliche Natur derbäuerlichen Gutsabtrctung" (Erlang. 1837), „Anleitung zur Civilproceßpraxis in Baiern" e(Erlang.! 838) und „Der Jnquisitionsproccß mit Rücksicht auf eine zeitgemäße Reform des -deutschen Strafverfahrens überhaupt und besonders auf die Öffcntlichkeitsfrage betrachtet" §(Erlang. 1833). Seine reichen Erfahrungen legte er in den „Erinnerungen aus dem Leben lund Wirken eines alten Beamten" (Nördl. 1832) nieder. c
Pückler-Muskau (Hermann Ludw. Heinr. Fürst von), geb. am 36. Oct. 1785 lzu Muskau in der Lausitz, besuchte die herrnhutischc Lehranstalt zu Uhyst, das Pädagogiumzu Halle und wurde dann zu Dessau für die Universität vorgcbildet. Er studirte > 866—3zu Leipzig die Rechte, trat in Dresden in die Garde du Corps, nahm als Rittmeister seinen j
Abschied und machte eine Reise über Wien nach Frankreich und Italien. Bald nach seiner j
Rückkehr kam er l 811 durch den Tod seines Vaters in den Besitz der StandesherrschastMuskau (s. d.) und eines beträchtlichen Vermögens; sofort wendete er seinen Sinn aufVerschönerung und Erhebung seines Stammguts, wobei ihn Schinkel's Rath unterstützte. j
Einer Krankheit halber konnte er erst im Oct. 1813 Theil an den Kriegsereignissen nehmen. '
Er trat als Major in rufst Dienste und wurde Adjutant bei dem Herzoge Bernhard von !