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Paulus von Ägina
der Sitte jüd. Lehrer, ein Handwerk, wahrscheinlich Zeltwcberei, wodurch er sich in der Folgeseinen Unterhalt verschaffte. So zum Lehramte vorbereitet, trat er wenige Jahre nach demTode Jesu als Verfolger der Christengemeinde öffentlich auf, zu deren Unterdrückung derhohe Nath ihn in und außer Jerusalem gebrauchte. Die Apostelgeschichte hat mehre Zügeder Heftigkeit seines Eifers in diesem traurigen Geschäft aufbewahrt, das er aus Anhäng-lichkeit an das alte Gesetz betrieb. Er war mit Vollmachten des hohen Raths zur Verhaftungder Christen auf dem Wege nach Damask, als er durch eine Erscheinung (Apostelgesch.Cap. !> und 22) bewogen wurde, dem Christcnthum eine andere Seite abzugewinnen undsich durch den Unterricht christlicher Lehrer Erkenntniß von der Vortrefflichkeit dieser Religionzu verschaffen. Seine Bekehrung bezeichnete er durch Abänderung seines Namens Saul inPaulus, und widmete sich nun dem Berufe zum Apostel mit einer Begeisterung, welche diegrößten Schwierigkeiten überwand. Arabien, Syrien, Kleinasien, Griechenland und dieInseln des Mittelländischen Meeres wurden die Schauplätze seiner unermüdeten Thätigkeitfür die Ausbreitung des Christenthums. Auf seinen drei Missionsreisen, die nach Anger(,,Ve temporum in ^ctis ^postolorum rntione", Lpz. 1833) in die Jahre 44, öl und 54zu setzen sind, machte er sich um die Gemeinden zu Antiochien, Ephesus und Jerusalemdurch Lehren, Anordnen der Gebräuche und Almosensammeln für die ärmern Mitgliederverdient. Die Gemeinden zu Philipps in Makedonien, zu Korinth, Galata und Theffalonichverehrten ihn als ihren Stifter, und die im Kanon des Neuen Testaments enthaltenen Send-schreiben, die er an diese und andere Gemeinden in den angesehensten Städten Griechenlands,Kleinasicns und nach Nom schrieb, zeigen, in welchem Verhältnisse väterlicher Macht undSorgfalt er mit ihnen stand. Dadurch, daß er auch Heiden, ohne sie zuiwr zur Beobachtungdes jüd. Gesetzes zp verpflichten, in die Christengemeinde aufnahm, gab er dem Fortgangedes Christenthums einen Umsang, zu dem die beschränktere Ansicht der übrigen Apostel, dieanfangs nur Juden taufen wollten, es nie hätte kommen lassen. Gerade dies aber zog ihmden Haß der Juden zu, die ihn als einen Abtrünnigen verfolgten, und zu Jerusalem warAlles zu seinem Untergänge bereit, als er nach einer mehr als 20jährigen Wirksamkeit fürdie Verbreitung der Lehre Jesu, um das I. 59 mit den von ihm gesammelten Unterstützungs-geldern für die gedrückten paläst. Christen sich nach dieser Stadt begab. Hier wurde er ver-haftet und nach Cäsarea gebracht, wo ihn die röm. Statthalter Felix und Festus zwei Jahrelang gefangen hielten und die Unerschrockenheit, mit der er sein Unternehmen rechtfertigte,nicht weniger bewundern mußten, als früher derArcopag und die Weisen zu Athen, woDionysius, der Areopagit, sein Anhänger wurde, die Kraft und Gediegenheit seines Vor-trags. Weil er als röm. Bürger an den Kaiser appellirt hatte, schickte man ihn endlich nachRom, wo er nach einem bei Malta ausgestandenen Schiffbruche im Frühjahre 61 anlangte.Mit Achtung ausgenommen, jedoch als Staatsgefangener behandelt, gewann er daselbstmehre, auch vornehme Römer für das Christenthum. Daß er im I. 64 wieder auf freienFuß kam, ist nicht zu erweisen. Um das I. 67 soll er unter Nero den Märtyrcrtod erlittenhaben. Das Leben keines Apostels ist so reich an merkwürdigen Auftritten, rühmlichenThaten und außerordentlichen, traurigen Schicksalen, als die Geschichte dieses großen Mannes,dem auch die Gegner der Religion, für die er lebte und starb, seltene Geistesgaben, gründlicheKenntnisse, tiefes Eindringen in das Wesen der Religion, Fülle und Schärfe der Ideen undeine Lehrgeschicklichkeit, die mit systematischer Anordnung der Materien Faßlichkeit undWärme verband, nicht absprechen konnten. Seelengröße, echte Frömmigkeit und Glaubens-kraft leuchten aus allen seinen Worten und Thaten hervor. Einige seiner im Kanon be-findlichen Sendschreiben sind neuerdings angezweifelt worden. Jedenfalls erdichtet ist seinBriefwechsel mit dem Philosophen Scneca. Vgl. Hemsen, „Der Apostel P.; sein Leben,Wirken und seine Schriften" (Gött. 1830); Schräder, „Der Apostel P." (Dd. 1—5,Lpz. 1 830 —36), und,Dahne, „Der Lehrbegriff des P." (Halle 1835).
Paulus von Ägina, ein berühmter griech. Arzt, lebte im 7. Jahrh. n. Chr., indessen zweite Hälfte seine Blütezeit fällt, meist in Ägypten und Kleinasien. Mit ungemeinenKenntnissen undAnlagen ausgestattet, war er der ausgezeichnetsteArztseiner Zeit, und von denGriechen, die ihn den Lehrer der Heilkunde (lotrosopiiists), wie von den Arabern, welche ihnwegen seiner besonders großen Einsicht in die Krankheiten des weiblichen Geschlechts Vorzugs-