Paula Pauline H
Paula (Franz von) und Paulaner, s. FranzvonPaulaundMinimen.
I'aulette hieß in Frankreich nach dem Nanien ihres ersten Pachters, Charl. Pauket,eine Abgabe (auch Droit minnel genannt), welche der König jährlich von dem Einkommensämmtlicher Staatsbeamten bezog, die außerdem ihre Stellen vom Staate oder den Vorgän-gern erkaufen mußten. Heinrich I V. führte die Steuer, die den 60. Pfennig oder l'/- Proc.betrug, 1604 auf Sully's Nach ein, erlaubte dagegen den Beamten, ihre Stellen auch zuverüben. Diese Erblichkeit steigerte den Ämterpreis so ungeheuer, daß fortan die Regierungauf die Ablösung sowie auf jede Abstellung der daraus hervorgcgangenen Übelstände ver-zichten mußte. Anfangs wurde die Paulette nur auf neun Jahre festgesetzt, bei der großenFinanznoth des Staats aber immer wieder auf gleiche Zeit erneuert, bis auch ihr die Revo-lution ein Ende machte.
Pauliciäner hießen seit dem 7. Jahrh. die unter dem Schutze der Bergketten desKaukasus und Taurus in Armenien erhaltenen Überreste einer gnostischen Partei, derenGrundsätze vorzugsweise denen des Marcion sich näherten. Daher ihre Vorliebe für Pau-lus, nach dessen Begleitern ihre Vorsteher sich nannten; auch legten sie ihren Gemeindendie Namen Paulinischer Gemeinden bei. Sie verwarfen die Briefe Petri, vielleicht auch diebeiden ersten Evangelien, und erklärten sich gegen das ganze äußerliche Kirchenwescn. AlsBilderstürmer wurden sie von den griech. Kaisern verfolgt oder geduldet, je nachdem diesedem Bilderdienste ungünstig oder günstig waren. Im 9. Jahrh. mußten sie wegen ihrerKetzerei harte Bedrückungen leiden, unter denen Viele umkamen, Andere in das Gebiet derMohammedaner flüchteten, welchen sie in den Kämpfen gegen die Griechen beistandcn. Dieim >0. Jahrh. versuchte Bekehrung wieder eingewanderter Paulicianischcr Gemeinden, dieder griech. Kaiser Johannes Tzimiskes nach Thrazien versetzte, gelang weniger, als die Ver-suche, welche im ! I. und l 2. Jahrh. Alexius Komnenus machte. Vielleicht verbreiteten sichin Folge der Kreuzzüge ihre Abkömmlinge und Geistesverwandten in manche europ. Länder.Vgl. Schmid, „blistoriu kaiilicianornm Orientalin!»" (Kopenh. I 826).
Pa ul ine (Christine Wilhclmine), Fürstin zur Lippe, geb. zu Ballenstedt am23.Febr.>769, war eine Tochter des Fürsten Friedrich Albert von Anhalt-Bernburg und seiner Ge-mahlin Luise, geborenen Herzogin von Holstein-Plon. Sie zeigte viele Anlagen und erhielteine gute wissenschaftliche Bildung. Die Stunden der Muße verlebte sie an der Seite ihresVaters; sie nahm Theil an den Regierungsgeschäften unk kegleitete ihn aus seinen Jagd-zügen. So erhielt ihr Charakter eine mänMche Richtung, die sich selbst in kräftigen Eesichts-zügcn aussprach. Sie war der lat. Sprache mächtig und ziemlich vertraut mit der dän.Literatur. Minder bewandert war sie im Zeichnen, in der Musik und in weiblichen Fertig-keiten. Mit dem Dichter Gleim, der ihren dichterischen Versuchen seinen Beifall schenkte,stand sie in Briefwechsel. Dabei studirte sie die Verfassung ihres Geburtslandes, unterhieltsich mit Staatsmännern über alle Theilc der Verwaltung, arbeitete Gesetze aus und ver-fertigte Gutachten aus Acten. Seit 1790 leitete sic im Cabinete ihres Vaters die auswär-tigen Geschäfte. Nach der Wahl ihres Herzens vermählte sic sich 1796 mit dem regierendenFürsten Leopold von Lippe-Detmold. Als dieser schon 1802 starb, übernahm sie für ihrenältesten Sohn Leopold (s.d.) die vormundschaftliche Negierung, die sie in derThat muster-haft führte. Gleich im Anfänge hob sic die Leibeigenschaft auf und traf treffliche Einrich-tungen in Hinsicht der Erziehungsanstalten. Auch gründete sic unter Anderm eine Klein-kinderschule, die eine der ersten in Deutschland war. Besonders schätzte sie den Generals»-perintendenten von Cölln, an dessen„Beiträgen zur Beförderung der Volksbildung" (4 Hefte,Lemgo, dann Franks. 1800—4) sie fleißigen Antheil nahm und dessen hinterlassene Werkesie herausgab. Eine geistvolle Dichtung von ihr, „Die Theestunde einer deutschen Fürstin",worin sie den Gesammtberufihres Geschlechts darstellt, findet sich in der „Iduna" (1805).Mit kluger Umsicht benahm sie sich gegen Napoleon, sodaß derselbe das Fürstcnthum Lippeals eines jener Länder bezeichnete, welche von Kriegsrequisitionen verschont bleiben sollten.Zum Besten ihres Landes unternahm sie selbst eine Reise nach Paris, wo sie durch Einsichtund Geistesgegenwart dem Kaiser Ächtung einflößte und die Freundschaft Josephincns ge-wann. Sic war im wahren Sinne des Worts Selbstregentin; sie selbst las, prüfte "underwog; sie selbst verordnete; sie selbst musterte ihr Truppencorps und entwarf die Etats zu