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Paul I. (Kaiser von Rußland)
Ukas, der das alte Rcichsgesetz wicdcrhcrstcllte, kraft dessen das weibliche Geschlecht, so langemännliche Nachkommen vorhanden sind, von der Thronfolge ausgeschlossen ist, und dieThronfolge selbst nach dem Rechte der Erstgeburt stattfindcn soll. Friedliebend endigte erden Krieg mit den Persern und, laut seinMisfallcn äußernd über dasVerfahrcn scinerMut-trr gegen Polen, gab er die in russ. Haft befindlichen Polen frei; Kosciuszko nahm jedoch dieihm angcbotene Pension nicht an. Jndeß hatte der Druck, den P. fast 40 Jahre lang erlit-ten, fortwährend den traurigsten Einfluß auf sein Leben, und die mancherlei Misgriffe, dieer sich zu Schulden kommen ließ, entsprangen größtenteils aus dieser Quelle. Seine Ver-fügungen über die Einfuhr ausländischer Bücher in sein Reich, sowie über den Eintritt frem-der Reisenden, und überhaupt seine gegen den Geist der Zeit anstrebenden Anordnungen be-weisen mehr als zu sehr das durch mannichfache Kränkungen gereizte und verfinsterte Ge-müth des Fürsten. Ein Gleiches leuchtete aus seinem Betragen hervor, als er der Verbin-dung gegen Frankreich beitrat. Sein über l 00000 M. starkes Heer, das zum Theil in Ita-lien und der Schweiz unter Suwarow und Korsakow, zum Theil in Holland gegen Frank-reich focht, errang zwar manche Siege; da es aber durch die Niederlage bei Zürich fast aufdie Hälfte zusammengeschmolzen war, zog er es zurück. Er hatte nämlich gegen den deutschenKaiser, noch mehr aber gegen England und Pitt, Misttauen gefaßt, Bonaparte aber, solchesschlau benutzend, hatte dem Stolze des russ. Herrschers zu schmeicheln gewußt und die gefan-genen Russen, neu bekleidet und bewaffnet, ohne Auslösung nach Rußland zurückgeschickt.P. trennte sich von der Coalition und Dumouricz's Unterhandlungen blieben ohne Erfolg.Damals soll P. unter Andcrm zu Dumouriez gesagt haben: „Ob Sie, ob Ludwig XVIll.,ob Bonaparte oder irgend ein Anderer König von Frankreich wird, gilt mir gleich; nur einenKönig muß es haben." Ludwig XVIll., dem der Gouvernementspalast in Mitau einge-räumt worden war, sowie alle Emigrirte, mußten plötzlich das russ. Gebiet verlassen, undder dem unglücklichen Bourbon bisher ausgezahlte Jahrgchalt wurde aufgehoben. Zu denmerkwürdigen Zügen in P.'s Charakter gehört übrigens, bevor die erwähnte Sinnesände-rung bei ihm einttat, sein Benehmen gegen Spanien und die Malteser. Dem erster« Reicheerklärte er den Krieg, der aber nur die Wegnahme einiger Handelsschiffe zur Folge hatte.In den Maltesern, als einer ritterlichen Verbindung des Adels, sah er eine Stütze der Throneund erstreckte seinen Schuß über sie so weit, daß er sich, als der Freiherr von Hompesch (s. d.)seine Würde niederleae e. nick t ohne Widerspruch von Seiten des Papstes und mchrcr Mächte,am >6. Dec. l788 zum Großmeister desLrdens erklären ließ. In dieser Eigenschaft brachteer ein Werk zu Stande, das mit Recht Erstaunen epregtc, einen Friedensvertrag zwischender Pforte und dem Ritterorden von Malta, wodurch die Türken sich gegen ihre altenFreunde, die Franzosen, mit ihren Stamm - und Glaubensfcinden, den Russen und Mal-tesern, verbanden. Im 1.1800 erreichte sein Unwille gegen England, den höchsten Grad.Schon am 16. Aug. hatte er eine Einladung an Preußen, Schweden und Dänemark erlas-sen, die bewaffnete Neutralität von > 7 80 gegen Englands Anmaßungen im Seehandelwiederherzustellen. Als nun England die am 5. Sept. 1800 wiedereroberte Insel Maltaan P., als den Großmeister des Ordens, auszuliefermsich weigerte, legte am 8. Nov. P. einEmbargo auf alle engl. Schiffe in russ. Häfen, und brachte jenen Neutralitätsvertrag imDec. mit Schweden, im Jan. 1801 mit Dänemark und am 3. Apr. mit Preußen zuStande. Er war so aufgebracht gegen England, daß er alle Könige, die sich nicht gegen Eng-land erklären würden, zum Duell herausfoderte, und daß er seine Herausfoderung des Kö-nigs von Dänemark sogar öffentlich in die Petersburger Zeitung einrücken ließ. Unüberlegt-heiten wie diese, und überhaupt der rasche Wechsel in seinem auswärtigen politischen Sy-'steme fanden im Reiche selbst großen Tadel. Noch weniger erwarb sich P. die Liebe seinerUnterthanen durch seine innere Verwaltung. Zwar schien auch hier oft in den willkürlich-sten Handlungen sein Eifer star Gerechtigkeit seltsam durch, allein derselbe wurde durch dieseinem Charakter eingeprägte reizbare Heftigkeit so gänzlich misleitet, daß die meisten seinerUnterthanen in ihm nur einen Tyrannen erblickten, welchen Namen P. keineswegs ver-diente, der unter andern Einflüssen gewiß ein guter Regent geworden wäre. AllgemeinesMiSfallen erregten seine Abänderungen beim Militair, z. B. die Einführung des Haar-poderS, der Zopfe u. s. w.; ferner sein Verbot der runden Hüte, der Pantalons u. s. w.; das