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Paul I. (Kaiser von Rußland)
Reich und Leben verloren und Katharina II. die Zügel der Regierung ergriffen hatte, warder Großfürst nach dem unglücklichen Ende Jwan's der einzige Erbe des Reichs, undKatha-rina wendete nunmehr Alles an, um die schwankende Gesundheit des Großfürsten zu befe-stigen, den sie als eine Stütze ihres Throns betrachtete, weil die Russen damals mit großerLiebe an ihm hingen. Der edle Graf Nikita Jwanowitsch Paninss. d.), ihr erster Mini-ster und ein von wahrem Patriotismus beseelter Mann, wurde Oberhofmeister und ApinusLehrer des Großfürsten. P. war aufgeweckten Temperaments und besaß Talente; es fehlteihm aber an Lerneifer. Seinem sonst offenen Charakter gab später die Erinnerung an dasgewaltsame Ende seines Vaters, verbunden mit dem Drucke, unter dem die Kaiserin ihn hielt,eine gewisse Härte und Verschlossenheit, zumal da seiner Mutter Herrschereifersucht ihn beiheranreifendem Alter mit Auflaurern umgab. Dennoch war P. edel genug, der Kaiserinstets den Tribut kindlicher Dankbarkeit zu zollen und nur selten äußerte der lebhafte Prinzdie in seiner Brust verschlossenen Gesinnungen. Zm I. >7':! wurde er von seiner Muttermit der Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Darmstadt vermählt, die bei ihrem Übertritt zurgriech. Kirche den Namen Natalia Alcriewna erhielt, und nach deren kinderlosem Tode, am26. Apr. 1776, wurde ihm die Prinzessin Dorothea Auguste Sophie von Würtemberg,in Rußland Maria Feodorowna genannt, zur Gattin bestimmt, mit der er sich am 16. Oct.>776 vermählte. Aus dieser Ehe entsprangen die Großfürsten Alexander (s. d.), dernachmalige Kaiser, Konstantin (s. d.), Nikolaus (s. d.), der jetzt regierende Kaiser, undMichael, geb. am 8. Fcbr. >798, vermählt am 19. Febr. 182-1 mit der Tochter des Prin-zen Paul von Würtemberg, Friederike Charlotte Marie, jetzigen Großfürstin Helena Paw-lowna; sowie die Großfürstinnen Alexandra, Braut des Königs Gustav'- IV. Adolf vonSchweden, dann 1799 Gemahlin des Erzherzogs Joseph, Palatinus, gest. 1801; Maria,die regierende Herzogin von Sachsen-Weimar; Helena, gest. als Erbprinzessin zuMecklen-burg-Schwerin 1893; Katharina, gest. als Königin von Würtemberg >819, und Anna,geb. am 18. Jan. 1795, die Gemahlin des regierenden Königs der Niederlande Wil-helm's ll. Das häusliche Glück, das der Großfürst genoß, tröstete ihn über den Druck,unter welchem die Kaiserin ihn von allen Negierungsgefchäften ausschloß, und der so weitging, daß er als Großadmiral der russ. Seemacht nicht einmal die Flotte in Kronstadt be-suchen durfte. Es spricht sehr für die natürliche Gutherzigkeit des Prinzen^ daß kr selbstdann, wenn, wie öfter geschah, ihm Gelegenheit zur ErlangnnffMW'großem Freiheit gebo-ten wurde, er von dieser Gelegenheit keinen GMäuch machte, und nach Reisen, wie imI. >77-1, wo er die ihm günstige Sssinmung des Volks im Innern des Reichs kennenlernte, freiwillig in seinExil nach Gatschina bei Petersburg zurückkehrte. Eine noch größereReise machte er mit seiner zweiten Gemahlin im I. 1 789, wo er Polen, Deutschland, Ita-lien, Frankreich und Holland besuchte. Nach der Rückkehr mußte er abermals zu seiner ge-zwungenen Unthätigkeit zurückkehren, da Katharina I I. ihm weder erlaubte, dem Feldzuge ge-gen die Türken beizuwohncn, noch sonst an Staatsangelegenheiten Theil zu nehmen. Zwarmachte er den Krieg in Finnland gegen Gustav III. mit, kehrte aber bald miSmuthig in seineEinsamkeit zurück, da er sah, wie auch hier ihm aller freier Wille genommen war. Die franz.Revolution erzeugte in ihm eine nie zu bezwingende Furcht vor den Jakobinern, deren Grund-sätze er überall witterte, was ihn nach seiner Thronbesteigung zur Einführung jener verhaß-ten gcheinten Policei veranlaßte, als deren Opfer viele Tausende freisinniger Patrioten nachSibirien geschickt wurden. Eifrigst intercssirte er sich für die Sache der gegen Frankreich ver-bündeten Fürsten. Seine ersten Herrscherhandlungen nach Katharina's Tode, am 17. Nov.1796, waren Werke des Wohlthuns, vollbracht im Gefühle der Freude, sich endlich frei zusehen. Rasch wurden Unordnungen im Heere und in der Flotte abgcstcüt, die die Kaiserinübersehen hatte. Gegen das an ihm geübte Beispiel ließ er seinen Sohn Alexander an den Ge-schäften Theil nehmen. DicLeicheseines Vaters, Peter's lll., ließ er zugleich mit Katharina'sLeiche feierlich in die kaiserliche Gruft beisehen, und aufseinen Befehl mußten dessen Mörder,Alexis Orlow undBaratinski, das Leichentuch halten. Orlow mußte sodann im Auslands lebenund die vertrautesten Diener Katharina's wurden entfernt. Potemkin's, des so übermüthigenGünstlings seiner Mutter, Leiche ließ er aus dem Sarge reißen und sie in einen Graben wer-fen. Schon während seiner am 1 6. Apr. 1797 zu Moskau erfolgten Krönung erließ er Me»