Patrize Patrönus 3
Patrize heißt in derStempelschneidckunst derjenige Stempel, welchen man als Grund-lage schneidet, um mit demselben eine oder mehre Formen zum Lctterngusse zu erzeugen.Dieser Stempel muß genau die Form der nachmaligen Lettern haben, also links geschnittenund sehr gut gehärtet sein. Die Form oder die Matrize (s. d.) wird nun erzeugt, indemman diese Stempel in ein Stückchen Kupfer einschlägt, und dies dann so bearbeitet, daß es inrichtiger Lage ins Meßinstrument gebracht werden kann. Außerdem nennt man auch die-jenige Schraube, deren man sich bedient, um eine Schraubenmutter, Mater oder Matrize zuschneiden und zu reguliren, eine Vaterschraube oder Patrize. Ebenso wendet man oft beigalvanoplastischen Arbeiten die Benennung Patrize für das Original an, auf welchem einegalvanoplastische Mater niedergeschlagen werden soll.
Patroklos, der Waffengenosse des Achilles, war der Sohn des Argonauten Menö.tios und der Sthenele oder Polymele. Ohne allen Vorbedacht tödtcte er zu Opus beimWürfelspiel des Amphidamas Sohn, Klysonymos. Sein Vater entzog ihn der Rache durchdie Flucht und brachte ihn nach Phthia zum Peleus, der den Knaben freundlich aufnahmund als seines Sohnes Genossen erzog. P. folgte dem Achillcs (s. d.) vor Troja und blieblange Zeit thatenlos wie dieser, der zürnend keinen Antheil am Kampfe nahm. Endlich aberzog er doch aus, in des Achilles Rüstung gekleidet. Der Kampf, den er begann, war glänzend. Allein, nachdem Apollo ihn betäubt uud wehrlos gemacht hatte, wurde er vom Euphor-bos durchbohrt und vom Hector vollends getobter. Die Griechen retteten den Leichnam, be-statteten ihn mit vieler Pracht und stellten feierliche Leichcnspiele an; Achilles aber beschloß,den Freund zu rächen und ihm in den Tod zu folgen.
Patrone heißt im Allgemeinen ein Vorbild oder Muster, nach welchem irgend eineSache ausgeschnitten oder verfertigt werden soll, und bei mehren Handwerkern das Modell,nach welchem die Arbeit verfertigt wird. Nicht zu verwechseln ist die Patrone mit der S cha-blone (s. d.). — Pulverpatronen oder auch einfach Patronen nennt man nachdem Sprachgebrauch mchrer Staaten den Körper, in welchem die Pulverladung mit demGeschoß verbunden ist, um in irgend ein Feuerrohr geladen zu werden. Richtiger scheint es,mit Patrone nur die Ladung nebst Geschoß des kleinen Gewehrs zu bezeichnen, da die Ladüngen für Geschütze weit besser mit dem Namen Cartouche (s. d.) bezeichnet werden. DiePatronenmüssen aufeine Art verschlossen sein, daß sic aufdem Transport, namentlich in denPakronkaschen der Leute, kein Pulver verstreuen, und doch leicht geöffinesVMen können,um die Ladung in den Lauf zu schütten und die KregB^ckkinsszü setzen. Dieses Öffnen ge-schieht gewöhnlich durch Zerreißen deö.-MmtlMgefaltctcn obern Lheils der Patrone, indemdasselbe mit den Zähnen abgebissenUrd. Das Verschließen der Patrone mit Kleister u.s.wist nicht zu empfehlen, weil man wiederholt die Erfahrung gemacht hat, daß dann Mäuse undWürmer sie benagen und großen Schaden anrichten.
Patrönus hieß bei den Römern ursprünglich der Schutzherr über die Clienten.DasVerhältniß, in welchem er zu diesem stand, der Pa tronatus, war ein dem väterlichenanaloges und daher der Name. (S. Clicntela.) Auch der Freigelassene erkannte in seinemfrühem Herrn seinen Patrönus. (S. Freilassung.) Als die Macht Roms sich ausbreiteteund die alte strenge Form der Klientel schon sich erweitert hatte, suchten ganze Gemeindenund Völkerschaften den Patronatus angesehener Römer, in deren Familien derselbe forterbte,um durch sie in Nom vertreten zu werden. Namentlich wurde es üblich, daß Derjenige, derdie Unterwerfung eines Orts, einer Landschaft vollbracht hatte, von dieser mit seiner Familieals Patrönus anerkannt wurde. So waren die Marccller durch den Claudius Marcellus,der Syrakus und Sicilien unterwarf, die Patrone der Sicilier. Das Wort Patronüs wurde,da in der alten Zeit der Patrönus seinen Clienten vor Gericht vertrat, auch im weitern Sinneauf den Proccß angewendet, und Pakroni oder Oratores hießen hier Diejenigen, welche fürdie Parteien als Fürsprecher austratcn, die Anträge stellten oder in jnäicio die Sache per-fochten, während mit dem Worte Advocati Die bezeichnet wurden, welche durch rechtlichenRath und indem die Parteien vor Gericht begleiteten, durch ihr Ansehen, oder sonst in denProccß einzugrcifen, ihnen behülflich waren. Zn der spätem Kaiserzcit fiel dies Letztere weg,die Rechtsgelehrten ertheilten ihr Gutachten schriftlich, und der Name Advocatus wurde