Druckschrift 
7 (1846) Heim bis Juwelen
Entstehung
Seite
593
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Jagd 593

auch viele berittene Jäger nöthig sind, so ist dieselbe nur ein Vergnügen großer Herren undmehr aus jenen Gründen, als weil man das Grausame derselben eingesehen, in neuern Zei-ten immer seltener geworden. Nur in England stehen die Parforcejagden noch in ihrer Blüte.Auch Hasen, Füchse, Dachse nnd wilde Schweine pflegt man mit eigens dazu abgerichtetcnHunden parforce zu jagen. Gewöhnlicher aber ist für diese Wildarten die Hetze (s. d.), beider man sich auf Hasen und Füchse der Windhunde, auf wilde Schweine der schweren Hatz-Hunde, und aus Dachse der Dachssucher bedient. Füchse und Dachse werden in ihren Bauenauch durch Dächsel ausgesucht und festgemacht, worauf man an dem Orte, wo man denHund am deutlichsten bellen hört, den Bau anfgräbt nnd seinen Bewohner mit einem Ha-ken oder einer Zange hervorzieht und rodtschlägt. Zur Kaninchenjagd bedient man sich derFrettchen, die man, nachdem die Eingänge des Baues mit Netzen verlegt sind, hineinläßt,worauf die Kaninchen herausfahren und sich in den Netzen fangen. Die Falken, die man infrühem Zeiten zur Jagd auf Hasen, Reiher und anderes Wild abrichtete (s. Falknerci),sind fast ganz außer Gebrauch gekommen. Außerdem fängt man das Wild, namentlich dasRaubzeug und die Wildgattungen, die man selten zum Schuß bekommt, wie Ottern undBiber, durch Fallen, z. B. sogenannte Schwanenhälse oder Berlinereisen, Tellereisen undAngeleisen; das Federwild, Raub- wie eßbare Vögel, auch Hasen u. s. w. in Netzen, Fang-schlingen und Laufdohnen; kleinere Vögel in Hängedohnen, Sprenkeln und auf Leim-rnthen. Die Wildbenutzung endlich, welche cs damit zu thun hat, aus der Jagd den mög-lichsten Nutzen zu ziehen, erfodert die Kenntniß der gehörigen Jagdzeit für jede Art Wild,die Beurtheilung, wie viel dem Wilde ohne Nachtheil für künftige Zeiten Abbruch gethanwerde» dürfe, die Kunst, das Wild auf die seinem Werthe am wenigsten nachtheiliae Artzu erlegen, aufzubrechen, abzubalgen und zu zerlegen, seinen Transport zweckmäßig ein-zurichten, die Bälge gehörig zu erhalten, und endlich die Berechnungen des Geldertrageszu führen. Vgl. aus dem Winckell,Handbuch für Jäger, Jagdberechtigte und Jagd-liebhaber" (3 -Bde., 2. Aufl., Lpz. 182022); Döbel,Neueröffnete Jäger-Practica"(t. Aufl., 3 Bde., Lpz. !828, 4.); Hartig,Lehrbuch für Jäger" (3. Aust., Tüb. !8I7)und Bechstcin,Forst- und Jagdwissenschaft", fortgesetzt von Laurop (I 1 Bde., Ecf-und Gotha >8,827).

Alle kriegerische Völker des Alterthums waren eifrige Jäger, so namentlich die Per-ser. Nach Herodot hielt Cyrus so zahlreiche Meuten, daß die Einkünfte der vier größtenStädte des Reichs kaum hinreichten, sie zu ernähren. Auch die Griechen hatten die Aus-bildung des Waidwerkes zu einem hohen Grade gebracht. Dagegen vernachläßigten dieRömer dieJagd, indem sie ihren Sklaven das Fangen des Wildes überließen. Von beiden Na-tionen wurde sie theils in Gedichten, theils in Prosa unter dem Namentlxnej-etica" wissen-schaftlich behandelt. Unter den Griechen gehören hierher besonders die dem Tenophon (s. d.)beigelegte Abhandlung(izmogeticiiü" und ein längeres Gedicht in vier Büchern von Op -Pian (s. d.); unter den Römern die unter dem obigen Titel bekannten Gedichte des Gra-tmsFaliscus, seines Zeitgenossen, des Ovidins (s. d.) und des Nemesianus (s.d.),welche vereinigt von Haupt (Lpz. >838), während die des Gratius Faliscus und Neme-stanus von Stern (Halle > 832) am besten bearbeitet sind. Überaus kühne Jäger warendie alten Gallier und unter den Deutschen die Cimbern und Teutonen. Erst die röm.Zwingherrschaft entfremdete den Gallier der Jagd, die nach 500 Jahren wieder durch dieFranken in Aufnahme kam. Seitdem wurde dieselbe im Frankenlande zum adeligen Ver-gnügen und zu einer besonder» Kunst ausgebildet. Der König, Edelleute, Soldaten undGeistlichkeit kannten kein höheres Vergnügen als die Jagd, an der selbst die Frauen Thcilnahmen. Die Geistlichkeit betrieb die Jagd so leidenschaftlich, daß bereits eine Kirchen-versammlung im I. 5 1 7 sich genöthigt sah, den Geistlichen zu verbieten, Hunde und Fal-kn abzurichten und zu halten. Als Patron des gesammten Waidwerks galt der heil. Hu-bcrtu s (s. d.). Ein sehr eifriger Waidmann war Karl der Große. Derselbe kannte fastkeinen andern Aufwand als in prächtigem Jagdzeug, in Hunden und Falken. Ein großerVerehrer der Jagd, besonders mit Hunden, von denen er eine eigene Art aus der Tatarekkommen ließ, war auch Ludwig der Heilige. Philipp der Kühne begünstigte dagegen dieFalknerei. Karl lX. verfaßte ein eigenes Werk über die JagdI-a cimsse royale". AuchConv. - Lex. Neunte Aufl. VII. 38