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Italienische Sprache und Literatur
entfernen mußte. Andere Männer ihrer Zeit waren schon kühner als sie, indem sie eiwagten, sich gegen das Joch des christlichen Glaubens zu erheben ; aber diesen Männernfehlte der klare, durch Forschung geläuterte Blick, der ihnen den Abgrund des Aberglau-bens , in welchen sie sich auf der andern Seite stürzten, gezeigt hakte. Petrarca und Bei-caccio, die den christlichen Lehren treu blieben, thaten mehr zu deren Erschütterung, indem stedie Liebe zu der heidnischen Literatur und zu den Denkmälern der alten Kunst entflammtenund nährten. Auch das Studium der griech. Sprache wurde damals in Italien nicht ver-nachlässigt; Petrarca und Boccaccio sind auch in dieser Beziehung zu nennen, von denen derersterc den griech. Mönch Barlaam (s-d.), einenCalabresen, der nachSalonichi und Ko»,siankinopcl in seiner Jugend gereist und Basilianer geworden war, um die griech. Sprachegründlich zu erlernen, und Boccaccio den Leonziv Pilato, nach Petrarca's Angabe eben-falls einen Calabresen, zum Lehrer gehabt hatte. Pilato, der durch Boccaccio's Vermitte-lung den Lehrstuhl der griech. Sprache, den ersten Italiens, den man um 13-18 in Florenzerrichtete, erhalten hatte, übersetzte auf Boccaccio's Dringen die „Ilias" und einen Theilder „Odyssee" ins Lateinische. Boccaccio und Petrarca sammelten Handschriften, letztererauch Münzen; die Universitäten und die Bibliotheken mehrten sich überall und einzelneMänner gingen in der Sorgfalt ihrer klassischen Studien schon so weit, daß sie sich dieVergleichung von Handschriften angelegen sein ließen, vorzüglich ColuceioSalutato, geborenin Toscana 1330, der auch eine Abhandlung schrieb über die Ursachen des schlechten Zu-standes, in welchem man die Handschriften finde. Die Reiselust, welche bedeutend zuge-nommen hatte, trug zur Aufklärung in dieser Zeit ebenfalls bei. Der Astronom Andalonedel Nero, ein Genueser, reiste im Dienste seiner Wissenschaft; Petrarca benutzte seine Reisenzur Entdeckung und Erforschung von Alterthümern. Auch über Asien erhielt man wieder,wenn auch mit vielen Fabeln vermischte Nachrichten. Der FranciscanerOdorico »onPor-denone, der übrigens im Rufe heroischer Lugenden, sogar vollführter Wunderstarb, !durchzog verschiedene Gegenden Asiens bis 1330 und hinterlicß eine Beschreibung dersel-ben, die Pater Venni aus einer Handschrift von l-io i bekannt gemacht hat. ^
Der gesunde Sinn fürs Leben, die Lust an der wirklichen Welt und an ihren Ver-hältnissen, welche auf dem wissenschaftlichen Felde die Beschäftigung mit der Natur, mitdem Ackerbau u. s. w. hervorricf, offenbarte sich am frischesten in der Poesie, nicht sowol in >jenen Liebesliedern, die auch wieder das Gcmüth in eine ideale Sphäre versetzen, als in de»kleinen Geschichten, die man einfach und reizend zu erzählen verstand, Geschichten, wie stk !sich besonders in der Sammlung der „(lento Novelle snticlie" finden, dann geschmückt«im „Decainerone" des Boccaccio und endlich bei Franc. Sacchcttl, der theils dem Boccac-cio nachahmte, theils aber auch wieder einfacher erzählte. Diese Novellen, halb Wahrhrithalb Dichtung, bilden den Übergang zu den gereimten Chroniken, deren das >->. Jahrh.mehre auszuweisen hat, wie die Geschichte von Aquila zwischen 1252—1362, beschriebe»in sogenannten Martcllianischen Versen von Boezio di Nainaldo di Poppletto, gewöhn-lich Buccio Renallo genannt, und die Fortsetzung dieser Geschichte bis > 382 von Aut. d>Boezio, genannt Buccio von San-Vittorino; ferner Ser Gorcllo's von Sinigaldi gereimteChronik Arezzos zwischen 1310—8-1 u. s. w. Sind diese Reimereien ziemlich roh und un-geschickt, so sind die Chroniken in ital. Prosa, welche wir aus dieser Zeit haben, desto stchi' ^ner, wie die florentinischen von Dino Compagni, von Giov. Villani, dessen Bruder Mat-tes und des letzter« Sohn Filippo, von Donato Velluti, von Castore di Durante, von Si-mone della Losa, die sanesische von Andr. Dei u. A. Daß aber die Beschreibung der wirk-liehen Welt nicht zu vielen Raum gewinne, dafür sorgten die phantastischen, hinreißenden,herrlichen Rittergeschichtcn voll mystischer Wunder und christlicher Anschauungen, welcheseit dem Anfänge des 1-1. Jahrh. sich über Italien verbreiteten, die Geschichten von Josiphvon Arimathia und dem heil. Graal, von Lancelot, die Neali di Francia u. s. w.
Dieser Stoffe bemächtigten sich tue Dichter im folgenden Jahrh., und neben denbescanzonen, Nachahmungen des Petrarca'schen „Onnroniere", wie z. B- in Giusto de ;Conti's (s. d.) Sammlung von Sonetten auf „die schone Hand" seiner Geliebten (,chaliells muno"), oder in denen Lorcnzo's von Medici, neben den Lobgesängcn aufhohe Häup'ter, wie z. B. den prachtvollen Stanzen des Angel» Poliziano (s. du) und neben man-