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7 (1846) Heim bis Juwelen
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Jrregulair

Irrenanstalten

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Jrregulair, d. i. unregelmäßig, heißt Alles, was von der Ziegel abweicht und dieserzuwider ist. Irre gulaire Naumgesi alten in der Mathematik sind solche, deren Sei-ten oder Winkel, Ecken und Flächen nicht von gleicher Größe und Gestalt sind, im Gegen-sätze der regulairen, bei welchen diese alle gleich sind. An» häufigsten braucht man das Wortvon ebenen, geradlinigen Figuren. Eine krumme Linie heißt irregulair, wenn sie kein de-stimmtes mathematisch ausdrückbares Gesetz befolgt.

Irrenanstalten nennt man Institute, in welche Geisteskranke (s. Geisteskrank-heit e n) ausgenommen werden, um diejenige Verpflegung und ärztliche Behandlung zuerhalten, welche ihr Zustand ersodert, insoweit diese von den Mitteln und Einrichtungender Anstalt gewährt werden kann, wobei natürlich Manches, was zur Heilung von Irrennöthig erscheint, §. B. Reisen, nicht mit inbegriffen sein kann. Die Einrichtung solcherInstitute gehört lediglich zu den Wohlthaten, welche die Aufklärung und der Philanthro-pismus der neuern Zeit der Menschheit gewährt haben. War in frühen» Zeiten der Ge-danke an solche Anstalten noch gar nicht vorhanden und der Zustand der meisten Geistes-kranken völlig abhängig von ehren Angehörigen und darum traurig genug, so dienten auchdie seit mehren Jahrhunderten diesen Unglücklichen cröffneten Kranken-, Arbeits-, Ge-sängen- und Zuchthäuser mehr dazu, diese Art des menschlichen Elends dein Auge derMitmenschen zu entziehen und in Vergessenheit zu begraben, als es selbst zu mildern, denngewöhnlich theilten die Irren die Behandlung Derer, für die jene Häuser erbaut waren.Als die erste Irrenanstalt nach den neuern Begriffen ist das St.-Lucashospital in Londonanzusehen, welches 1751 gegründet und ausschlicßend für Irre bestimmt wurde. Seit jenerZeit, besonders nachdem auch Pinel (s. d.) und Willis ein richtigeres und menschenfreund-licheres Princip der Seelenh eilkundc (s. d.) aufgestellt hatten, sind in dieser Hinsichtin den civilisirten Staaten erfreuliche Fortschritte geschehen, obgleich beiweitem noch nichthinlängliche Erfahrungen über diesen Gegenstand vorliege»», um die Grundsätze, aufwelchcdie Einrichtung einer Irrenanstalt zu basiren ist, genügend fesizustellen. Besonders wei-chen die Ansichten der beiden Völker, deren Bemühungen die Geisteskranken das Meistezu danken haben, der Engländer und Franzosen, bedeutend voneinander ab. Während dieengl. Irrenhäuser meistens so eingerichtet sind, daß eine strenge Beaufsichtigung der Kran-ken leicht geführt werden kann und also als Hauptabsicht erscheint, lassen die fron;. Ein-richtungen den Irren mehr Freiheit und stellen somit die ärztliche Behandlung an die Spitzeihres Zwecks. Es ist höchst wahrscheinlich, daß auf beiden Seiten zu weit gegangen wird,da eine gehörige Beobachtung und Unterscheidung der Kranken bald zeigt, wie schädlichhierbei jede starre Consequenz sei. Daß eben diese Verschiedenheit der Ansichten auf dieäußere und innere Einrichtung einer Irrenanstalt einen durchgreifenden Einfluß habenmüsse, ist zu klar, um weiterer Auseinandersetzung zu bedürfen. Im Allgemeinen hat sichdurch die Erfahrung als nützlich und nothwendig hcrausgestellt, daß die für heilbar gehal-tenen Irren von den unheilbaren, die Männer von den Frauen, daß ferner die verschieden-artigen Kranken, wie die Tobsüchtigen, die Schrcisüchtigen u. s. w., die durch ihren Standschon sehr voneinander verschiedenen, die noch an andern Krankheiten Leidenden undendlich die Genesenden durchaus zu scheiden sind. Übrigens »nuß, was die Lage, dasBaumaterial, die ganze Hauseinrichtung, die Dienerschaft, die Verwaltung und die be-handelnden Personen, Ärzte und Geistliche, anlangt, in einer Irrenanstalt nicht nur Übel-Haupt den Foderungen, welche an jedes Hospital zu machen sind, entsprochen, sondern auchin Hinsicht auf Apparate und gewöhnlichen Utensilien noch viele Rücksicht genommenwerden, die in andern Krankenanstalten nicht nöthig sind. Besonders ist zu»»» Besten derGeisteskranken für hinreichende und für die verschiedenen Individuen paffende Beichafu-gung zu sorgen, wobei namentlich Feld - oder Gartenarbeit nicht vergessen werden darf.Zn mehren der. neben den auf Staatskosten gegründeten Irrenhäuser zu gleichem Zweckevon einzelnen Ärzten errichteten Privatanstalten finden sich bei der viel kleinern Anzahl derKranken und der Mittel, welche diese meist besitzen, viele vortreffliche Einrichtungen, welcheden öffentlichen noch nicht möglich gewesen ist nachzuahmen. Von den öffentlichen Irren-anstalten sind die berühmtesten in Deutschland: Siegburg bei Bonn, Brieg in Schlesien,Winnenthal in Würtemberg, Sorau in Brandenburg, Sonnenstein und Kolditz in Sach-