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auf seinem Pferde mit sich führt. Eine Hütte in der Weise des Landes ist aller Orten baldwieder errichtet; mit einem Pferde, der Wurfschlinge (Lasso) und den Wurfkugeln (Bolas)versehen, vermag der Gaucho andere Pferde und das halbwilde Rindvieh zur Nahrung ein-zufangen, und da er von Jugend auf gewöhnt ist, Fleischnahrung fast ausschließend zu ge-nießen, und Salz in den Pampas häufig den Boden anschwängcrt, so vermag er selbst alsGeächteter und Verfolgter in der wüstesten Gegend seiner Ebenen sich heimisch zu machen,wenn sie nur Wasser darbietet. Von Kindheit an mit Pferden vertraut und daher ebensokühne als unermüdliche Reiter, sind die Gauchos jeder andern Ortsbewcgung als derjenigenzu Pferde abgeneigt, halten vor der Kirchthüre, um die Messe zu hören und schauen aus demSattel dem Tanze in den schmuzigen Schenken zu, die an den großen Handelsstraßen durchdie Pampas die Poststationen bilden. Weiber und Kinder theilen aus Gewöhnung mit denMännern die meisten der Beschwerden eines nach europ. Begriffen überaus rohen Lebens.Lesen können Wenige, Schreiben gilt ihnen aber für große Kunst, denn zur Erlangung dergewöhnlichsten Erziehung bietet sich ihnen keine Gelegenheit. Katholiken sind sie nur in deräußern Form, da ihnen jedes Verstälidniß religiöser Lehren abgeht und vieler von den In-diern ausgegangener Aberglaube bei ihnen volle Geltung empfängt. Dennoch legen sie aufein kirchliches Begräbniß großen Werth und pflegen ihre Tobten in Friedenszeiten aus gro-ßen Fernen bis zur Wohnung eines Pfarrers zu schaffen. Jovial, heiter, gutmüthig undgastfrei, sind sie doch im gereizten Zustande der größten Barbareien fähig und verfolgen mitdem Scharfsinne und der Unermüdlichkeit der Indier ihren Feind, dessen Blut allein ihreRache sättigen kann. Theils sind sie selbst Besitzer kleiner Heerden, theils stehen sic in Dien-sten der Besitzer größerer Viehhöfe, die sich nicht selten über viele Quadratmellen ausdeh-nen. Schon durch ihren Beruf abgehärtet und jedem ruhigen Leben abgeneigt, sind siezu allen Zeiten bereit, einer Partei sich anzuschließen und einen Raubzug auszuführen.Der seit 3V Jahren in den Platastaaten dauernde Bürgerkrieg hat ihnen zur Befriedigungdieser Neigung stets Gelegenheit geboten, aber auch eine solche Demoralisation unterihnen verbreitet, daß cs zweifelhaft bleibt, ob nach dem einstigen Falle des Präsidenten Ro-sas von Bucnos-Ayrcs, der selbst ein Gaucho war, und nach Wiederherstellung der Ordnungin der Hauptstadt es einer bessern Negierung möglich sein werde, jene halbwilde Bevölke-rung des Innern im Zügel zu halten und gradweis zu civilisiren.
Gandin, s. Gaeta (Mart. Mich. Charl. Gaudin, Herzog von).
Gaudy (Franz Beruh. Hcinr. Wilh., Freiherr von), bekannter deutscher Dichteraus einer schot. Familie, war am IS. Apr. 1800 zu Frankfurt an der Oder geboren und»er Sohn eines preuß. Generallieutenants. Seine wissenschaftliche Bildung erhielt er imCollege francais zu Paris, dann auf der Landesschulc Pforta. Im I. 1818 trat er in daspreuß. Heer und avancirte sehr bald zum Offizier. Des einförmigen Friedcnsdienstes inden kleinen poln. Garnisonen überdrüssig, nahm er 1833 seine» Abschied lmd privatisirtehierauf, mit literarischen Arbeiten beschäftigt, in Berlin. Eine gewisse Unruhe, eine Zcrfal-lcnheit mit der Welt, trieb ihn in seinen letzten Jahren mehrmals nach Italien. In Berlinstarb er am O.Febr. 1840. In seinen früher» Liedern zeigte er sich als Nachahmer derHeine'-schen Liederform; später erhob er sich zu selbständigem Äußerungen seines Talents nnd warzuletzt besonders glücklich in Chansons, worin er die Thorheitcn der Zeit mit ergötzlichemHumor persiflirte und durch Leichtigkeit des Tons, Behendigkeit und populaire SchlagkraftdeS Witzes an die Art Beranger's erinnerte. Der Liberalismus fand an ihm in jüngsterZeit einen wacker» Partisan, indem er zwar schmerzlich fühlte, daß die Autorität des Adelsmit seinem Rcichthum gebrochen war, jedoch einmal hierüber zum Bewußtsein gelangt, allefeudalistischen Träume aufgab und nur noch von den liberalen Ideen der neuern Zeit, die ermit Eifer und Feuer ergriff, das Heil der Zukunft erwartete. Zu seinen früher», zum Thcilnoch unreifen Arbeiten gehören „Erato" (Glogau 1829; 2. Ausl., >838), „Gedanken-sprünge eines der Cholera Entronnenen" (2. Aust., Glogau 183,2), „Schildsagcn" (Glogav1834) und „Korallen" (Glogau >834). Schon üppiger rauschten die Quellen seines Ta-lents in der Novelle „Dcsangano" (Lpz. 1834) und in den „Kaiserliedcrn" (Lpz. 1835),worin er, bereits formell durchgebildet, Napoleon feierte. Früchte seiner ersten 1835 nachItalien gemachten Reise waren die zum Thcil sehr anmuthig geschriebene Neisedarstellung