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Fabel
riech er nach tapferer Gegenwehr, durch einen Keulenschlag am Haupte schwer getroffen, am26. Scpt. > 25!» in Gefangenschaft. Im Gefängnisse verschmähte er Arznei und Nahrung,wies alle geistliche Tröstungen der Mönche von sich zurück und riß endlich am elften Tagenach der Schlacht den Verband von seiner Wunde, den zögernden Tod zu beschleunigen. Sostarb E., nachdem er Jahre hindurch eine Barbarei ausgeübt hatte, die allen Glauben über-stieg. Drei Päpste hatten ihren Bannfluch gegen ihn ausgesprochen, mehr als 50000 Men-schen starben aufseinen Befehl durch Henkershand oder im Gefängnisse; nur allein aus Pa-dua ließ er einst I >000 Unschuldige in einem gräßlichen Kerker lebendig vermodern. SeinKörper, in einem marmornen Sarge eingeschlossen, wurde unter dem Geleite crcmoncsischcrund anderer Ritter zu Soncino in ungeweihter Erde feierlich beigesetzt. — Auch E.'s Bru-der, Alberich, mußte ein Jahr später, am25.Aug. >260, durch Hunger und Durst ge-zwungen, sein Schloß ohne Bedingung übergeben und wurde, nachdem man ihn und seineSöhne und Töchter auf die empörendste Weise beschimpft und diese zuletzt vor seinen Augenunter gräßlichen Martern getödtet hatte, an den Schweif eines Pferdes gebunden und zuTode geschleift. Mit ihm ging das Geschlecht der Romanos unter.
F
V, s. Ton und Tonarten.
Fabel wird in der Poetik doppelt gebraucht. In epischen und dramatischen Gedichtenversteht man darunter das Gewebe der Begebenheiten; dann bezeichnet man mit diesemNamen auch eine eigene Dichtungsart. Von der Fabel der epischen und dramatischen Ge-dichte spricht man im Gegensätze der Geschichte. Indem nämlich der Dichter nicht das Wirk-liche sondern das Mögliche, das Geschehene nicht wie es war, sondern wie es wahrscheinlichist, und nicht mit historischer Treue sondern mit poetischer Nothwendigkeit darstellen soll,läßt er seinem Zwecke gemäß weg, was nicht wesentlich zum Ganzen gehört; er ändert ab,damit sich Alles zum Zwecke füge, und setzt hinzu, wodurch dieser besser erreicht wird. Selbstder historisch gegebene Stoff wird dadurch Werk seiner Erfindung, indem er aus dem Altenetwas Neues schafft. In diesem Sinne wurde jedoch das Wort Fabel früher öfter angewen-det als gegenwärtig, wo man lieber von Thema, Sujet, Gegenstand, Jntrigue u. s. w. spricht,obgleich darin die feine Nuance, die in dieser Anwendung in dem Worte Fabel liegt, nichtausgedrückt ist. Die Fabel als besondere Dichtungsart, nach ihrem angeblichen ErfinderAsopischeFabel oder auch Apolog genannt, zählt man mit Recht zu den didaktischenoder den Lehrgedichten. Sie ist eine Art Allegorie, und man kann sie erklären als Darstel-lung einer praktischen Regel der Lebensweisheit unter einem aus der physischen Welt hergc-nommenen Sinnbilde. Sie besteht aus zwei wesentlichen Theilen, aus dem Sinnbild undaus der Anwendung, welche man auch die Moral der Fabel nennt, die aber in dem Bildesich selbst deutlich aussprechen muß, wenn die Fabel poetisch sein soll. Wegen ihres Zwecks,welcher die Erfindung bestimmt, liegt die Fabel wie das Lchrgedicht (s. d.) überhaupt aufder Grenze der Poesie und Prosa. Das Wohlgefallen an ihr wird vorzugsweise durch dieanschauliche Erkenntnis erregt, daß die Haushaltung der Natur in der physischen und in dergeistigen Welt dieselbe sei. In der nicht moralischen Welt zeigt sich nur die ewige und allge-meine Form jener Gesetze und Charaktere deutlicher als in der Menschcnwelt, und dies istder Grund, warum der Fabeldichter, dem es nicht blos darum zu thun ist, eine Lehre durcheinen gegebenen Fall anschaulich zu machen, wozu das Gleichnis oder die Parabel hinreichenwürde, seine Personen aus der nicht menschlichen Welt wählt. Seit Aphthonius (s. d.)hat man die Fabeln in vernünftige, sittliche und vermischte eingetheilt. So ungenügend dieseEintheilung ist, so wenig möchte auch die von Herder in den „Zerstreuten Blättern" (Bd. 3)versuchte befriedigen, der sie eintheilt in theoretische oder den Verstand bildende, in denen einFactum der Natur als Gesetz und Weltordnung zur Übung des Verstandes aufgestellt wird;in sittliche, welche Verhaltungsregeln für den Willen aufstellen, und in Schicksalsfabeln, in