Gastfreundschaft 741
im Salzachkreise Oberöstreichs, im Herzogthume Salzburg, war schon den Römern bekanntund wurde bereits 1 436 vom Herzoge Friedrich von Ostreich, dem nachmaligen Kaiser, ge-braucht. Es liegt 2939 F. über dem Meere in einem von der Ache, die unmittelbar amBade einen prächtigen Wasserfall bildet, durchströmten und von hohen bewaldeten Bergen,über welche die Gletscher emporragen, eingeschlosscnen Thale der Norischen Alpen, welches einvollständiges Bild der großartigen Alpennatur gibt. Die örtlichen Verhältnisse sind aller-dings für die Kurgäste nicht günstig. Das Klima ist wegen der hohen Berge kalt und rauh;selbst im hohen Sommer, wo der Sonnenschein kaum acht Stunden in das Thal fällt, sinddie Morgen und Abende empfindlich kalt und noch am Mittage bei der drückendsten Hitze istdie Luft feucht. Außerdem sind wegen der Enge und Abhängigkeit des Thals die Wohnun-gen nicht zahlreich und die Badeeinrichtungen noch in mancher Hinsicht mangelhaft. Die ge-wöhnlichen Anstalten zur Zerstreuung der Badegäste fehlen ganz und diese sind allein an dieNatur und an Exkursionen zu Fuß und zu Pferdegewiesen. Medicinisch werden sechs Quellenbenutzt, unter denen die Fürstenquelle, die Doctors-, die Kaiser Franzens- und die untere oderHauptquclle die vorzüglichsten sind. Sie sind sämmtlich in ihren Mischungsverhältnissen gleichund haben eine Temperatur von 36"—38°R. Der Wirkung nach rechnet man das Mineral-wasser von G. zu den alkalisch-salinischen, obgleich der Grund dieser Wirkung nicht klar ist, dadie chemische Analyse die gasteiner Wasser von gewöhnlichem Quellwaffer nur wenig verschie-den findet. (S. Mineralwasser.) Sie wirken gelind reizend, belebend und stärkend, dabeibesänftigend, beruhigend und auflösend. Daher wendet man sie besonders an bei chronischenNervenkrankheiten und Leiden der Geschlechtsorgane, die in Schwäche verschiedener Art be-stehen, bei veralteten gichtischen und rheumatischen Beschwerden, manchen übel» Folgen vonVerwundungen, Leiden der Schleimhäute und chronischen Hautkrankheiten. Bei Kongestio-nen des Bluts nach dem Kopfe und der Brust und sogenannten Unterleibsplethora ist ihrGebrauch zu widerrathcn. Benutzt wird das Wasser theilS als Getränk, thoils als Bad injeder Art. Auch der Badeschlamm hat seine Anwendung gefunden. Die neuesten Untersu-chungen sind von Hünefeld, Trommsdorf, Mayer und Eble. Obschon die ungünstige Lagedes Wildbads längst eine andere Einrichtung als wünschcnswerth erscheinen ließ, so wurdediese doch erst 1836 mittels einer Wasserleitung hcrbeigeführt, Sie aus 2235 hölzernen Röh-ren besteht, in welchen das Quellwaffer des Wildbads nach Hosgastcin, einem drei Stundenvon Wildbad viel tiefer an der breitesten Stelle des Thals liegenden Marktflecken, geführtwird, wo cs in solcher Temperatur anlangt, daß es gewöhnlich noch abgckühlt werden muß,ehe es zum Bade benutzt werden kann. Vgl. Eble, „Die Bäder zu G." (Wien 1 834), Vi-venot, „Andeutungen über G. und dessen Anstalten zu Wildbad und Hosgastcin" (Wien1 839) und „Briefe über G." (Lpz. l 838).
Gastfreundschaft war im höchsten Allcrlhume die schönste und edelste, durch Reli-gion und Sitte begründete Einrichtung, die gepricsenste Tugend, die von dem kaum aus demStande der Wildhcitgetretcnen Menschengeschlechte mit bewundernswcrthcr Treue und Auf-richtigkeit geübt wurde. Im Allgemeinen war das Reisen Einzelner in den frühesten Zeitenselten, denn der Handelsverkehr führte die Menschen noch nicht zueinander und beschränkte sichfast lediglich auf das Meer; der Trieb aber, in die fremde Welt sich hinauszuwagcn, um sich zuunterrichten, erwachte erst in den nachfolgenden Jahrhunderten unter den Weisen und Ge-schichtschreibern. Wenn daher ein Einzelner seine Heimat verließ, so konnte dies nur in Folgeeiner wichtigen Auffoderung oder harten Bcdrängniß, z. B. um wegen eines unvorsätzlichenMordes derBlutrache zu entgehe», geschehen. Da cs nun zur Aufnahme solcher Fremdlingeeigene Häuser (s. Gasthäuser) nicht gab, so genxihrte die Gastfreundschaft einen trefflichenErsatz dafür. Schon die Stimme des Herzens gebot, den Fremdling, der ein fernes Landdurchwandernd hülfsbedürftig unter ein fremdes Obdach einkehrte, freundlich aufzunehmen,zu bewirthcn und zu beschützen, aber fast bei den meisten Völkern des Alterthums wurde dieTugend der Gastlichkeit auch noch durch die Religion empfohlen, wie wir dies bereits in denmosaischen Urkunden, bei den religiösen Bestimmungen der Griechen, Araber und Germa-nen finden, wozu wol der fromme Glaube, daß die Unsterblichen selbst zuweilen in mensch-licher Gestalt auf Erden erschienen, wie die sinnige Erzählung von Philemon und Bauciszeigt, mit beitragen mochte. Wol keine Nation übertraf darin die Araber, die noch jetzt diese