738 Gasbeleuchtung
und das dadurch entstehende Gemenge von Wasserstoffgas und KohlenvxydgaS in einemebenfalls glühenden Cylinder mit den Zersetzungsproducten zusammentreten läßt, welche sichaus einem kohlenstoffreichen Öle entwickeln. Dieses letztere tropft fortwährend auf einigeim Cylinder aufgehangenc, ebenfalls rothglühende Ketten. Dadurch verwandelt sich einTheil des Wasserstoffgases in Kohlenwasserstoffgas, und man erhält ein Gemenge der dreiGase, welches nur durch Wasser zu gehen braucht, um die mit fortgerissenen Oltheile abzu-setzcn, Man hat dabei den Vortheil, alle Unreinigkeiten vermeiden und durch Negulirungdes Ölzuflusses bis zu einem gewissen Grade die Zusammensetzung des Gases bestimmen,also die höchstmögliche Leuchtkraft erreichen zu können. Das anzuwendende Öl kann Stein-kohlenthecröl, Erdöl (bulle <Ie gelüst«), Pechöl u. s. w. sein; Terpenthinöl ist zu theuer.Diese Selligues'sche Methode gab, ehe sie genauer bekannt wurde, zu dem Märchen vom at-mosphärischen Luftgase Veranlassung. Man leitete ein Gemenge von Terpenthinöldampfund Wasscrdampf durch glühende Röhren und erhielt so ein sehr mir Terpenthinölthcilengeschwängertes, die Röhren verstopfendes, zwar gut brennendes, aber durch das Terpenchinölnatürlich theures Gas. Endlich ist auch des Siderallichts ls. d.) von Gaudin hier zugedenken, das man ebenfalls für eine besondere Gasart gehalten hat. Es ist aber eine längstbekannte Thatsache, daß weißglühende Kreide ein außerordentlich intensives Licht verbreitet,welches im Verhältnisse der einwirkenden Hitze steigt. Durch mit Sauerstoff angeblaseneWeingeistflammcn erhitzte Kreidekugeln wendete schon Drummond auf Leuchtthürmen an,und durch einen in der Knallgasflamme glühenden Kreidecylinder wird das Hydrooxygen-gasmikroskop (s. d.) erleuchtet.
Hat man das Gas fertig und rein, so handelt es sich darum, dasselbe an die verschie-denen Orte, wo es brennen soll, zu vertheilen. Dieser Vertheilnng muß eine Ansammlungvorhergehen. Dazu dienen die Gasometer, große, 20—30000 Kubikfuß fassende, um-gekehrt in einem Wasserbehälter stehende eiserne Kästen, welche, um ihre Schwere etwas zubalancircn, mittels eines Gegengewichts aufgehangen sind. Unter diese strömt das Gas einund hebt sie in die Höhe, indem es sich über dem Wasser ansammelt. Wird nun das Aus-flußrohr geöffnet, so strömt cs natürlich mit einer Gewalt aus, welche von der Schwere desGasometers abhängt, somit durch das Gegengewicht regulirt werden kann. Die Hauplaus-flußröhre theilt sich, unter der Erde angelangt, wieder in Zweige und so fort nach dem Be-dürfniß; in die unter dem Boden liegenden Röhren werden dann die engern zu den Bren-nern führenden Röhren eingesetzt. Die Hauptröhren sind am zweckmäßigsten von Eisen, dieNebenröhren, der Biegsamkeit wegen, von Kupfer oder Blei; man legt sie in eine vor Frostschützende Tiefe und, um Wasseransammlungen zu vermeiden, durchaus horizontal. DieBrenner sind Mundstücke, welche durch feine Durchbohrungen das Gas ausstromen lassen,wenn der unterhalb angebrachte Hahn geöffnet wird; ein einfaches Loch gibt eine einfacheFlamme (set), was aber selten ist; meist wendet man 3—5 fächerartig vereinigte Flammen(Fledermausbrenncr) zu den Straßenbeleuchtungen,in verschlossenenRäumen aber kreisförmiggestellte, eine cylindrisch geschlossene Flamme erzeugende Löcher (Argand'sche Brenner) an.Alle Brenner müssen mit Hähnen zu Aufhebung und Negulirung des Ausströmens ver-sehen sein. Um bei Anwendung des Gases zur Beleuchtung von Häusern keine Differenzenwegen der Consumtion und des Preises zu haben, ist es am zweckmäßigsten, den Preis nichtnach der Zahl der Flammen, sondern nach dem Kubikfuß Gas zu normiren, die Consumtionaber dadurch zu controliren, daß man das GaS aus der Hauptrühre durch einen Gasmesserin das Haus strömen läßt. Ein solcher G messer besteht ans einem Behälter von derEinrichtung, daß er, oder ein Theil in ihn.. sich bei Austritt oder Eintritt einer gewissenMenge von Gas, um einen bestimmten Theil dreht. Die Zahl der Drehungen wird durchein Zcigerwerk angegeben; das Ganze aber ist mit einem nur der Verwaltung zugänglichenGehäuse umgeben. Eine für häusliche Gasbeleuchtung höchst zweckmäßige Methode ist die,das Gas aus dem Gasometer in Gefäße strömen zu lassen, mit Hülfe von Druckpumpen zuverdichten und so in die Häuser zu schaffen (Tragbares Gas). Diese Gefäße bringt manentweder, wo nur eine oder ein paar Flammen zu versorgen sind, unmittelbar mit den Röh-ren in Verbindung; zweckmäßiger ist eS aber, sie i» einen kleinern Gasometer zu entleeren,