Gasbeleuchtung 737
Cylindern (Gasretorten), welche Hinte» und vorn durch Deckel luftdicht geschloffensind, durch die Hintere Öffnung gefüllt werden, an der vordem aber mit einer senkrecht auf-wärts steigenden Abführungsröhre versehen und, zu drei oder fünf, über einer gemeinschaft-lichen Feuerung in den Gasofen so eingelagerk sind, daß das auf dem Roste angezündeteFeuer sie allseitig umspülen und in Rothglühhitze versetzen kann. Ein ganz anderes ist dasVerfahren, um aus Dl Gas zu bereiten, da man dieses nicht unmittelbar in den Retortenerhitzen kann. Auch hier wendet man Retorten an, bringt aber in dieselben nur klcingcschla-gene Coaks und läßt nun, während diese glühend sind, das Öl aus einem Reservoir, dessenAusfluß genau regulirt werden kann, fortwährend in dünnem Strahle in die Retorte fließen,wo cs zersetzt wird. Anwendbar sind übrigens alle fette Öle von hinreichend niedrigemPreise, selbst solche, welche sich wegen ihres widrigen Geruchs nicht in Lampen brennenlassen. Auf fast gleiche Art wird mit dem Harze verfahren, welches man in einem besondernReservoir entweder in Kienöl auflöst, oder auch für sich in einem Kessel schmilzt und dannallmälig auf eine in der Retorte befindliche Lage glühender Coaks oder Blechstücke fließenläßt. Torf wird behandelt wie Steinkohlen; Pechöl, Theeröl und Erdöl wie Öl.
Die Producte dieser Processe zerfallen in den festen Rückstand, welcher in der Retortebleibt, und in die entweichenden Dämpfe und Gase. Nur bei der Kohlengasfabrikation istder Rückstand brauchbar; erbesteht in Coaks von einem nicht viel geringem Wcrthe alsdie angewendeten Steinkohlen, und hierin liegt ein nicht unbedeutender Vorthcihder Stein-kohlen als Erleuchtungsmaterial. Was dagegen die dampf- und gasförmigen Producte an-langt, so sind diese bei den Steinkohlen, welche stets Schwefel und Stickstoff enthalten, amcomplicirtcsten; sie bestehen außer Kohlenwasserstoff, dessen Menge gegen Ende der Zer-setzung abnimmt und im Mittel ungefähr 16 Procent der Kohlen beträgt, aus Kohlenoxyd-gas, Wasserstoffgas und Stickstoffgas z ferner aus Kohlensäure, Schwefelwafferstoffgas,Wafferdampf, Ammoniak und Theeröl. Diese letzter» Bestandtheile abzuscheiden, läßt mandas Gas zunächst in einen cylindrischen, oberhalb der Gasretorten befindlichen horizontalenBehälter von oben eintrcten; hier condcnsirt sich bereits viel Theer; dieser fließt durch unter-halb angebrachte Röhren in die sogenannte Cisteme ab und bildet ein nutzbares Nebenpro-dukt, das Gas aber tritt nun in einen den Kühlapparatcn der Branntweinbrennereien ähn-lichen Apparat, den sogenannten Condcnsator, wo es die öligen und rußigen Theile vollendsabseht, auch mit ihnen einen Theil des Ammoniaks. Um aber die Kohlensäure, welche nichtbrennt, und das Schwefelwafferstoffgas, welches übel riecht, auch beim Verbrennen Metallangreifendc Producte entwickelt, zu entfernen, läßt man das Gas noch durch den Reinigungs-apparat, einen mit Kalkmilch, welche durch einen Mechanismus stets umgerührt wird, ge-füllten Kasten, streichen. Aus diesem tritt nun endlich ein Gas aus, welches 66—70 Pro-cent eigentliches Leuchtgas, im übrigen die drei andern noch erwähnten Gase und wol stetsnoch Antheile von Ammoniak und Schwefelwasserstoff enthält. Die mit Ammoniah ge-schwängerten Flüssigkeiten der Reinigungsapparate sind ebenfalls ein nutzbares Nebenpro-dukt. Das gewaschene Gas beträgt im Mittel ungefähr >466 Kubikfuß per Tonne (4 Schef-fel) Kohlen, und eine Gasflamme verzehrt davon in der Stunde 5'/- Kubikfuß. Das Ölgasist bedeutend reiner von Schwefelwasserstoff und Ammoniak als das Kohlengas und wird,mit Weglassung des Kalkapparats, welcher hier nicht nöthig erscheint, im Allgemeinenebenso gereinigt. Ein hier erscheinendes Product sind flüchtige Fettsäuren, dagegen sind die> Nebenvroducte hier nicht so,nutzbar als bei Steinkohlen. Ein Pfund Rüböl liefert ungefähr32 Kubikfuß TaS. Das Ölgas entwickelt bei seiner Verbrennung nach Umständen t—3 mal so viel Licht als das Kohlengas. Bei Anwendung von Harz gewinnt man als Neben-produkte bei der vorläufigen Schmelzung des Harzes einige technisch zu Firniß u. s. w. an-wendbare Öle. Das GaS ist außerordentlich rein, bedarf eigentlich nur der Abwaschungmit Wasser und seht bei der Condensation nur etwas Brenzöl und Naphthalin ab. EinPfund gewöhnliches Fichtenharz liefert 26 Kubikfuß. Pechöl, welches auch ein sehr reine»Gas liefert, gibt aufs Pfund ungefähr 46 Kubikfuß, und das Pechölgas leuchtet I '/-> malso stark als Steinkohlengas. Die oben erwähnte Selligues'sche Methode besteht darin, daßman Wasserdämpfe durch eiserne, mit Holzkohlen gefüllte rothglühendc Röhren streichen<S°av.-Lex. Neunte Aüfl. V. 47