Druckschrift 
5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
Seite
734
Einzelbild herunterladen
 

734 Gärtner (Friedr. von) Gärtner (Karl Christian)

sich 1828 ein Gartenbauvcrein unter dem Namen Flora; in Weimar 182!) ein Verein fürBlumistik und Gartenbau; in demselben Jahre ein thüring. Gartenbauverein zu Erfurt,und 1831 ein ähnlicher zu Braunschweig; später entstanden die Obstbaugcsellschaft in Zit-tau, welche die ZeitschriftFür Freunde des Obstbaus" herauszibt, und der Verein der deut-schen Wein- und Obstproducenten, der jährlich in einer süddeutschen Stadt zusammcnkommtund seine Verhandlungen in Druck erscheinen läßt. Berühmt sind außerdem dieGartenbau-gescllschaften zu Brüssel, Gent, Antwerpen und Haarlem, besonders durch ihre Ausstellun-gen von Zierpflanzen. Der wesentliche Zweck aller dieser Vereine ist die Beförderung derPflanzencultur, vorzugsweise in Bezug auf das vaterländische Gartenbauwesen in allen sei-nen Zweigen. Diesen Zweck suchen sie zu erreichen durch Versammlungen, in denen Vorträgeund Besprechungen stattfinden, ferner durch die Bebauung eigener von ihnen erworbeneroder von der Regierung ihnen überlassener Grundstücke, durch Blumen - und Früchteaus-stellungen, durch Anlegung dem Zwecke entsprechender Bibliotheken, durch Pflanzensamm-lungcn, Herbarien, Samen- undObstcabinette, sowie durch die Herausgabe von Zeitschriftenund Correspondenz mit verwandten Vereinen.

Gärtner (Friedr. von), Oberbaurath und Director der königlichen Akademie der bil-denden Künste zu München, geb. zu Koblenz 1792, machte seine Studien in München,Paris, England und Italien. Seit 1829 als Professor der Architektur an der münchencrAkademie angestellt, trat er doch erst geraume Zeit nach Beginn der Negierung König Lud-wig's als ausübender Künstler auf, nachdem er seit 1822 auch als Director der königlichenPorzellanmanufactur thäkjg gewesen war. Dagegen hatte er seit 1829 an den namhaftestenBauten in München Theil, wo er seit Klenzc's Rücktritt unter den dortigen Architekten denersten Rang einnimmt. Schon die Ludwigskirche, die er 1829 entwarf, bezeichnet seineRichtung sehr deutlich, nämlich eine erneute, auf der Construction beruhende Anwendungdes Nundbogenstils mit völlig frei behandelten Ornamenten. Nur ist dabei eine gewisseSchwere und Zerfahrenheit der Composition zu bedauern, was auch von seinem Blindenin-stitut und dem neuen Universitätsgebäude gilt, obwol ein reicher, malerischer Effect diesenGebäuden keineswegs fehlt. Beiweitcm das bedeutendste Werk G.'s ist jedoch das neueBibliothekgebäude, welches, wenn auch nicht an Zweckmäßigkeit der Disposition, doch aneinfachekGroßarligkeit der Facade eines der bedeutendsten modernen Gebäude ist. Vonihm rührt auch der Entwurf des neuen Königspalastes zu Athen her, wohin er 1836 denKönig Ludwig begleitete und wo er die seit Hadrian vergessenen Marmorbrüche des Pente-likon wieder eröffnete. Von den kleinern Arbeiten G.'s sind zu nennen die Restauration dcSJsarthors, die Arkaden zu Kissingen und die Loggia bei der Theatinerkirche zu München.Auch die Herstellung der Dome zuRegensburg und Bamberg ist unter seiner undHeideloff'sLeitung ausgeführt worden. Nach Cornelius' Abgänge von München wurde er auch Di-rector der Akademie der Künste.

Gärtner (Karl Christian), ein treuer Pfleger der deutschen Poesie, wenn er auch dieLiteratur durch keine größer» Werke bereicherte, geb. am 24. Nov. 1712 zu Freiberg imsächs. Erzgebirge, wo sein Vater Postmeister und Kaufmann war, bildete sich auf der Für-sicnschule zu Meißen und studirte in Leipzig, wo ihn gemeinschaftliche Liebe zu den schönenWissenschaften mit Geliert und Rabencr verband. In seines Freundes Schwabe Zeitschrift,Belustigungen des Verstandes und Witzes", ließ er die Erstlinge seiner Muse drucken, diezu den besten Gedichten dieser Sammlung gehören. Unter der Aufsicht Gottsched's arbeiteteer an der Übersetzung des Bayle'schenWörterbuchs" (4 Bde., Lpz. 174144, Fol.), auchübersetzte er einige Bände vonRollin'sGeschichte" (13 Bde., Dresd. 173848). Spätertrennte er sich von Gottsched und dessen Richtung und vereinigte sich mit Cramer, Schlegelund Rabener, denen später noch Ebcrt, Giseke) Zachariä, Gellcrt, K. A. Schmid, Klopstocku. A. beitraten, zur Herausgabe der auchBremische Beiträge" genanntenNeuen Bei-träge zum Vergnügen des Verstandes und Witzes" (Brem. 174548), welche allgemeinesAufsehen erregten. Wenn G. von den meisten seiner Freunde in der Folge an schriftstelleri-schem Ruhm übertroffen wurde, so hatte er in jener Bildungsperiode das Verdienst, durchUrtheil und Rath mehre derselben geleitet und ermuntert zu haben. Im 1.1745 ging er alsFührer zweier jungen Grafen nach Braunschweig, wo er 1747 als Professor der Beredt-