Gartenbau 733
Blenheim (s. d.) sieht. Neue Geschmacksausartungen traten immer mehr hervor. Stiftereiner bessern Schule waren Payne Knight und Sir Uvedale Price. Besonders kämpfte Letz-terer in seinen „Lssa)'8 Ol, tiie picturesgue" gegen den herrschenden Gartengeschmack, undihm folgte der talentvolle Repton. Ihren Bemühungen verdanken die Lustanlagen der Eng-länder bedeutende Verbesserungen. Die Spielereien der Tempel und Obelisken verschwandenimmer mehr, und Thäler, Gehölze und Anhöhen wurden nicht mehr entstellt. Seit der Mittedes l 8. Jahrh. verbreitete sich die engl. Gartenkunst (I^ancksespe gsrckening) in Frankreichund Deutschland, und auch hier traten in der Nachbildung die Verirrungen des Vorbildsschroff genug hervor. Vgl. Hirschfeld, „Theorie der Gartenkunst" (5 Dde., Lpz. >779, 4.,mit Kups.), Dietrich, „Handbuch der schönen Gartenkunst" (Gieß. 1815) und Laborde,„llescrstition cies nouveaux sareiinz >ie Ir> krsiice, etc." (Par. l8l>8—14).
Gartenbau. Seitdem der Gartenbau, durch Klima und Boden begünstigt, bereitsim 16 . Jahrh. durch holländ. Gärtner in England sich verbreitet und seit dem Anfänge des18 . Jahrh. sich weiter ausgebildet hatte, wurde die Neigung zur Gartenpflege immer mehrein vorherrschender Nationalzug der Engländer. Sie zeigte sich in den Nutz - und Blumen-gärten durch sorgfältigen Anbau und neue Culturversuche, und als die Gartenkunst ein Volks-thümliches Gepräge erhalten hatte, in den Lustanlagcn vorzüglich durch Anpflanzung über-seeischer Gewächse, auch in andern Ländern. Die vielfachen Versuche, welche allenthalbendurch Gartenfreunde gemacht wurden, erweckten immer mehr das Bcdürfniß, Vereine fürgegenseitige Mittheilung und Aufmunterung zu bilden, und so entstanden die Gartend äu-ge feilsch asten. In England gab >805 den ersten Anlaß zurStiftung der LorticulturslSociety, die 1869 einen königlichen Freibrief erhielt, seit 1812 „Uraiisactioas oktbe borti-cultural Society ok Imnlion" hcrausgab, 1817 einen kleinen Garten bei Hammersmith er-warb und später einen großen Garten zu Chiswick anlegte. In Edinburg bildete sich 1809unter der Leitung Duncan's die Lsleciunian borticultuiiil 8ocietz', welche aus der 1863 be-gründeten klorist's Society mit erweitertem Plane hervorging, gleichen Zweck mit der lon-doner Gesellschaft verfolgt, aber mehr auf das Praktische gerichtet, meist praktische Gärtnerzu Mitgliedern hat, und seit 1826 „Nemvirs ot tks caielloiiiaii borticoltural societ)" her-ausgab. Nach dem Muster dieser Gesellschaften bildeten sich bald ähnliche Vereine in mehrenStädten Englands, namentlich in Hereford, Bedford, Durham, Gloueester, Suffolk, Man-chester, Aork, Leicester, Essex u.s.w., und auch jenseit des Oceans, in Philadelphia, Neuyorkund in dem Staate Massachusetts (1831). Die Kriegsunruhen hinderten die Entstehungähnlicher Gesellschaften auf dem Festlande, und nur einige landwirthschaftliche Vereine mach-ten vereinzelte Culturversuche, welche besonders die von den Regierungen unterstützte undvon Gesellschaften wissenschaftlich betriebene Obstzucht betrafen. In Frankreich begünstigteder Minister Chaptal die Pomologie, indem er im I. 1866 den während der Revolutionnach Sceaux verlegten Obstbaumgarlen der Karthäuser zu Paris aus seinen ehemaligenPlatz (?ej>iniers c>6 Luxembourg) zurückverlegte und später damit eine Schule für Obst-züchter verband. Als die franz. Kammern die dieser Schule gewährte jährliche Unterstützungvon 16066 Francs von 1828 an nicht mehr bewilligten, sodaß dieselbe eingehen mußte, hattesich bereits 1827 die Socicts cl'korticulture nach einem sehr umfassenden Plane gebildet,aus der 1828die 8ocivte ck'ggronomie practigue hervorging, welche „Zonales ck'korticul-ture" herausgibt. Mit der 8ociete ck'borticulture ist die 1829 von Soulange-Bodin ge-gründete, zur Bildung von Gärtnern bestimmte Gartenanstalt in Fromont verbunden, dievon Karl X. zu einem Roznl institut bortieole erhoben wurde und seit 1836 „Xonsles"herausgibt. Nach dem Frieden fand auch in Deutschland der Gartenbau Förderer und Unter-stützung. Bereits 1863 wurde in Altenburg die pomologische Gesellschaft gegründet, die seit1822 „Annalen" herausgibt und seit 1832 ihre Wirksamkeit auch aufGartenbau und Blu-menzucht ausgedehnt hat. Demnächst ist die praktische Gartenbaugcfellschaft zu Frauendorfin Baiern zu erwähnen, welche zugleich durch die seit 1823 von ibr herausgegebcne „All-gemeine deutsche Gartenzcitung" wirkt. Nach dem Vorbild des londoner Vereins entstand1822 auch in Berlin eine Gartcnbaugesellschaft für den preuß. Staat, die ihre „Verhand-lungen" herauSgibt, jährlich Preise aussetzt und mit der eine Eärtnerlehranstalt und eineLandesbaumschule zu Schöneberg und Potsdam in Verbindung stehen. In Dresden bildete