Garnison Garofalo 729
' jede begehrte Concession zu machen bereit war, suchte er zu retten, was zu retten war. Beiden wüthenden Angriffen, die zumal von einigen ehemaligen Mitgliedern der demokratischenVereine jetzt auf diese gemacht wurden, ließ er nicht unbemerkt, daß der Minister Guizvt(s. d.) wenige Jahre vorher selbst Mitglied des Vereins ^»lo-toi gewesen, und daß der Sie-gelbewahrer Bart he (s. d.) der Verfasser des der Kammer vorgelegten Gesetzentwurfsgegen die politischen Vereine, der Verbindung der Carbonari angehört habe. Für das Volkallgemeines Stimmrecht in Anspruch zu nehmen, hat er in keiner Kammer versäumt. Bei^ den Debatten über die geheimen Fonds in der Kammer von I837, unterwarf er Guizot'sLeben als Staatsmann einer scharfen und beißenden Kritik. Noch im I. 1841 unterstützteer lebhaft den erfolglos gebliebenen Antrag von Mauguin und Pages de l'Arriege zur Be-schränkung der Wählbarkeit öffentlicher Beamten. Schon längere Zeit von unheilbarerSchwindsucht befallen, starb er am 23. Juni 1841. Seine Beerdigung fand unter einemso außerordentlichen Zusammenflüsse der Bevölkerung statt, wie man seit Lasayette's Be-stattung nicht bemerkt hatte. Arago, der Abgeordnete Jolly und Bastide, der Haupt-redacteur des „Kutioniil", hielten ihm die Leichenreden.
Garnison heißt die in einem Orte stehende Truppenbesatzung oder auch dieser Ortselbst, doch ist im erstem Fall das Friedensverhältniß vorherrschend gemeint, während manfür das Kriegsvcrhältniß gewöhnlich den Ausdruck Besatzung gebraucht. In der Garnisonbefinden sich die Truppen entweder in Kasernen (kasernirt) oder bei den Bürgern unterge-bracht (cinquartirt), in beiden Fällen werden sic auf Staatskosten verpflegt. Was derBürger dem Soldaten im Quartier zu verabreichen hat, wird durch ein Garnison- oderServis-Reglement festgestellt. So große Nachtheile es auch für den Dienst hat, die Truppenin viele kleine Garnisonen zu verlegen, so große Vortheile erwachsen den kleinen Städten,besonders den ackerbautreibenden, wenn sic im Frieden mit Garnison belegt sind, theils weil, dadurch eine Menge Geld in Umlauf gesetzt wird, theils weil die Soldaten den Bürgern inmanchen Handreichungen zu Hülfe kommen. Unter Garnison dien st wird derjenigeDienst verstanden, der keinen rein militairischcn, sondern mehr einen policeilichcn Zweck hat.Dahin gehören der Wachtdicnst und der Patrouillcndicnst. Die Earnisonwachcn stellen diebenöthigten Schildwachen an öffentlichen Gebäuden, wo sich Kassen u. s. w. befinden, oderan den Thoren, oder auf öffentlichen Plätzen, zuweilen auch blos des Nachts (Nachtposicn),um den Dienst weniger beschwerlich zu machen. Die Patrouillen durchstreifen des Nachtsdie Straßen, visitiren verdächtige Häuser, verhindern oder stören Aufläufe u. s. w., kurz, daGarnisondicnst bezweckt auf alle Weise die Sicherheit des friedliebenden Bürgers. Größer«Garnisonen erhalten einen eigenen Com Mandanten, große Festungen deren sogar zwei;in kleinen Garnisonen versieht der jedesmalige älteste Offizier diesen Dienst. Residenzen er-halten außer dem Commandanten gewöhnlich auch einen G onv er» eur. Der den Gar-nisondienst als Adjutant des Commandanten regulirende Offizier heißt Platzmajor,ohne daß er dabei den Rang eines Stabsoffiziers zu bekleiden braucht. Größere Garnisonenhaben einen eigenen Garnison-Auditeur (Jurist), Garnisonprediger u. s. w.
Garnitur nennt man im Allgemeinen diejenigen Thcile irgend eines Fabrikats,welche, zur Vollendung des Ganzen gehörig, außerdem noch bestimmt sind, demselben alsZierath zu dienen. So gehört z. B. der ganze Besatz eines Kleides zur Garnitur, oder Gar-, nirung des Kleides. Bei den Gewehren nennt man Garnitur alle diejenigen Thcile,^ welche dazu dienen, den Lauf und das Schloß mit dem Schafte zu verbinden, überhaupt dieeinzelnen Thcile zu einem brauchbaren Ganzen zu vereinigen. Bei Luxus- und Jagdgeweh-ren ist die Garnitur einfacher und von weißem Kupfer, schwarzgcbeiztem Stahl, Hol; oder^ Horn (Kapuzinergarnitur), bei Militairgewehren ist dieselbe von Eisen oder Messing.
> — Außerdem nennt man noch insbesondere Garnitur eine Anzahl gleichartiger zusam-
mengehörender Gegenstände, z. B. eine Garnitur Gläser, Pfeifen u. s. w.
Garofalo (Bcnvenuto), eigentlich Benvenuto Tisio da G-, ein berühmter ital.Hi-storienmaler, geb. 1481 zu Garofalo unweit Ferrara, bildete sich in seiner Vaterstadt unterDomenico Panetti und seit 1498 in Cremona unter Boccaccino Boccacci zum Maler undbegab sich-dann nach Rom, wo er die Werke der besten Meister studirte. Nachdem er sichhierauf einige Zeit in Mantua aufgehalten hatte, kehrte er wieder nach Rom zurück, wo er