726 Garderobe Gardiner
Mai 1 813 schon wieder auf sechs Bataillons Grenadiere der Alten Garde und 16 Batail-lons der Jungen Garde sowie 5000 M. Cavalerie und 56 Geschütze gebracht waren. Znder Schlacht bei Dresden bestanden die Garden aus 29600 M. Infanterie, 7000 M. Ca-valerie und 60 Geschützen. Während der Hundert Tage bestand die Alte Garde aus fünfBataillons Grenadieren, fünf Bataillons Chasseurs, drei Bataillons Tirailleurs, einemBataillon von der Insel Elba und zwei Bataillons alter Gendarmerie; die Junge Gardeaus 12 Bataillons Voltigeurs und Tirailleurs, und die Reiterei aus 12 Escadrons Gre-nadieren zu Pferde, Dragonern, Chasseurs und Lancicrs, zusammen 26160 M., die mitdem Kaiser standen und fielen. Mit dem Ausrufe „I.a Partie meurt, mais ns ss rem! 7wies die Alte Garde bei Waterloo jede Auffoderung, sich zu ergeben, zurück. Die nach derRestauration der Bourbons in Frankreich errichteten Garden wurden in Folge der Julire-volution von 1830 aufgehoben.
Garderobe nennt man das Ganze des Theatercostüms (s. Costüm), dessen Auf,bewahrungsorte, auch die Ankleidezimmer der Schauspieler. Die Garderobe ist Eigenthumder Direktion und wird dem Schauspieler zu jeder darzustellenden Rolle geliefert; dagegenmuß die moderne, elegante Kleidung meist vom Schauspieler selbst besorgt werden,jedoch ge-gen eine Entschädigungssumme, G arderobcngeld genannt. Auch die Federn und son-stigen Verzierungen werden gewöhnlich vom Schauspieler besorgt. Das Garderobeper-sonal besteht bei großen Bühnen aus einem Direktor, Jnspector oder Costümier, den Gar-derobiers und Garderobieren, dem Friseur, Requisiteur, Schuhmacher u. s. w.
Gardie (Grafen d e la) sind ein languedocsches Geschlecht, welches seit derMitte des1 6. Jahrh. sich in Liefland niederließ. Unter den Gliedern desselben zeichneten sich besondersaus Pontus Baron de laG., der aus franz. in schweb. Dienste trat, als Feldmarschall1580 siegreich gegen Rußland focht und 1585 starb. — Sein Sohn, JakobGrafdelaG., geb. 1583, erfocht ebenfalls mehre Siege gegen die Russen und starb als Präsident desKriegsdepartements 1652. — Nicht minder zeichnete sich Jakob's Sohn, Magnus Ga- >
brielErafdelaG. aus, geb. zu Reval 1 622. Er studirte zu Upsala, bildete sich dann !
aqf seinen Reisen in Frankreich und gefiel der Königin Christine nach seiner Rückkehr sowohl, daß sie ihn zu ihrem Gesandten in Paris ernannte. Obschon er viel über sic vermochte,so bemühte er sich doch vergebens, sic andern Sinnes zu machen, als sie entschlossen war, dieKrone niederzulegen. Unter dem König Karl X. Gustav übernahm er den Oberbefehl desHeers, welches unter ihm gegen Rußland sehr glücklich focht. Nach des Königs Tode hatteer Theil an der Regentschaft während der Minderjährigkeit Karl's XI. Obschon mit diesemdurch seine Gemahlin, die Prinzessin Euphrosyne von Pfalz-Zweibrücken nahe verwandt,wurde er doch bei der Einziehung der adeligen Güter sehr hart behandelt und fast aller seinerBesitzungen verlustig, sodaß er 1685 in großer Armuth starb. Ihm verdankt Upsala densogenannten Mbernen Codex desUlfila (s. d.), den die Schweden in Prag erbeutet hatten,der aber für verloren erachtet wurde, bis ihn E. in Flandern auffand und für 600 Fl.kaufte. Gegenwärtig besitzt die Familie das Landgut Löberod in Schonen, wo sich die reich-ste Handschristcnsammlung in Schweden befindet, aus der der Propst Wieselgrcn das „vola 6^r<Iis'sclls Xrcbivum" (20 Bde., Stockh. und Lund 1831—-13) herausgegeben hat.
Gardmer (Stephan), Bischof von Winchester und Kanzler von England, geb. 1183zu St.-Edmundsbury in der Grafschaft Suffolk, ein natürlicher Sohn des Bischofs vonSalisbury, Lionel Woodville, erhielt seine gelehrte Bildung zu Cambridge, wo er neben derTheologie sich auch mit Erfolg den Staatswiffenschaften widmete. Schmiegsam und ge-schäftsthätig, erwarb er sich die Gunst und eine Secretairstelle beim Cardinal Wolsey (s d.),der ihn auch dem Könige empfahl. Als Heinrich VIII. die Scheidung von seiner GemahlinKatharina von Aragonien betrieb, wurde G. 1528 als Unterhändler nach Rom geschicktund, obschon seine Sendung keinen Erfolg hatte, >529 zum Staatsrathe erhoben. Darrsich im Scheidungsprocesse und in der Herstellung der königlichen Suprematie in Kirchen-sachen sehr willfährig bewiesen, so ernannte ihn 1511 der König zum Bischof von Winchester.Nächstdem hatte er sich die königliche Gunst durch eine 1535 gegen den Papst gerichteteSchrift „I>e vera obschentis" (Franks. 1621) in hohem Grade erworben. Dessenun-geachtet war G. im Geheimen ein heftiger Gegner derKirchenresormation; er arbeitete darin