722 Garat (Jean Pierre) Gareia
war Redacteur des „äonrnsl <ie ?»ris", als die Revolution ausbrach. Der dritte S<andvon Bordeaux wählte ihn zu seinem Deputaten bei der ersten Nationalversammlung. Hier-durch kam er, dem das politische Leben ein völlig fremdes Element war, in welchem er sichauch nie heimisch fühlen lernte, während der Revolution in wechselvolle und mannichfacheVerhältnisse und Stellungen. Als Justizministcr, nach Danton, mußte er Ludwig XVI.sein Urtheil ankündigen; als Minister des Innern schien er nicht selten ein schwaches Werk-zeug He'bert's, Pache's und Danton's. Als er 1793 seine Entlassung genommen, wurde erbald darauf als Gemäßigter verhaftet und erst nach dem 9. Thermidor wieder befreit. Andie Spitze des öffentlichen Unterrichts berufen, überließ er seine Stelle an Ginguene und " ,übernahm die Professur der Philosophie an der neuerrichteten Normalschule. Im I. 1798 ,
ging er als Gesandter nach Neapel; 1799 trat er in den Rath der Alten; von Napoleon j
wurde er dann zum Grafen, Senator und Mitglied der Ehrenlegion ernannt. Später kam ! jer jedoch ganz in Vergessenheit und lebte zurückgezogen, bis er während der Hundert Tage »
zum Mitglied der Repräsentantenkammer gewählt wurde, wo er heftig gegen die Bourbons (
sprach. Bei der neuen Einrichtung des Instituts unter LudwigXVIII. wurde er aus der Liste <
der Mitglieder gestrichen und erst nach der Julirevolution von 1830 in die Akademie der o
moralischen und politischen Wissenschaften wieder ausgenommen. Er starb in seinem Ge- ^
burtsorte am 9. Dec. 1833. Höchst interessant sind seine „Vlcmoires sur Vlr. 8,iur>i, sur d
ses ecrits, etc., sur Is clix-buitieme siede" (2 Bde., Par. 1820). r
Garat (Jean Pierre), einer der berühmtesten sranz. Sänger, ein Verwandter des d
Vorigen, geb. zu Ustariz am 25. Apr. 1763, kam >782 nach Paris, wo er >795 als Lehrer ;
am Conservatorium angcstellt wurde. Seine Stimme war an Klang und Umfang vielleicht d
die bewunderungswürdigste, welche je die Natur gebildet hat, und seine Fertigkeit außeror- u
dentlich. Er machte mehre Kunstreisen durch Spanien, Italien und Deutschland, 1802 nach z
Petersburg und starb in Paris am 3. März 1823. — Auch sein Bruder, Jos. Domini- I
que Fabry-Garat, geb. zu Bordeaux 1775, erwarb sich als Sänger und Componisi l siausgebreiteten Ruf. I ll
Garcla (Manuel), ein beliebter Sänger, Componist und Gesanglehrcr, geb. am 22. oJan. 17 7 5 zu Sevilla, kam, nachdem er in Cadiz und Madrid als Sänger einen bedeuten- g
den Nus erlangt, > 808 nach Paris, wo er in der Italien. Oper mit großem Glücke auftrat, , ftund ging 1811 nach Italien, wo «r in Turin, Nom und Neapel nicht minder günstige Auf- i d
nähme fand und die Gesangskunst theoretisch studirte. Von 1816—23 war er abwechselnd li
in Paris und London als Sänger und Gesanglehrcr thätig; dann ging er mit einer auser- u
lesenen Opergesellschaft, zum Theil aus Mitgliedern seiner Familie bestehend, nach Neu- dl
york und später nach Mexico. Im Begriff nach Europa zurückzukehren, wurde er auf dem st
Wege nach Veracruz durch Räuber seines ganzen ersparten Vermögens beraubt, das er in 6
Ruhe genießen wollte. So sah er sich genöthigt, in Paris wieder seine Singcurse zu eröff- ! L
nen. Einige Versuche, auch als Sänger wieder thätig zu werden, überzeugten ihn jedoch von ' r«
der eingetretenen Unzulänglichkeit seiner Stimme, und fortan widmete er sich nur der Com- i gl
Position und der Bildung seiner Schüler. Unter den lehtern erlangten namentlich Nourrit ^
und die Meric-Lalande, vor Allen aber seine älteste Tochter Marie (s. Malibran) den i d!
ausgebreitetsten Ruf. Minder bedeutend war G. als Componist, obgleich mehre seiner dra- ! bi
matischen Arbeiten, namentlich „Ll poeta cslculistu" und „U csliko <1i Ragiiml" sich einer le
günstigen Aufnahme erfreuten. — Seine zweite Tochter, PaulineViardot-Garcia, > x
geb. 1821 zu Paris, kam zwar mit ihren Altern nach London, Neuyork und Mexico, erhielt j ft
aber erst später in Paris und Brüssel ihre eigentliche Ausbildung. Nach dem Plane ihres i si
Vaters sollte sie Clavierspielerin werden, und erlangte auch bald eine bedeutende Fertigkeit. j L
Allein gleich ihrer großen Schwester zeigte sie eine so mannichfaltige Kunstbegabung, daß es !
schwer schien, ihre eigentliche Richtung zu bestimmen. Nicht nur zeigte sie ein ungemeines ! 5
Sprachtalent sondern auch eine überraschende Leichtigkeit und Auffassungsgabe im Zeich- , gnen, sodaß sie die Züge von Personen, die sie oft nur einmal gesehen, nach längerer Zeit noch li
charakteristisch darzustellen vermochte. Später erst entwickelte sich entschieden und schnell zur bi
Reife gedeihend ihr Gesangstalcnt. Im I. 1838 machte sie mit ihrem Schwager Beriot(s. d.) eine Kunstreise, auch nach Deutschland. Im folgenden Jahre ging sie nach London,