718 ' Ganganelli Ganflliensystem ^
milien, welche sich zur gemeinschaftlichen Vertheidigung ihrer Güter in einem gemeinschaft- "lichcn Schlosse, das deshalb Gan erben schloß genannt wurde, in einem sogenanntenBurgfrieden (s. d.) vereinigten. In der Folge, als nach und nach das Faustrecht auf-hörte, erloschen auch allmälig die Ganerbschaften, und nur in einigen Gegenden bezeichnetder Name Gancrbe einen Miterben oder Mitbesitzer, der mit Andern an einem Gute An-theil hat. Die ansehnlichste Ganerbschaft war in der letzten Zeit des Deutschen ReichsBurgfriedberg (s. Friedberg) in der Wetterau.
Ganganelli (Giov. Bincenzo Antonio), s. Clemens XIV.
Gangarten (sllures) nennt man das Tempo der Geschwindigkeit bei der Bewegung -ider Reiterei. Feldmäßig gepackt legt die Reiterei in einer Minute im Schritt 120, im Trabe ^240, im starken Trabe 300, im Galop 333, in der Fanfare 500 und in der Carriere 600Schritte zurück. Die Gangarten sind dabei nach der mittleren Kraft der Pferde geregelt, da-mit auch die schwachen nicht Zurückbleiben.
Gänge heißen in der Geologie die plattcnförmigen Lagerstätten der Mineralien.
Ganges, der Hauptstrom Vorderindiens in der südlichen Vorkette des Himalaja ent-steht aus der Vereinigung des Bhagirctti mit dem Alaknanda bei Dcobrag, wo einer derheiligsten Hindutempel sich befindet. Nachdem er anfangs ein reißender Bergstrom gewesen,tritt er bei Hurdwar aus demHimalaja in die große Gangesebe»e, die sich von den Wü-sten der Jnduszuflüsse zwischen dem Vindhyagebirge und dem Himalaja bis zum Bengali-schen Meerbusen erstreckt. Er durchströmt die Provinzen Delhi, Agra, Audh, Allahabad,Berar und Bengalen, ergießt sich nach einem Laufe, der in gerader Linie 200, mit seinenKrümmungen aber 420 M. beträgt, in vielen Armen in den Bengalischen Meerbusen undbildet so mit dem Brahmaputra (s. d.), dessen Mündung mit der seinigen im Osten zu-sammenfällt, ein Delta, welches das größte auf der Erde ist, indem es 44 M. vom Meereseinen Anfang nimmt und längs des Meers 45 M. breit ist. Der westliche Hauptarm die-ses Deltas ist der Hugli, an dem Kalkutta liegt, der mittlere der Huringolta und der östlicheder Padna. Zwischen ihnen breitet sich ein von einer Menge von Kanälen durchzogenes, meistdurch Deiche gegen Überschwemmungen geschütztes, im Norden znm Thcil sorgfältig ange-bautes, weiter herunter aber von einer üppigen, wilden Vegetation bedecktes Schwemmlandaus, die Heimat der Cholera, die sich hier aus den Miasmen der Sumpfluft und der verfau-lenden Thier- und Pflanzenreste, welche der Ganges anschwemmt, zuerst erzeugte. Hier imSüden des Deltas, längs dem Meere hin, bildet der Kampf zwischen den Gewässern desFlusses und des Meers die furchtbar ungesunden Sunderbunds, ein Labyrinth von wandel-baren Sümpfen, Kanäle, Schlamm- und Sandinseln. Bei dem Ganges finden jährlicheperiodische Überschwemmungen wir beim Nil statt, wenn auch nicht mit derselben Regelmä-ßigkeit. Der Ganges ist seiner Größe nach der zwölfte Strom in der Reihe der Flüsse derErde; sein Flußgebiet beträgt über 27000 mM. und seine Wassermasse ist so groß, daß erbei Allahabad, 140 M. von seiner Mündung, eine Tiefe von 34—45 F. hat und von da anseiner Breite nach einem Landsee gleicht. Er ist der heilige Strom der Hindus. Nach demNamajana entstand er dadurch, daß in Folge des Gebets k>es frommen Bhagirathas die ,Nymphe Ganga, die älteste Tochter des Himawan oder Himalaja, bewogen wurde, sich vondem Himmel auf die Erde zu stürzen. Deshalb wird sein Wasser für heilig gehalten, und ^ ^seine Anwohner sind verpflichtet, sich an bestimmten Tagen in ihm zu baden. Darum ge- !schehen auch häufige Wallfahrten zu ihm, besonders zu seinen Quellen. Wer an seinem Uferstirbt oder vor seinem Tode sein Wasser trinkt, braucht nicht zur Scelenwanderung auf dieErde zurückzukehren. Deshalb trägt man Sterbende zu ihm, flößt ihnen von seinem Wasserein, taucht sie in dasselbe und übergibt nach dem Tode den Leichnam seinen Wellen. Die,welche entfernt von ihm wohnen, bewahren sein Wasser, das in Indien einen bedeutendenHandelsartikel abgibt, in kupfernen Flaschen, um es in der Todesstunde zu trinken, und las-sen, wenn sie reich sind, nach dem Tode sich verbrennen und ihre übrigbleibenden Reste inden Ganges werfen.
GtUlflliensystem oder sympathisches Nervensystem (sz-stemu nsrvorum gsngliosuw,Nervus sxmputliicus muximus) nennt man einen Theil desNervensystems, der von manchen,namentlich den neuern Anatomen, als ein für sich bestehendes System betrachtet wird, da»