Gallomanie Gallus (Caj. Sulpicius) 709
mit großer Umsicht den wichtigsten Sendungen sich unterzog, war ein geborener Neapolitaner.Den Weg zu höher» Staatsämtern bahnte er sich durch die Unterhandlungen während desNcvolutionskriegs, mit denen ihn Ferdinand IV. von Sicilien beauftragte. Im I. 1765an A cton's (s. d.) Stelle zum Premierminister ernannt, lehnte er diesen Posten ab. Erwohnte den Conferenzcn zu Udine bei, Unterzeichnete 1797 den Frieden zu Campo-Formiound leitete fortwährend die wichtigsten Verhandlungen mit Frankreich, wobei er mehrmalsmit Acton in harten Kampf gerieth, dessen System der Strenge er sich widersetzte. GegenEnde des 1.1802 ging er als Botschafter des Königs beider Sicilien zur ital. Republik undvon da nach Frankreich. Er wohnte der Krönung Napoleon's zum König von Italien beiund Unterzeichnete 1805 in Mailand den Vertrag mit Frankreich wegen Räumung des nea-politan. Gebiets von den franz. Truppen, der aber in dem Augenblicke der Unterzeichnungschon gebrochen wurde. Nach der Landung der Russen und Engländer in Neapel nahm erseinen Abschied. Als Joseph Bonaparte den Thron von Neapel bestieg, wurde er von dem-selben zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt und behielt auch unter Mu-rat dieses Ministerium. Er Unterzeichnete am 11. Jan. 181-1 das Bündniß mit Ostreichund am S. Febr. das mit England, blieb Murat bis zu dessen Sturz getreu und lebte hier-auf als Privatmann. Nach der Revolution in Neapel von 1820 wurde er wieder Ministerder auswärtigen Angelegenheiten und übernahm dann eine Sendung nach Wien, um demdortigen Hofe über die Revolution Neapels und deren Folgen Aufklärung zu geben; dochin Klagenfurt fand er eine Anweisung deS Fürsten Metternich, nicht weiter zu reisen, da derKaiser ihm keine Audienz ertheilen könne. Hierauf begleitete er den König beider Sicilienzum Congresse nach Laibach, wo er sich vergebens bemühte, eine Abänderung der über Nea-pel gefaßten Beschlüsse herbeizuführen, und trat dann ins Privatleben zurück. Er starb zuNeapel im Febr. 1833.
Gallomänie (lat. und griech.) nennt man die übertriebene Vorliebe für Alles, wasfranzösisch ist, wie diese namentlich seit den Zeiten Friedrich des Großen in Deutschlandhervortrat, besonders in den höhern Elasten, die nicht nur durchgehend französisch sprachen,sondern überhaupt Alles nach franz. Mustern eingerichtet haben wollten, und bei diesemNachahmungseifer selbst das Bessere dem Schlechter« häufig opferten. In gleichem Gradezeigte sich diese Sucht unter den Deutschen während der Herrschaft Napoleon's.
Gallon ist ein engl. Hohlmaß sowol für trockene als flüssige Gegenstände. Nach derneuesten gesetzlichen Bestimmung muß der Imperial gallo» 10 Pf. destillirten Wassers, beieinem Wärmegrad von 13'/" R. gewogen, oder 277,273 Kubikzoll enthalten. Der alteengl. Weingallon enthält nur 231, der alte engl. Biergallon aber 282 Kubikzoll. Nur dererste ist beim Zollwesen gültig. Vier Quart oder acht Pinten bilden diesen Gallon; zweiGallons sind gleich einem keck und acht Gallons gleich einem kiiskel oder engl. Scheffel.
Gallopägos oder Schildkröten in seln heißen die zur südamerik. RepublikEcuador gehörigen Inseln an der Küste von Quito, die in bis jetzt unbestimmter Zahl (etwa30) zusammen einen Flächenraum von >20 lüM. haben. Sie sind vulkanischen Ursprungsund unbewohnt, aber merkwürdig durch eine besondere Art Landschildkröten, die 50—300Pf. schwer und äußerst wohlschmeckend, hier in großer Anzahl leben.
Galloway (Henri, Marquis von Numigny, Graf von), geb. 1637, wurde alsGeneralagent des zur Zeit des widerrufenen Edicts von Nantes nach England geflüchtetenfranz. protestantische» Adels mit dem Titel eines Grafen von G. daselbst nationalisirt undin Folge seines tapfer» Benehmens bei Neerwindcn als Oberst des aus franz. Flüchtlingen ge-bildeten Reiterregiments von Wilhelm III. im I. 1696 zum Generalmajor und Befehls-haber der engl. Truppen in Piemont befördert. Beim Ausbruch des span. Erbfolgekriegsernannte ihn die Königin Anna 1703 zum Generalissimus in Portugal. Vor Badajoz im1. 1705 verwundet, bei Almanza im I. 1707 und auf der Ebene von Gudina im I. >709geschlagen, wurde er hierauf nach England zurückberufen und 1715 Lord Oberrichter vonIrland. Er starb auf seinem Landhause in Hampshire am 13. Sept. 1720.
Gallus (Cajus Sulpicius), einer der wenigen Römer, welche die Astronomie zumGegenstände ihrer Studien machten, lebte gegen 170 v. Ehr. Er beschäftigte sich besonders