Galla» (Volk) Galla» (Matthias, Graf von) 699
insekte» Vorkommen) unter dem Namen Galläpfel für technische Zwecke Anwendung ge-^ funden. In denselben herrscht eine eigenthümliche Säure (Gallussäure) so stark vor, daßsie für Zwecke d§r Färberei und zur Bereitung der Tinte kaum entbehrlich sind. Die besteSorte von Galläpfeln (Knoppern, levantische Galläpfel) kommt von tzuorcus inkecto-ria, einer in Syrien und Mesopotamien wachsenden Eichenart; schlechter sind die südeuro-xäischen, am wenigsten zu gebrauchen die norddeutschen.
! Gallas, ein Negervolk, dessen Heimat der nordöstliche Theil des großen Tafellandes! der Südhälste von Afrika, südlich von Abyssinicn ist, tragen, obschon im Allgemeinen zurNegerrace gehörig, doch nicht den reinen Typus derselben, sondern bilden mit denFulahs(s. d.), Mandingos und Nubas den Übergang zur kaukasischen Race und gehören, wie esscheint, der großen Völkerfamilie an, welche das östliche Afrika von der Grenze des Kap-landes bis nach Abyssinien hinauf bewohnt und gewöhnlich mit dem Namen der kaffrischenbezeichnet wird. Ihrer körperlichen Beschaffenheit nach sind die Gallas ein schönes, kräftigesGeschlecht; nicht minder zeichnen sie sich vor den andern Negerstämmen durch Energie undkriegerischen Geist wie durch geistige Fähigkeiten aus. Sie erscheinen in der Geschichte zuerstI im 16. Jahrh. als ein aus dem Innern Afrikas erobernd hervorbrechendes Barbarcnvolk,
- das seitdem durch fortwährende Einfälle die Länder des ostaftik. Gebirgsgebiets bis zu denHochgebirgen Abyssiniens überschwemmend heimsuchte und furchtbar verwüstete, die ur-sprünglichen Bewohner derselben nach und nach unterjochte oder verdrängte, einen großenTheil Abyssiniens besetzte und bis zum Rothen Meer und dem Meerbusen von Aden vor-drang. Erst in neuester Zeit scheinen ihre Macht in Abyssinien und ihre Einfälle dahjn ab-genommcn zu haben, besonders in Folge der kräftigen Regierung des Königs von Schoa, dernnige Gallasstämme unterworfen und zur Annahme des Christenthums bewogen hat'; doch^ halten sie noch immer viele Landstriche Abyssiniens besetzt und erstrecken ihre Herrschaft weit-» hin in unbestimmbaren Grenzen über die südlich und südwestlich von Abyssinien gelegenenLandstrecken, wohin jetzt auch vorzüglich ihre Raubzüge zu gehen scheinen. Die Gallas bil-! den keine politische Einheit, sondern zerfallen in eine Menge größerer und kleinerer Stämme,.die-besondere Gemeinwesen bilden und sich häufig untereinander bekriegen. Die meistenGallasstämme sindHirtenvälker geblieben und bewahren nebst der diesen Völkern eigenthüm-lichen Lebensweise noch ganz die alte Wildheit ihrer Vorfahren; einige aber, die neben undunter abyss. Völkern wohnen, sind Ackerbauer geworden und haben sich etwas civilisirt.(S. A byssinien.) Die wilden, nicht seßhaften Gallasstämme beschäftigen sich neben demHirtenleben auch viel mit der Jagd und dem Sklavenhandel. Der Mehrzahl nach sind sienoch Heiden, doch hat der Islam unter den um Kassa und Narca und nach der Meersküste! zu Wohnenden, die viel mit mohammed. Völkern in Berührung kommen, große Fortschrittegemacht. Nur wenige Gallasstämme, so unter andern einer im Innern Abyssiniens, habensich zum Christenthume bekehrt.
Galla» (Matthias, Graf von), kaiserlicher General im Dreißigjährigen Kriege, gcb.>589 aus einer im Tridentinischen angesessenen Familie, machte mit einem lothringischenEdelmanne, dem er zuvor als Page gedient hatte, 1616 seinen ersten Feldzug in dem span.Kriege gegen Savoyen, trat aber bald darauf in die Dienste des Kaisers und der Ligue undwurde zu Anfänge des Dreißigjährigen Kriegs zum Obersten befördert. Besonders zeichnete! er sich in dem Feldzuge gegen die Dänen aus, commandirte dann nach dem Frieden von Lü-beck im I. 1629, als General, ein kaiserliche- Truppencorps in Italien und eroberte Man-tua, wobei er reiche Beute machte. Darauf zum Reichsgrafen erhoben, übernahm er 1631das Commando eines Theils des bei B r e i t e n f e l d (s. d.) von den Schweden geschlagenenHeers, deckte Böhmen und focht dann gegen Gustav Adolf bei Nürnberg und Lützen. Daer es vorzüglich war, welcher Wallenstein an den Kaiser vcrrieth, so erhielt er nach dessenTode nicht nurdieHerrschaft Fried l and (s.d.) sondern auch den Oberbefehl und errang beiNördliugen über den Herzog Bernhard von Weimar den Sieg, in Folge dessen das südwest-lich! Deutschland wieder in die Gewalt des Kaisers kam. Im 1.1637 focht er gegen Bane'rund Wrangel in Pommern, mußte aber zu Ende des 1.1638 mit seinem geschwächten Heeresich nach Böhmen zurückziehcn und das Commando niederlegen. Trotz seines Unglücks und sei-nes erprobten Mangels an Feldherrntalent wurde er >643 abermals an die Spitze des Heer-