Galizin Gall 697
Geistlichkeit macht keinen besondern Stand aus, sondern Bischöfe und Äbte sind unter demHcrrenstande mit inbegriffen, zu dem die Fürsten, Grafen und Freiherren gehören. DieStande versammeln sich jährlich einmal und haben das Recht, über die Herbeischaffung,Vcrtheilung u. s. w. der vom Hofe gemachten Federungen zu berathen, auch, wenn es nöthigist, Vorstellungen an das Landesgubernium zu machen. Für den höhern Adel hat man > 7Erzämter errichtet, die aber nicht erblich sind. Die Kunsterzeugniffe des Landes sind nichterheblich; doch gibt cs Tabacksfabriken, Leinwand- und Tuchmanufacturen, auck vielei Glashütten; zur Beförderung des Handels, der größtenteils in den Händen der Judenist, hat man gute Straßen angelegt. Die herrschende Religion des Landes ist die katholische;ein Erzbischof hat zu Lemberg seinen Sih. Doch gibt es auch viele unirte und nicht unirteGriechen und Armenier, welche unter eigenen Bischöfen stehen, sowie zahlreiche Juden untereinem Oberrabbiner. Die Angelegenheiten der Protestanten besorgt der Superintendent zuLemberg. Für gelehrte Bildung wirken die Universität zu Lemberg und sechs Gymnasien inden wichtigsten Städten des Landes. G-, dessen Name aus dem slaw. Halicz entstanden ist,gehörte seit dem Ende des 9. Jahrh. zu Rußland; im 19. Jahrh. wurde es von den Polenerobert, kurze Zeit nachher aber ihnen durch Rußland wieder entrissen. Seit dem 1 2. Jahrh.! als Fürstcnthum in einer gewissen Abhängigkeit von Ungarn, wurde es zu Ende dieses Jahr-hunderts mit Wladimir vereinigt, zu Anfänge des 13. Jahrh. zum Königreich erhoben, umdie Mitte dieses Jahrhunderts mit Lithauen verbunden und l3l1 nebst Wladimir zuMoskwa geschlagen, t 3-19 aber vom Könige Kasimir lll. von Polen in Besitz genommen,dem der König von Ungarn seine Ansprüche auf G. abtrat, während Lithauen durch dieÜberlassung Wladimirs abgesunden wurde. Durch den König Ludwig dm Großen vonUngarn von neuem erobert, kam G. nebst Lemberg durch die Vermählung Hedwig's, derTochter Ludwig's, 1382 wieder an Polen, bei dem es nun bis zur Theilung dieses Landesim I. 1773 verblieb. Bei dieser ersten Theilung Polens kam G. mit Einschluß einigerStücke, die bisher zu Kleinpolen gehört hatten, unter dem Titel des Königreichs Galizienund Ludomerien oder Lodomericn, den die Kaiserin Maria Theresia schon 1769 angenom-men hatte, an Ostreich, das 1786 die Bukowina, die schon seit 1777 Lstreichisch war, damitvereinigte. Als Ostreich bei der letzten Theilung Polens im J. 1795 neue Erwerbungen(869 IHM. mit 1,397909 E.) in Polen machte, erhielten diese den Namen West-oderNeugalizien, die alten aber wurden nun Ost-oder Altgalizien genannt. Seitdemschwand in der Lstr. Kanzleisprache der Name Galizien und Ludomerien, an den nur nochder Titel und das Wappen des Kaisers von Ostreich erinnern. Westgalizien nebst Krakauund den, Bezirke um die Stadt auf dem rechten Weichseluftr, sowie den jamoscer Kreis inOstgalizien (957 OlM- mit 1,-179990 E.) mußte Ostreich im wiener Frieden von 1899 anNapoleon abtreten, um mit dem Herzogthume Warschau vereinigt zu werden; an Rußlandtrat es von Ostgalizien 16-1 OlM. mit-190990 E. ab. Im pariser Frieden blieb Westgalizicnbei Polen, während der an Rußland abgetretene Theil von Ostgalizien an Ostreich zurück-gegeben wurde. Ein Theil des von Ostgalizien an Polen abgetretenen Terrains aber wurdezur Republik Krakau erhoben.
Galizin oder Gallizin, s. Galyzin.
Gall (Franz Jos.) wurde am 9. März 1758 zuTiesenbrunn in Würtemberg geboren.Er studirte in Strasburg und Wien Mcdicin und machte sich an letzterm Orte als praktischerArzt und durch seine „Philosophisch-medicinischen Untersuchungen über Natur und Kunst imkranken und gesunden Zustande des Menschen" (Bd. 1, Wien 1792) vortheilhaft bekannt.Eine weit größere Berühmtheit erlangte er jedoch durch seine Vorlesungen über die S ch ä -dellehre (s. d.), die ihm aber in Wien erst gänzlich untersagt und dann nur in beschränk-tem Maße gestattet wurden. Später wiederholte er diese Vorlesungen während einer Reisedurch Deutschland auf mehren Universitäten und in großen Städten, wobei er ebenso vieleAnhänger als Gegner fand. Nachdem er sich hierauf nach Paris gewendet, suchte er seineLehre theils durch Vorträge, theils im Verein mit seinem Freunde Spurzheim (s. d.) durchdas große Werk „Anatomie et pli);iologie <1u Systeme nerveux en ßpneral et ciu cervesuev pmticulier, etc." (-1 Bde., Par. 1819—29; 2. Aust., 6 Bde, 1822—25, nebst einemAtlas mit 199 Kpftaf. in Fol.) weiter zu verbreiten. Gegen mehre ihm besonders von pari-