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5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
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Galilei 695

Sonnenkorpers und auf die Neigung seiner Achse gegen die Ebene der Erdbahn. Sein Namewar indeß so berühmt geworden, daß ihn der Großherzog Cosmo II. 1610 als ersten Lehrerder Mathematik zu Pisa, wo er jedoch zu wohnen nicht verpflichtet war, zu sich berief. Erhielt sich theils zu Florenz, thcjls aufdem Lustschloffe seines Freundes Salviati auf. Hierverschaffte er 1610 durch die Entdeckung der abwechselnden Lichtgestalten (Phasen) des Mer-cur, der Venus und des Mars dem Kopcrnicanischen Systeme, dessen erster Verfechter erwar, den vollständigen Sieg, da durch dieselbe die Bewegung dieser Planeten um die Sonneund ihre Erleuchtung durch dieselbe außer Zweifel gesetzt wurde. Darauf schrieb er über dasSchwimmen und Untersinken der festen Körper im Wasser ein Werk, in welchem er, w>e inallen seinen übrigen Schriften, den Samen vieler neuen Lehren ausstreute. Während er sichso bemühte, die Grenzen der Naturlehre zu erweitern, zog sich ein Ungewitter über ihm zu-sammen. G. hatte sich in seinem Werke über die Sonnenflecken für die KopernicanischeWeltordnung erklärt und wurde deshalb von seinen Feinden verketzert. Die Mönche predig-ten wider ihn, und G. sah sich genöthigt, im I. 1615, in welchem die zur Büchcrcensur ver-ordnete Congregation der Cardinäle das neue System für schriftwidrig und ketzerisch erklärthatte, nach Rom zu gehen, wo es ihm gelang, durch die Erklärung, daß er sein System we-der mündlich noch schriftlich weiter behaupten wolle, seine Feinde zu beschwichtigen; er suchtebei dieser Gelegenheit eine größere Freiheit im Denken und Schreiben zu bewirken, würde aberdem Znquisitivnsgerichte schwerlich entgangen sein, wenn nicht der Großherzog, die Gefahrahnend, ihn zurückberufen hätte. Die Erscheinung dreier Kometen, im I. 1618, gab ihmVeranlassung, allgemeine Betrachtungen über diese Körper mitzutheilcn. Sein Schüler,Mario Guiducci, machte dieselben zum Gegenstände einer Schrift, worin er den JesuitenGrassi scharf beurtheilte; dieser, welcher G. für den Verfasser hielt, griff denselben an. G-antwortete in seinem8sMi»tc>re", einem Meisterstücke von Beredtsamkeit; zog sich aberdadurch die Feindschaft der Jesuiten zu. Geraume Zeit nachher arbeitete er sein berühmtestesWerk aus, worin er, seiner Rechtfertigung halber, drei Personen redend cinführt, von deneneine das Kopernicanische, die zweite das Ptolemäische System vertheidigt, die dritte aberBeider Gründe dergestalt abwägt, daß die Sache dem Anscheine nach unentschieden bleibt,so wenig auch das Übergewicht der für das Kopernicanische System aufgestellten Beweise zuverkennen ist. Mit diesem Werke, in welchem die größte Eleganz des Stils mit dem streng-sten und zugleich faßlichsten Vortrage gepaart sind, begab sich G. im 1. 1630 nach Rom,und es gelang ihm, das Imprimatur zu erlangen. Nachdem er eine gleiche Erlaubniß inFlorenz ausgewirkt hatte, ließ er es daselbst unter dem Titelvislogo <1i Llalileo t-»I>Iei,ckove ne' congrsssi cki qusttro giornste si ckiscorre eie' eine massimi sisteini, Tolemaicoe 6operoicsno" (1632) erscheinen. Kaum war dasselbe erschienen, als es von den Aristote-likern, am heftigsten aber von Scipione Chiaramonti in Pisa angegriffen wurde. Papst Ur-ban VIII., der als Cardinal G.'s Freund gewesen, wurde dessen grausamster Verfolger, daman ihn zu überreden wußte, G. habe in der Person des Simplicio seiner Einfalt spottenwollen, daß er den Druck eines so anstößigen Buchs erlaubt habe. So konnte es G.'s Wi-dersachern nicht schwer werden, ihn den schimpflichsten Mishandlungen preiszugeben, zumalda sein Gönner Cosmo 11. gestorben und die Regierung zu Florenz in den schwachen Händendes jungen Fernando 11. war. Eine Congregation von Cardinälen, Mönchen und Mathe-matikern, inSgesammt geschworene Feinde G.'s, untersuchte sein Werk, verdammte es alshöchst gefährlich und foderte ihn 1632 vor das Jnquisitionsgericht. Im Winter 1633 mußteer sich nach Rom begeben, und nachdem er einige Monate im Gesängniß geschmachtet, wurdeer endlich verdammt, die großen Wahrheiten, die er behauptet hatte, am 20. Juni 1633,knieend, die Hand aufs Evangelium gestützt, förmlich abzuschwören. In dem Augenblicke,da er wieder aufstand, soll er, beschämt, seiner Überzeugung zum Trotz geschworen zu haben,mit dem Fuße gestampft und mit verbissener Wuth gesagt haben:L pur si muove !" (Undsie bewegt sich doch!) Hierauf wurde er auf unbestimmte Zeit zum Kerker der Inquisitionverurtheilt, seinviala;;»" aber verboten und sein System, als der Bibel zuwider, verdammt.Später wurde die Kerkerstrafc in eine Verweisung in den bischöflichen Palast zu Siena undbald nachher in das Kirchspiel Arcetri unweit Florenz verwandelt. Hier lebte er auf seinemLandsitze, seine letzten Jahre hauptsächlich dem Studium der Mechanik und Ballistik wid-