Druckschrift 
5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
Seite
643
Einzelbild herunterladen
 

Sriesel

Friesen

643

Kant'sche Methode noch einer Vervollkommnung bedürfe, und suchte diese in einer analyti-schen Naturlehre vom menschlichen Geiste überhaupt, welche er die philosophische Anthropolo-gie nannte. Seine Glaubenslehre, welche das subjectivc Wissen ergänzen soll, ist der Jaco-bi'schcn Vernunftanschauung verwandt.

Friese! (miliaris) ist eine Hautkrankheit, welche darin besteht, daß meist am Halse,auf der Brust und dem Rücken kleine, hirsekornähnliche Bläschen sich zeigen, die bald durch-sichtig, bald milchweiß, bald mit einem rothen Saume umgeben, bald ohne diesen erscheinen;daher die Namen Krystall-, Perl-, Milch-, rothcr und weißer Friescl. Gewöhnlich tritt dieseKrankheit im Gefolge von andern auf, besonders nach Unordnungen in der Verdauung, odersic wird durch übermäßige Beförderung des Schweißes hervorgerufen, wie bei den Wöchne-rinnen und kleinen Kindern, wo man sie dann auch Hitzbläschen (lmlros) nennt. In man-chen Fällen bildet der Friese! auch eine Krisis. Bisweilen verschwindet der Frresel plötzlich,worauf sich jedoch gewöhnlich andere, beschwerlichere und gefährlichere Symptome einstellen.Meist lassen die Bläschen bei ihrem Verschwinden keine Spur zurück und gehen nicht in Ge-schwüre über, zuweilen vertrocknen sie, und es erfolgt eine geringe Abschuppung. Der übrigeZustand des Körpers entscheidet darüber, ob der Friese! als gefahrlos oder als Zeichen vonGefahr, namentlich großer Schwäche, zu betrachten sei.

Friesen, ein german. Volk, wohnten, als die Römer durch Drusus, berste zinsbarmachte, sie zuerst kennen lernten, vom östlichen Rheinarm bis zur Ems auf der Nordwcst-svitze Germaniens zwischen Batavern, Brukterern und Chauken. Durch die Bedrückungender Römer erbittert, befreiten sie sich im I. 28 n. Chr. Domitius Corbulo hatte sie im Z.47 wieder zum Gehorsam gebracht, als er den Befehl des Kaisers Claudius erhielt, die röm.Truppen auf das linke Rheinufer zu ziehen, wodurch sie wieder frei wurden. Bei dem Vor-dringen der Franken vom niedern Rhein nach Süden verbreiteten sich die Friesen auch überdie Inseln, die durch die Mündungen des Rhein, der Maas und der Schelde gebildet wer-den. In dem Küstenlands zwischen der Ems und Weser wurde der Name der Friesen wolnicht durch Einwanderung sondern dadurch herrschend, daß stammverwandte Chauken ihn«»nahmen, die sich nicht dem Bunde der Sachsen anschlossen. Ebenso wenig scheint der frie-sische Name nach dem westlichen Küstenstrich von Schleswig, wo von der Eyder bis Tondernund auf den vorliegenden Inseln (namentlich Nordstrand, Föhr, Sylt) die Nord friesen(auch Strandfriesen) wohnten, durch Einwanderung gekommen zu sein, sondern vielmehr einzurückgebliebener Nest stammverwandter Angeln ihn angenommen zu haben. (S. Schles-wig.) Bei den südwestlichen Friesen faßte zuerst die fränk. Oberherrschaft Fuß durch Pipinvon Herstall, der 68!> über den fries. Fürsten Ratbod bei Dorstcd siegte, und mit ihr dasChristenthum, für welches bald das Bisthum Utrecht die Pflanzstätte wurde. Sie verbrei-tete sich bis zur.Assel und zum Fly, dem später durch Sturmfluten immer mehr vergrößer-ten Ausgang der Zuydersee, dann durch Karl Martell, der den Friesenhcrzog Poppo 734 inder Schlacht tödtete, vom Fly bis zum Lauwers oder Laubach, wo nun Bonifaciu s (s.d.)das Christenthum predigte, und von da über die Ems bis zur Weser, wo die östlicher» Stämmean den Kriegen der Sachsen Theil nahmen/ durch Karl den Großen, der 785 dem heil. Lind-gar die Bekehrung übertrug und 8N2 das Friesische Recht (s. d.) aufzeichnen ließ. Gra-fen wurden eingesetzt, in späterer Zeit auch wegen der Raubzüge der Normannen eineGrenz-grafschaft (Ilucatns b>es!se) gebildet. Am tiefsten wurzelten die fränk. Einrichtungen undschon früh bei den zuerst unterworfenen südwestlichen Friesen, sodaß deren Eigenthümlichkcitüberhaupt ihre alte Verfassung und auch ihre Sprache hier, wo die niederländische sich bil-dete, verschwand. Hier entstand auch zuerst Landeshoheit im l<>. und 11. Jahrh., in den erb-lichen Grafschaften Holland und Seeland, Geldern mit Zütphen, und in dem Stift Utrechtmit Assel. Mit Holland wurde das Land von Alkmar und Hoorn bis zum Fly (Wcstfries-land, Erbfriesland) nach schweren Kriegen erst im 13. Jahrh. durch eine Kapitulation ver-einigt. Bis dahin hatte es zu dem Bunde der sieben Seclande gehört, welcher die verschiede-nen Stämme der freien Friesen, nachdem die Gewalt der fränk. Grafen erloschen war, biszur Weser zu einem Ganzen vereinte. Adel und freie Bauern bildeten die Landgemeinden,deren auf ein Jahr gewählte Richter die Gemeinden der Gaue, in welche die Seelande zcr-

4 !*

»-.7 Z