Friedrich Franz (Mecklenb.-Schwerin) Friedrich Günther 639
welcher er die beiden Prinzen K a r l (s. d.) und W i l h e l m (s. d.) zeugte. Mit allem Feuer,das die Uuterdrückung Deutschlands und seines Vaters unglückliches Schicksal in ihm ent-flammte, nahm er 1806 an dem Kriege gegen Frankreich Theil, zuletzt bei demBlücher'schenCorps, mit dem er bei Lübeck gefangen wurde. Nach seines Vaters Tode, am 10. Nov.1806, würde er, da sein ältester Bruder im Sept. 1806 kinderlos verstorben war und seinebeiden andern nicht verheiratheten Brüder wegen unheilbarer Blindheit auf die Negierungverzichtet hatten, zur Nachfolge in der Regierung gelangt sein, hätte nicht Napoleon's Macht-spruch ihn seines Erbes verlustig erklärt. Nach dem tilsiter Frieden lebte er zu Bruchsal, woim Apr. 1808 seine Gemahlin starb. Beim Ausbruche des Kriegs gegen Ostreich im I.1809 warb er in Böhmen ein Freicorps. Bereits war Schill in Stralsund untergegangen,als der Herzog in Sachsen einfiel; doch der König von Westfalen nöthigteihn, mit seinenSchwarzen Husaren Dresden und Leipzig zu räumen, worauf er sich nebst dem östr. GeneralAm Ende von Dresden seitwärts nach Franken zu zog, wohin die Östreicher unter Kien-mayer aus Böhmen vorgcdrungen waren. Nach dem Waffenstillstände von Znaim am 12.Juli >809 rückte er, indem er dem Bündnisse des östr. Kaisers entsagte, mit seinem 1500 M.starken Corps, worunter 700 M. Cavalerie, von Altenburg gegen Leipzig vor. Nach einemkleinen Gefechte daselbst setzte er seinen Marsch über Halle nach Halbcrstadt fort, wo er denwestfäl. Oberst Wellingerode mit dem fünften Infanterieregiment schlug und denselben ge-fangen nahm. Hierauf wendete er sich nach Braunschweig, in dessen Nähe, bei dem DorfeOlper, er am I. Aug. ein siegreiches Gefecht mit 4000 M. Westfalen unter dem GeneralReubcl bestand, und dann über Hannover nach Nienburg, wo er über die Weser setzte. Am-t. Aug. kam er zu Hoya an und eilte nun auf dem linken Weserufer weiter, während einTheil seines Corps, um eine Demonstration zu machen, nach Bremen sich wendete. Am 5.Aug. rückten in der That die Schwarzen Husaren in Bremen ein, das sie aber schon am fol-genden Tage wieder verließen. DcrHerzog hatte inzwischen seinen Marsch durch das Olden-burgische fortgesetzt und die Nacht vom 5. auf den 6. Aug. zu Delmenhorst zugebracht, undes schien, als ob er Ostfriesland zu erreichen suche, um sich dort einzuschiffen. Unvermuthetaber ging er bei Huntebrück über die in die Weser sich ergießende Hunte und bemächtigte sichaller zu Elsfleth meist leer liegenden Handelsschiffe und Weserfahrzeuge. Am 7. Morgensging er, nachdem er sich die nöthigen Seeleute mit Gewalt verschafft hatte, mit aufgezogenerengl. Flagge, unter Segel, und schon am 8. landete er auf Helgoland, von wo er am 11. mitseinem Corps nach England absegelte. In England wurde der Herzog mit seinem Corps,welches sogleich in engl. Dienste überging und später in Portugal und Spanien verwendetwurde, mit der lebhaftesten Theilnahme ausgenommen. Er erhielt vom Parlament eine jähr-liche Pension von 6000 Pf. St., die er bis zur Rückkehr in seine Erbstaaten, welche am 22.Dec. 1813 erfolgte, bezog. Nach seinem Regierungsantritte wollte er das Gute mit reinemWillen; aber er wollte es zu schnell, übersah deshalb die gewohnten Formen, stieß überallan und erfüllte so keineswegs die Erwartungen, mit denen man ihn ausgenommen hatte,indem namentlich seine Vorliebe für das Militair die schon ohnedies beklagenswcrthen Finan-zen des Staats vollends zerrüttete. (S. Braunsch'weig.) Als die Ereignisse von 1815ihn von neuem ins Feld riefen, starb er in der Schlacht bei Quatrebras (s. d.) am 16.Juni 1815 den Heldentod. Ihm folgte unter engl. Vormundschaft sein Sohn Karl (s. d.).
Friedrich Franz, Großherzog von Mecklenburg-Schwerin seit 18-12, geb. am 28.Febr. 1823, ist der Sohn des Großherzogs Paul Friedrich mit der Prinzessin Alexandrinevon Preußen, geb. am 23. Febr. 1804. Nachdem er unter der Aufsicht der Altern durchPrivatlehrer vorbereitet worden war, erhielt er seit 1838 in dem Blochmann'schen Institutzu Dresden seine weitere Ausbildung und bezog dann die Universität zu Bonn. Hier ver-weilte er noch, als der frühe Tod seines Vaters am 7. März 1842 ihn an die Regierungbrachte, der er sich, im richtigen Gefühle der ihm auferlegten Pflichten, mit Ernst unterzog.(S. Mecklenburg- Schwerin.) DerHerzog hat noch einen Bruder, den Prinzen Wil-helm, geb. 1827, und eine Schwester, die Prinzessin Luise, geb. 1824.
Friedrich Günther, Fürst zu Schwarzburg-Rudolstadt seit 1807, geb. am 6. Nov.1793, der Sohn des regierenden Fürsten Ludwig Friedrich mit der Prinzessin Karoline vonHessen-Homburg, verlor bereits am 28. Apr. 1807 seinen trefflichen Vater, der, wie er im