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Friedrich der Gebissene
kräftigsten Maßregeln zur Sicherstellung des Vaterlandes, wobei er stets ganz Deutsch,land im Auge behielt; er erweiterte die provinzialstrndische Verfassung durch die Errichtungvon Ausschüssen, gewährte der Presse eine freiere Bewegung und befreite die rhein. Gerichts-Verfassung von manchen Einschränkungen. Konnten alle diese und viele andere wohlthätigeHandlungen des Königs nur mit der ungetheiltesten und allgemeinsten Freude in ganzDeutschland ausgenommen werden, so sind freilich andere von verschiedenen Gesichtspunk,ten aus abweichend beurtheilt worden. So namentlich die Einführung einer strengem Sonn-tagsfeier, der freiere Spielraum, welcher den Altlutheranern und andern Separatisten zuTheil wurde, die Schlichtung der Differenzen mit dem Papste wegen des Erzbischofs vonKöln, die Amtsentsetzung Bruno Bauer's und die Suspcndirung Braun's und Achterftld'svon ihren Lehrämtern, das Hinausrückcn der Hoffnung auf eine reichsständische Verfassung,die Begünstigung des Adels und die Einführung von Majoraten. Man siebt, es ist seit 1849ein neues Element in die Zeit gekommen, dem zunächst ein Zustand des Schwankens undder Gährung folgte, der sich erst ausgleichen und läutern muß, dessen Fortgang man aber mitVertrauen entgegensetzen kann, da der König bei seiner Vorliebe für die ehrwürdigen For-men der german. Vorzeit, jeder geistigen Ansicht das Recht gönnt, innerhalb gewisser Schran-ken sich selbst aus sich heraus zu entwickeln. (S. Preuß en.) Seine Verbindungen mildeneurop. Großmächten befestigte der König durch wiederholtes Zusammentreffen mit dem Kai-ser Nikolaus von Rußland und durch die Reise nach England im Jan. 1842, wo er den Prin-zen von Wales aus der Taufe hob. Vermählt ist er seit dem 29. Nov. 1823 mit der Prin-zessin Elisabeth von Baiern, geb. am 13. Nov. 18VI, der Zwillingsschwester der Gemahlindes Prinzen Johann von Sachsen; doch ist seine Ehe bis jetzt kinderlos geblieben. Seinpräsumtiver Thronfolger ist der Prinz von Preußen, Wilhelm, geb. am 22. März 1797.
Friedrich der Gebissene, oder mit der gebissenen Wange, auch derFreudige genannt, Markgraf zu Meißen und Landgraf in Thüringen, 1291—1321,geb. um 1256, der Bruder Diezmann's (s. d.), war der Sohn Alb recht des Un-artigen (s. d.), Landgrafen in Thüringen, und Margaretha's, der Tochter Kaiser Fried-rich's II- Als seine Mutter floh, soll sie beim Abschiede, im heftigsten Ausbruch des Schmer-zes , ihn in den Backen gebissen haben. Nebst seinem Bruder wurde er von Dietrich demWeisen, Markgrafen von Meißen und der Lausitz, dem Bruder seines Vaters, erzogenIm Kriege mit seinem Vater, der ihn von der Erbfolge in Thüringen ausschließen wollte,wurde er gefangen genommen und mußte ein Jahr aus der Wartburg zubringcn, bis ihneinige ihm treu ergebene Ritter mit Gewalt befreiten. Hierdurch ward er verhindert, derEinladung der Italiener zu folgen und seine Ansprüche als Sprößling der Hohenstaufen aufNeapel und Sicilien gegen Karl von Anjou geltend zu machen. Als er und sein Bruder,nach dem Absterben Dietrich des Weisen, im 1.1282, und seines Sohns, Friedrich desStammlers, im I. 1291, dessen Länder erhielten, kam es von neuem zwischen dem Vaterund den Söhnen zum Kriege, die den erstern gefangen nahmen und nur auf Kaiser RudolfsVermittelung freigaben. Als hierauf der Vater aus Rache ganz Thüringen an Adolf vonNassau verkaufte, sahen sic sich zum Kampfe gegen diesen genöthigt, und als derselbe > 298gefallen, gegen den Nachfolger Albrecht I., über dessen Heer sie am 31. Mai 1397 beiLucka einen vollständigen Sieg davontrugen. Nach Albrecht's Ermordung im I. 1398 un-terwarfen sich F. die von jenem besetzten Orte, namentlich Eisenach, von neuem, und da nachseines Bruders Ermordung gegen Ende des 1.1397 ihm dessen Landesantheil zugefallen war,so war er nun Markgraf von Meißen und der Lausitz und Landgraf in Thüringen. Auch ver-einigte er die Reichsstädte Altenburg, Chemnitz und Zwickau mit seinem Lande, in welchemer 1399 einen allgemeinen Frieden anbefehlen ließ, zu dessen Haltung Adel und Bürgersich eidlich verbindlich machten. Im Kriege mit dem Markgrafen Otto von Brandenburgwurde er bei Großenhain gefangen genommen. Seine Freiheit mußte er mit 32999 MartSilber und durch die Abtretung der Niederlausitz erkaufen. Hierauf suchte er in seinen Erb-landen die Ordnung wiederherzustellen, fiel aber 1322 in eine Gemüthskrankheir undstarb zu Eisenach am 17. Nov. 1324. Ihm folgte sein Sohn Friedrich der Ernst-hafte, geb. 1399, gest. 1349; diesem seine Söhne Friedrich der Strenge, geb.