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Friedrich Wilhelm Hl. (König von Preußen)
Podolicn und der Ukraine an Rußland zu genehmigen gezwungen wurde, so brach doch imApr. 1794 unter Kosciuszko und Madalinski ein Aufstand der Polen zur Wiederherstellungihrer Selbständigkeit aus, in welchem anfangs die Russen und auch die Preußen mehrmalsbesiegt wurden, bis endlich Kosciuszko von dem russ. General Fersen am 10. Oct. erst ge-schlagen, dann gefangen, und Praga am 4. Nov. von Suworow erstürmt wurde. Die Folgewar die dritte Theilung oder gänzliche Vernichtung Polens, wobei Preußen alles Land west-lich vom Riemen mit Warschau, im Ganzen 999 IHM. mit l Mill. E. erhielt, welche theilszu den benachbarten Provinzen geschlagen, thcilsmit der Provinz Neuostpreußen vereinigt wur-den. Eine neue Landesvergrößerung, die aber vollkommen rechtlich begründet war, erhielt Preu-ßen durch den Erwerb der fränk. Fürstenthümer Ansbach und Baireuth. Auf dieselben hattees alte Erbansprüche, die noch zuletzt im Frieden zu Teschen 1779 anerkannt worden waren..Am 2. Dec. 1791 trat sie der kinderlose Markgraf Christian Friedrich Karl Alex., den eineHerzensangelegenheit nach England, zog, dem König gegen eine Leibrente von 509009 Fl. ab,und am 28. Jan. erfolgte Preußischerseils die Besitznahme dieser 169 lüM. und 385990 E.umfassenden Länder, welche der König zugleich zur Erneuerung des mit diesen Ländern anPreußen übergehenden Rothen Adlerordens benutzte. Der König starb am 16. Nov. 1797.Zwar hinterließ er den preuß. Staat um 2299 UlM. und 2'/, Mill. Menschen vermehrt, aberdie Ordnung und Festigkeit desselben im Innern sowie das Ansehen und die Würde nachaußen waren erschüttert, und an die Stelle der 72 Mill. im Staatsschätze, die Friedrich 1l. hin-terließ, waren 22 Mill. Schulden getreten. Wohlwollend und nicht ohne Kenntnisse hattederKLnig im Anfänge seiner Negierung durch mehre Beweise von Eroßsinnigkeit und Mildeschöne Hoffnungen erweckt; er suchte die Lasten des Volks zu erleichtern, hob die drückende,nach franz. Art bestehende Regie und somit die allzu große Strenge der Zollverfassung auf,milderte die Militairverhältnisse, unterstützte Landwirthschaft, Gewerbthätigkeit und Han-del, legte viele Kunststraßen an, gründete Bildungsanstaltcn für Militairs und für Chi-rurgen, z. B. das Cadettencorps zu Kalisch und die Pcpiniere zu Berlin, und ließ dasneue Gesetzbuch, daS Friedrich ll. vorbereitet hatte, vollenden (1788) und unter dem Namen„Preußisches Landrecht" 1794 einführen. Aber bald reihte sich an das Gute, was geschah,mancherlei Schlimmes. Denn unkundig der Rcgierungsgeschäste, da Friedrich II. bei Leb-zeiten seinem Nachfolger keine Thcilnahme an denselben gestattet hatte, hingegeben seinenSchwächen und von unfähigen oder betrügerischen Nathgebern, Bischofwerder, Wöllner undLuchesini, verlockt, ließ der König die Geisteshelle, Selbstthätigkeit und Regentensorgfalhsowie vor Allem die politische Weisheit seines großen Vorgängers vermissen. Besonders er-regte das Censurcdict vom 19. Dec. 1788, das alle in- und ausländische Bücher der Beur-theilung besonderer Behörden unterwarf, sowie das von dem pictistischen Wöllner (s. d.)verfaßte Neligionsedict vom 9. Juli 1788, welches den Geistlichen jede Abweichung vomkirchlichen Lehrbegriffe bei Strafe der Absetzung verbot und die Anstcllbarkeit der Geistlichenund Lehrer voy einer Prüfung ihrer Altgläubigkeit abhängig machte, vielseitigen Wider-spruch, worauf eine Verschärfung des Censuredicts vom 5. März 1792 mit der Androhungharter Strafe für die Tadler der Landesgesetze erfolgte, die die Unzufriedenheit gegen die Rath-geber des Königs, von denen dieselbe ausgcgangen war, nur noch steigerte. (S. Preußen.)Des Königs erste Gemahlin war Elisabeth Christine Ulrike, Prinzessin von Braunschweig;nachdem er sich 1769 von ihr getrennt hatte, vermählte er sich mit der Prinzessin Luise vonHessen-Darmstadt, gest. 1895, die ihm folgende Söhne gebar: Friedrich Wilhelm III.(s. d.), seinen Nachfolger; den Prinzen Ludwig, gest. 1796; den Prinzen Heinrich, geb.30. Nov. 1781, der gegenwärtig in Nom lebt, und den Prinzen Wilhelm (s. d.).
Friedrich Wilhelm Hl., König von Preußen, 1797 — 1349, ältester Sohn Fried-rich Wilhelm's II. und der Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt, ward am 3. Aug. 1779geboren. Die Sorge für seine Erziehung theiltc in früherer Zeit die Mutter mit seinem Groß-oheim, Friedrich II. Sein nachmaliger Erzieher war der Graf Karl Adolf von Brühl alserster Gouverneur. Früh schon zeigte F. viele geistige Anlagen, ein vortreffliches EemüthUnd besonders jene Kraft des Charakters, die er in der Folge in den harten Prüfungeüdes Unglücks behauptet hat. Er ward nicht blos militairisch sondern zugleich populair er-zogen ; frühzeitig lernte er sich andern Ständen nähern. Im Aug. 1791 begleitete er als