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5 (1845) Entführung bis Gebläse
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Friedrich Wilhelm ll. (König von Preußen) ^

die Trefflichkeit der christlichen Moral sehr hoch. Bei seiner gänzlichen Unbekanntschaft mit 'der deutschen geistigen Bildung achtete er diese gering und trug selbst nichts zu ihrer Vervoll-kommnung bei. Jndeß muß man hierbei bedenken, daß die deutsche Literatur, als F. diesranz. Bildung annahm, auf einer noch gar nieder» Stufe stand; F.'s Geist konnte sich in denpedantischen Formen der deutschen Wissenschaft nicht gefallen, und als ein höherer Geist überdiese kam, war der vielbeschäftigte König in seinem Kreise schon zu einheimisch, als daß er ,für jenen noch hätte empfänglich werden können. F.'s Regierung war eine Sclbstregierung,und die Folgen derselben zeigten sich am nachtheiligsten in der Civiladministration, die immermehr zur Maschine ward. Sich selbst genug, kannte er keinen Staatsrath, was in einererblichen Selbstherrschaft unvermeidlich dahin führen muß, daß der Geist eines Herrschers sichselbst überlebt. Die Stärke des Staats, die in der Nation und in der Verwaltung liegt, saher blos in seiner Armee und in seinem Schatze. Nirgend konnte daher die Scheidewand zwi-schen dem Civil - und Militairstande so stark werden als in der preuß. Monarchie, was aller-dings der Erstarkung des Staatsgebäudes nachtheilig werden mußte. Aber was allen Tadel,alle Fehler und Mängel des großen Mannes überstrahlt: er betrachtete sich nur als den er-sten Diener des Staats, und der große Gedanke seines Lebens war:Als König denken,leben, sterben." Seine hinterlassenen prosaischen Werke betreffen vorzüglich Geschichte,Staatswissenschaft, Kriegswiffenschaft, Philosophie und Literatur überhaupt. Seinesämmtlichen Schriften sind enthalten in den SammlungenOeuvres publ. <lu vivant del'anteur" (4 Bde., Berl. 1789);Oeuvres postbumes de V." (15 Bde., Berl. 1788 und2 Supplementbde., 1789); vollständiger und kritischer in denOeuvres cnmpletes"

(20 Bde., Hamb, und Lp;. >790 und 24 Bde., Potsd. I8V5). Ins Deutsche wurdensie übersetzt von Biester, Zöllner, Sander u. A. (19 Bde., Berl. 1789). DieOeuvresdistorigues de V. le Orund" (4 Bde., Lpz. 1830) enthalten dieIllemoires j>our servir »l'kistoire de örsndenbour^", diellistoire de mou temps", diellistoire de In guerrede sept sns", dieHlemoires depuis la paix de Hubsrtsbourg 1763, jusgu'ä In tm tlnpsrtsge de la kologne" und dieIllemoires de In Auerre de 1778". Eine neue große voll-ständige und prachtvolle Ausgabe der Werke F.'s läßt der König von Preußen, FriedrichWilhelm IV., durch die Akademie veranstalten. Vgl. Dohm,Denkwürdigkeiten meiner j

. Zeit" (5 Bde., Lemgo l 814 l 9), Kolb,das Leben F. des Einzigen" (4 Bde., Spcier j

und Lpz. 1828), Pagenel,Uistoirs de Lf Is Orund" (2 Bde., Par. 1830), Doxer, ,

Idle ok V. tbe second" (Lond. 1832; 2. Aust., 1833); die Schriften von Preuß (s. d.) '

und F. Förster,Leben und Thaten F. des Großen" (2 Bde., 2. Aust., Meiß. 1842). !

Friedrich Wilhelm II., König von Preußen, 178697, geb. 1744, war der Bru-derssohn und Nachfolger Friedrich' s 11. (s. d.). Sein Vater, August Wilhelm, zweiterSohn Friedrich Wilhelm's I., befehligte 17 5 7 auf dem Rückzuge nach der Schlacht bei Col- ^lin ein preuß. Armeecorps in Böhmen und der Lausitz, aber nicht mit Glück, weshalb er dieUngunst Friedrich's II. erfuhr, und starb bald darauf 1758. Nach seinem Tode wurde derSohn von seinem Oheim, Friedrich II., als Prinz von Preußen zum Kronprinzen erklärt.

Der junge Prinz, von kräftigem und schöngebautem Körper, überließ sich bald einer Lebens-weise, welche der Oheim misbilligte und welche Beide eine lange Reihe von Jahren hindurchvoneinander entfernte. Doch äußerte Friedrich II. seine Zufriedenheit mit dem Kronprinzen,als er im bair. Erbfolgekricge 1778 bei Neustädte! in Schlesien einen Beweis persönlicherTapferkeit gegeben hatte. Sein Regierungsantritt fand unter günstigen Umständen statt.Preußen war in keinen Kampfmit äußernFeinden verwickelt, es hatte sogar durch Friedrich'sll.Politik in der letzten Zeit seines Lebens eine Art von schiedsrichterlichem Einfluß auf die An-gelegenheiten Europas gewonnen, der Staatsschatz war gefüllt und das Heer in einem ach-tunggebietenden Zustande. Doch bald ging durch politische Misgriffe der Credit bei den aus-wärtigen Cabineten verloren, und durch unnütze Kriege und den Aufwand der Lieblingewurde der geerbte Schatz verschleudert. Die erste Theilnahme F.'s an auswärtigen Angele-genheiten bestand darin, daß er 1787 eine Armee unter dem Herzoge Karl Wilhelm Ferdi-nand von Braunschwcig nach Holland schickte, wo die Patrioten, die antioranische Partei,den Erbstatthalter, der sich durch sein offenes Trachten nach monarchischer Gewalt verhaßtgemacht hatte, vertrieben und dessen Gemahlin, die Schwester des Königs, bei ihrer Reise