Druckschrift 
5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
Seite
621
Einzelbild herunterladen
 

621

Friedrich ll. (König von Preußen)

6 Mill. auf 3515 mM. Zu dieser Größe erhob er während seiner Negierung den preuß.Staat durch seine großen Regenten - und Feldherrntalente, im Felde und im Cabinet durchviele ausgezeichnete Männer unterstützt. Ein Heer von 70000 M. hatte sein Vater, in derErwartung eines Kriegs wegen der jülichschen Erbfolge, schon immer schlagfertig gehalten.Welchen Gebrauch er von diesem Heere zu machen gedenke, zeigte F. gleich anfangs im klei-nen, als er den Fürstbischof von Lüttich, der über die Preußen gehörige Herrschaft Heristallsich Hoheitsrechte anmaßte, nach vergeblicher Auffoderung, durch Entsendung eines kleinenTruppencorps zur Entsagung seiner vermeintlichen Rechte zwang. F., der schon große Hoff-nungen von sich erregt hatte, behielt größtenteils die Einrichtungen und Staatsgrundsätzeseines Vaters bei, gab aber denselben mehr Aufschwung und Leben. Gleich zu Anfänge er-hob er die unrechtmäßigerweise Zurückgesetzten, entließ unnütze Große, löste das kostspie-lige Potsdamer Grenadierregiment auf, verkaufte in der damaligen Theurung das in denköniglichen Magazinen aufgehäufte Getreide ganz billig, sorgte für eine unparteiische, schnelleRechtspflege, schaffte die Folter ab, gestattete Jedermann freien Zutritt-zu sich, gestandZedem Glaubens - und Denkfreiheit zu und gestattete politische Freimüthigkeit in Schriftund Wort. Der Tod des Kaisers Karl's VI. bald nach seinem Regierungsantritt war ein gün-stiger Augenblick, den F. benutzte, um die Rechte des Hauses Brandenburg auf die schles.Fürstenthümer Jägerndorf, Liegnitz, Brieg und Wohlau, deren Belehnung seine Vor-fahren nicht hatten erlangen können, geltend zu machen. Gleichzeitig mit seinen Ansprüchenund Friedensvorschlägen, die er der Königin Maria Theresia vorlegte, drang er im Der.1740 mit einer Armee von 30000 M. in Niederschlesien ein, eroberte, da Maria Theresiaseine Federungen wegwerfend abwies, mit Ausnahme der drei Festungen Glogau, Briegund Neisse, bis zum Jan. I74l ganz Schlesien und erzwang nach Einnahme der drei ge-nannten Festungen und durch die Siege bei Mollwitz am l O.Apr. 1741 und bei Chotusitz un-weit Czaslau, am 17. Mai 17 42, den Frieden von Breslau, am 11. Juni 1742, demzufolgeOber- und Niederschlesien bis an die Oppa nebst der Grafschaft Glatz, mit der daraus haf-tenden Schuld von 1,700000 Thlrn. von Ostreich an F. abgetreten wurde. Die hierauffolgende Zeit des Friedens benutzte F. sogleich, um das neueroberte Land, welches zwardurch den Krieg vielfach gelitten hatte, aber durch das leutselige Betragen, die gerechte Mildeund aufrichtige Glaubenstoleranz seines Regenten schon ganz für ihn gewonnen war, zuordnen, zweckmäßig einzurichten und zu neuem Wohlstände zu erheben. Um dieselbe Zeitnahm F., auf die vom Kaiser Leopold 1694 für sein Haus erhaltene Anwartschaft gestützt,Besitz von Ostfriesland, als der Fürstenstamm dieses Landes 1744 ausstarb. Jndeß riefoas zu Worms am 23. Sept. 1743 zwischen Ostreich, Großbritannien, Sardinien undSachsen zur Gewährleistung der durch die pragmatische Sanction Maria Theresia zuge-theilten Länder geschloffene Bündniß, welches F. auch als gegen sich gerichtet ansehen mußte,ihn aufs neue zum Kriege für die Vcrtheidigung von Schlesien auf. Demnach verband ersich insgeheim mit Frankreich und schloß mit dem Kaiser, mit Pfalz und Hessen-Kassel am22. Mai 1744 zum Schutze des erster» und seiner Erblande die Frankfurter Union undbrach im Aug. 1744 mit 80000 M. in Böhmen ein, nahm Prag durch Kapitulation undsiegte, obgleich hiernächst aus Böhmen zurückgedrängt, in den Schlachten bei Hohenfricde-berg, am 4. Juni 1745, bei Sorr, am 30. Sept., bei Hennersdorf, am23. Nov., und endlichbei Kesselsdorf, am l 5. Dec., über die Östreicher und Sachsen, sodaß Ostreich nichts übrigblieb,als den Frieden zuDresden, am25.Dec. 1745, zu schließen und durch denselben F. aufs neueden Besitz von Schlesien zu bestätigen. Braunschweig, Kassel, die Pfalz und Sachsen,welches letztere an F. eine Mill. Thlr. zahlen mußte, wurden in den Frieden mit eingc-schlossen und garantirten dem Könige den Besitz Schlesiens. (S.SchlesischeKriege, Erb-folgekrieg, östr.). Während der nun folgenden elf friedlichen Jahre wendete F. seine ganzeSorge auf die Verbesserung der Staatsverwaltung und die Förderung des allgemeinenWohlstandes, sowie auf die Organisirung und Ausbildung seines Kriegsheers, ohne dabei dasStudium der Dichtkunst und der Wissenschaften aus den Augen zu lassen. Unter andern schrieber in dieser Zeit dieNewoires pour rervir s I'bistoire <Is 8rsn<1enbourg" (2 Bde., Becl.1751) und das Gedicht1,'art cle la gusrre", sowie viele andere poetische und prosaischeAussätze, er erneuerte die Akademie der Wissenschaften, legte den Kanal von Plauen an,