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Friedrich kl. (König von Preußen)
auch durch Anlegung von Festungen für die Verteidigung des Staats; Magdeburg,Stettin, Wesel und Memel wurden unter ihm befestigt. Er war ein tüchtiger Staatswirth.Während er selbst in seiner Lebensweise die größte Sparsamkeit und Einfachheit beobach-tete, brachte er zugleich in die Finanzen des Staats die schönste Ordnung, bezahlte diesämmtlichen Schulden seines Vaters, steigerte die Einkünfte seines Landes auf 7,400000Thlr. und hinterlicß einen Staatsschatz von neun Mill.Thlr. Zu bestimmten Zeiten reiste erin den Provinzen des Landes umher, prüfte die Wirtschaften auf seinen Domainen und dieihm vorgelegten Rechnungen und schalt heftig und strafte, wenn er seine Diener aufUntreueoder Fahrlässigkeit ertappte. Trotz seiner Sparsamkeit scheute er keinen Aufwand, sobald esgalt, die materiellen Interessen des Staats zu fördern. So suchte er durch.Begünstigungenaller Art Ackerbau, Gewerbe, besonders die Wollenmanufacturen und den Handel zu heben;er nahm bereitwillig die salzburger Ausgewanderten und die aus Polen vertriebenen Dissi-denten auf, um die durch Seuche und Krieg cntyölkerte und verwüstete Gegend Preußenswieder zu bevölkern, vermehrte die Friedrichsstadt in Berlin um beinahe 1000 Häuser, stif-tete das Lollegium meciico-ciururAieum, die Oksrite, das Findelhaus und das Cadettenhausin Berlin und das Waisenhaffs in Potsdam und begründete namentlich viele Dorfschulen.Dagegen hob er die von seinem Vater gestiftete Akademie der bildenden Künste zu Berlinals unnütz wieder auf; auch die Akademie der Wissenschaften verdankte ihre Rettung nurdem Umstande, daß man ihm vorstellte, wie durch sie Wundärzte für sein Heer gebildet wür-den. Er verbesserte das Justizwesen, verbot die Hcxenprocesse und die Verschleifung derProcesse und widmete den kirchlichen Angelegenheiten seines Volks, obgleich nicht ohnegewaltsame und willkürliche Eingriffe, große Sorgfalt. In seinem Charakter hatte er viele' Eigenheiten. Bei seinem Jähzorne und seinem Hange zur Willkür und Gewaltsämkeit, wo-von am meisten seine Gemahlin Sophie Dorothea, eine hannov. Prinzessin, und sein ältesterSohn zu leiden hatten, gab er doch sehr oft herrliche Beweise seines klaren, gesundenUrtheilsund seiner Gerechtigkeitsliebe. Er war im Innersten seines Herzens ein echter Republikaner,wie er denn mehr als einmal die Absicht hatte, sein Leben als freier Privatmann in der Re-publik Holland zu beschließen. Seine Politik war wahr und offen, Diplomatisiren war ihm einGreuel. Besonders aber haßte er die Franzosen und franz. Wesen. In Religionssachen warer streng orthodox, ohne Meinung und Urtheil, gläubig ohne Widerrede, aber für freie Gei-stesbildung hatte er keinen Sinn und seine Ansicht von religiösen Dingen, verlangte er, soll-ten auch Andere unbedingt theilen, wie er denn z. B. den lutherischen Geistlichen in seinemStaate die reformirte Kirchenordnung gebieterisch aufdrang und die Union der beiden prote-stantischen Kirchen anbefahl. Dem Ritter- und Lehnswesen des Adels, den er überhaupt nichtsehr bevorzugte, machte er ein Ende und führte statt der persönlichen Leibeigenschaft die Erbun-terthänigkeit ein. Seine Erholung und Freude fand er an Truppenmusterungen, der Jagd,Puppenkomödie und an der Abendgesellschaft, die er sein Tabackscollegium nannte, die meistvon Abends 5 Uhr bis gegen Mitternacht dauerte, und an der Vornehme und Geringe, je nachdem Grade ihrer geselligen Brauchbarkeit, bei einem Glase Bier und einer Pfeife TabackTheil nehmen durften. Außer Friedrich II. (s.d.), seinem Nachfolger, hinterließ er folgendeSöhne: August Wilh., der Vater des Königs Friedrich Wilhelm's !!., geb. 1722, gest.>758; Heinrich, geb. 1726, gest. 1802; Ferdinand, geb. 1730, gest. 1813. Vgl. Mor-genstern, „Über Friedrich Wilhelm I." (Braunschw. 1793) und F. Förster, „GeschichteFriedrich Wilhelm's l." (3 Bde., Potsd. 1834—35).
Friedrich kl., König von Preußen, 1740 — 86, der Große, auch der Einzigeund von seinen Zeitgenossen nur der König genannt, war am 24. Jan. 1712 geboren,ein Sohn Friedrich'Wilhelm's l. und der hannöv. Prinzessin Sophie Dorothea. Seine ersteJugend verlebte er unter dem Drucke einer harten, blos auf militairische Übungen berechne-ten Erziehung, deren Art und Weise der König selbst für den Prinzen aufs speciellste vorge-schrieben hatte. Der General Graf von Finkenstein war sein Gouverneur; der Major vonKalkstein sein Unterhofmeister. Trotz des einseitigen, pedantischen Unterrichts, den er ge-noß, und obgleich seine militairische Ausbildung zur Hauptsache gemacht wurde, entwickeltesich doch frühzeitig in ihm die Neigung für Dichtkunst und Musik, besonders durch denEinfluß, welchen seine erste Pflegerin, die geistreiche Frau von Rocoulle und sein frühester