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Friedrich Wilhelm I. (König von Preußen)
« am 25. Fcbr. 1713, wie erzählt wird, aus Schreck über den unvorbereiteten Anblick seineraus ihrem Gewahrsam entkommenen wahnsinnigen dritten Gemahlin, Luise von Mecklen-burg. F. ist von jeher mit den Eigenschaften, die er besaß, mehr ein Gegenstand des Tadelsals des Lobes gewesen. Eitelkeit, rin mächtigerHang zu übertriebener Prachtliebe, verschwen-derische Freigebigkeit gegen zum Theil unwürdige Günstlinge, wie gegen Kolbe, neben Un-dankbarkeit gegen wahrhaft verdiente Männer, wie gegen Dankelmann, und harter Druckseiner Unterthanen durch Steuern und Abgaben sind Schattenzüge, denen natürliche Gut-herzigkeit, Wohlwollen gegen die Unterthanen und unverbrüchliche Treue, patriotische Gesin-nung für die deutsche Sache als Lichtpunkte gegenüberstehcn. Verdient machte er sich durchdie Gründung der Universität zu Halle, durch die Aufnahme mehrer wegen ihrer Freimü-thigkcit und religiösen Denkungsart verfolgten Männer, wie Ehr. Thomasius und Aug.Herm. Francke, durch die Stiftung der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin undder Bildhauer- und Malerakademie daselbst, durch die Erbauung Charlottenburgs, die An-legung neuer Straßen und Kirchen in Berlin und die Errichtung eines AppcllationsgerichtSdaselbst. Wie sein Vater machte auch er sich allenthalben die Beschützung seiner Kirche undseiner Glaubensgenossen zur Gewissenssache, unterstützte auf alle Weise die Colonien derstanz. Refugie's, nahm die aus Bern Ausgewanderten und die durch Ludwig's XIV. Un-duldsamkeit aus dem Fürstenthum Oranien Vertriebenen bei sich auf und überkam nach desKurfürsten von Sachsen, Friedrich August's, Übertritt zur katholischen Kirche in Gemein-schaft mit Hannover der Sache nach, die Leitung des tüorpus Lvangslicorum. Er war drei-mal verheirathet; zuerst mit Elisabeth Henriette, Prinzessin von Hessen-Kassel; dann seit>684 mit Sophie Charlotte, Prinzessin von Hannover, der Schwester des nachherigen Kö-nigs von England, Georg's l., einer Fürstin, höchst ausgezeichnet durch geistige und körper-liche Bildung und Leibnitz's Freundin, die Mutter Friedrich Wilhelm'sl. (s.d.), seinesNachfolgers, und endlich mit Sophie Luise, Tochter des Herzogs von Mecklenburg-GrabowFriedrich Wilhelm!., König von Preußen, 1713—46, der Sohn Friedrich's I.,geb. 1688, wurde in frühester Zeit unter der Aufsicht seiner hochgebildeten Mutter, der Prin-zessin Sophie Charlotte von Hannover, von einer Französin, der geistreichen Frau von Ro-coulle, die später als Marthe Duval berühmt wurde, erzogen, doch konnte dieselbe keinen Ein-fluß auf ihn gewinnen. Der Charakter des Prinzen bildete sich vielmehr erst am Hofe seinesGroßvaters, des Kurfürsten von Hannover, eines kaltblütig gerechten und streng haus-hälterischen Fürsten, und nach seiner Rückkehr in Berlin unter der Leitung des Generalsvon Dohna, eines Mannes, der mit einem strengen, stolzen und befehlshaberischen Weseneine ungemeine Thätigkeit und Ordnungsliebe verband; Eigenschaften, welche auf denPrinzen übergingen, ohne daß es dazu einer strengen Gewöhnung bedurft hätte. Die erstenHeerführer seines Vaters, der Markgraf Philipp und der Fürst von Anhalt, entwickelten desPrinzen zweite vorherrschende Neigung, die zum Militair, und die Bekanntschaft der be-rühmtesten Generale seiner Zeit, des Prinzen Eugen und des Herzogs von Marlborough,welche er in den Niederlanden, bei Gelegenheit seiner Theilnahme an der Belagerung vonDoornik (Tournay) machte, scheint diese Neigung noch vermehrtzu haben. Sogleich nach sei-nem Regierungsantritte, am25.Febr. 1713, beschränkteer den Luxus, welcher bisher amHofe seines Vaters geherrscht hatte. Er verminderte die Zahl der Angestellten, wie er von160 Kammerherren nur acht behielt; er setzte die Gehalte der zu hoch besoldeten Beamtenherab und suchte überhaupt die Finanzen neu zu organisiren. Seine politischen Beziehungenwaren zwar nicht von großer Bedeutung, trugen aber selbst absichtslos dazu bei, PreußensAnsehen und Geltung bei dem Auslande zu bewahren und bei mehren Gelegenheiten demStaate Gebietsvergrößerungen zu verschaffen. So gewann er im utrechter Frieden von 1713von den span. Niederlanden für das abgetretene nassauische Fürstenthum Oranien den größ-ten Theil des Herzogthums Geldern und von Frankreich und Spanien die Anerkennung desKönigstitels und des Besitzes der Fürstenthümer Neufchatel und Valengin. In demselbenJahre nahm er, nach dem Absterben des letzten Grafen Volrad Besitz von der GrafschaftLimburg, auf welche sein Vater vom Kaiser die Anwartschaft erhalten hatte. Im Laufe desnordischen Kriegs, an welchem sein Vater durchaus keinen Antheil genommen hatte, wolltendie Russen und Sachsen, nach der Capitulation des schweb. Generals Steenbock in Tönnin-