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Friedrich Wilhelm (Kurfürst von Brandenburg) j
Reichsfürsten anschlossen. Nur der Kurfürst von Brandenburg lehnte nicht nur den Bei- !tritt zu der Association der genannten Machte entschieden ab, sondern suchte sogar, seiner ge-gen den König von Frankreich eingegangenen Verpflichtung gemäß, wo möglich die friedlicheBeilegung des Streits zwischen dem Reiche und Frankreich zu bewirken und den Fortgangdieser Association auf alle Weise zu hindern. Eine Zeit lang widerstrebten zwar die verbün.beten Mächte den Vorschlägen des Kurfürsten zu einer friedlichen Ausgleichung, da aberLudwig durch keinen Widerstand seiner Gegner, die zum Theil mit den Türken zu thun hat-ten, gehindert, immer größere Eroberungen machte, kam cs unter Vermittelung des Kurfür-sten am l 5. Äug. l 684 zu einem Waffenstillstand mit Frankreich auf 26 Jahre, vermögedessen Ludwig in dem Besitze alles Dessen blieb, was er sich bis zum l.Aug. >681 ange-eignet hatte, Strasburg und die Kehlerschanze mit eingeschlossen. Doch löste das freund-schaftliche Verhältnis, zwischen ihm und Frankreich sich wieder auf, als er >685 nach derAufhebung des Edicts von Nantes, aus Vorliebe für seine Confession, best in Frankreichgrausam verfolgten Reformirten in seinen Staaten einen Zufluchtsort bot, sowie auch dadurch,daß er zur Abwehr der nach dem Aussterben der Simmern'schen Linie des Kurhauses Pfalzan Ludwig XIV. auf die pfälzische Allodialverlaffenschaft erhobenen Ansprüche sein Bünd-niß mit Holland l 685 erneuerte. Diese Mishclligkeitcn in Frankreich veranlaßtcn ihn, sichOstreich wieder zu nähern; noch mehr aber bestimmte ihn hierzu die Hoffnung, für die durchdas Aussterben der plastischen Fürstenlinie 1675 erledigten drei Fürstenthümer Liegniß,Brieg und Wohlau, .die in Folge einer alten Erbverbrüdcrung an Brandenburg hätten fal-len sollen, aber von Ostreich cingezogen worden waren, entschädigt und zugleich in den Be- ^sitz des Fürstenthums Jägerndorf gesetzt zu werden, welches der Kaiser, nachdem er den Für-sten Johann Georg aus dem Hause Brandenburg 1623 in die Acht erklärt, ebenfalls an sichgezogen hatte. Um den Kaiser zur Erfüllung dieser seiner Ansprüche geneigter zu machen,sendete er demselben unter dem General von Schöning zum Kriege in Ungarn 8060 M.,welche sich bei der Belagerung und Erstürmung der alten Hauptstadt Ofen am 2. Sept. 1686auszeichneten. Auch verband er sich in den Verträgen von 1685 und 1686 aufs neue mitdem Kaiser zur Erhaltung und Vertheidigung des Reichs gegen jeden Angreifer. In diesenVerträgen vereinigten sich der Kaiser und der Kurfürst endlich auch über die fehles. Angele-genheit. Zufriedengestellt durch die Abtretung des zu Schlesien gehörigen schwiebusser Krei-ses und einer Geldfodernng auf Ostfriesland, die auf eine Mill. Thlr. angeschlagen, auf240600 Thlr. zusammenschwand, leistete der Kurfürst auf seine Ansprüche an die gefeder-ten vier Fürstenthümer Verzicht. Auch ein anderer Wunsch, die aus Nachgiebigkeit gegenseine zweite Gemahlin, Dorothea, geborene Prinzessin von Holstein-Glücksburg, zu Gunstender mit ihr erzeugten Söhne testamentarisch verfügten Ländertheilung vom Kaiser Leopoldbestätigt zu sehen, blieb zum Besten des Kurstaats unerfüllt. Nach einer langen Regierungstarb der Kurfürst zu Potsdam am 20. Apr. 1688 an der Wassersucht. Ihn preist sein Ur-enkel Friedrich II. als den Vertheidiger und Wiederhersteller seines Landes, als den Schöpferdes Glanzes und Ruhms seines Hauses, und allerdings datirt man mit Recht von seinemRegierungsantritte an die Begründung der nachmaligen Größe und politischen Wichtigkeitdes preuß. Staats. Das Areal des Staats, durch den Kurfürsten um 602 OM. erweitert,betrug bei seinem Tode 2046 OM., ebenso war die durch die Leiden des DreißigjährigenKriegs geminderte Bevölkerung, namentlich durch Begünstigung der Einwanderung erst derHolländer, dann der aus Frankreich vertriebenen Protestanten, von denen sich etwa 21000in dem Kurstaate niederließen, bedeutend wieder gewachsen. Vertheilt über die ganze Ober-fläche-des Staatsgebiets, cultivirten diese Einwanderer eine Menge wüster, unfruchtbarerLandstriche in der Altmark und Priegnitz u.s.w. und machten sich durch Verbreitung bessererMethoden, z. B. der Gärtnerei und des Ackerbaus (Holländereien) und Einführung neuerGewerbe und Industriezweige allenthalben nützlich. Von mittelmäßiger Größe, doch regel-mäßig gebaut, war der Kurfürst einfach in seinem äußern Erscheinen, mäßig im Essen undTrinken, leutselig, wahrhaft fromm und seiner Kirche aufrichtigen Herzens zugethan. Selbstduldsam, litt er in seinem Staate durchaus keine Unduldsamkeit der Religionsparteien unter-einander, und durch eine sorgfältige Erziehung mit mannichfaltigen Kenntnissen ausgestattet, ^sorgte er eifrig für das Gedeihen der Künste und Wissenschaften. Er gründete die Univcr- l