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Friedrich Wilhelm (Kurfürst von Brandenburg)
unmittelbar bcizustehen versprach, sich aber vorbehielt, im Falle eines Angriffs, dem Deut-schen Reiche Hülfe zu leisten. Dieser Fall trat schon 1674 ein, wo der Rcichskrieg gegenFrankreich beschlossen wurde. Die Holländer und Spanier unter dem Prinzen Wilhelm vonOranten, dem auch ein kaiserliches Truppencvrps unter de Souches untergeben war, stelltensich in den Niederlanden gegen den Prinzen Conde, die kaiserlichen und Reichsvölker unterBournonville am Oberrhein gegen Turenne auf. Nachdem in den Schlachten bei Sinzheim,am 16. Juni, und bei Senef in Brabant, am 11. Aug., viel Blut ohne rechte Entscheidunggeflossen war, zog das durch den Zuzug der Brandenburger unter ihrem Kurfürsten bis auf60000 M. verstärkte deutsche Heer über den Rhein und nahm seine Winterquartiere im El-saß, während Turenne sich nach Lothringen zurückzog. Aber gegen Ende des I. 1674 griffTurenne das verbündete Heer unerwartet an, Bournonville veruneinigte sich mit dem Kur-fürsten, und obwol sie in mehren blutigen Gefechten den Feinden überlegen blieben, kehrtendoch im Jan. 1675 Beide über den Rhein zurück, und der Kurfürst bezog Winterquartiere inFranken. Unterdeß hatte König Karl XI. von Schweden, um als Bundesgenosse Frank-reichs den Kurfürsten von der Theilnahme am Kriege gegen letztere Macht abzuziehen, einHeer unter dem Marschall Wrangel aus Pommern in die Mark einrücken und das wehrloseLand besetzen lassen- Durch die zögernden Unterhandlungen, welche derKurfürst durch seinenStatthalter, den Fürsten von Anhalt, mit den Schweden eröffnete, und dessen Unthätigkeitsichergemacht, rückten die Schweden immer weiter vor, verwüsteten das Land und erneuertenalle Greuel des Dreißigjährigen Kriegs. Da rückte der Kurfürst plötzlich 1675 mit seinenTruppen aus Franken in Eilmärschen nach seinen Staaten vor, nahm am 15. Juni Rathe-nau mit Sturm, ereilte am 18. Juni den General Waldemar Wrangel, der seinen Rückzugnach Havelberg zum Feldmarschall bewerkstelligen wollte, beiFehrbcllin und brachte ihm mit5600 Reitern und 13 Geschützen gegen 7000 M. Fußvolk, 4000 Reiter und 38 Geschützeeine solche Niederlage bei, daß das übrige schweb. Heer in ungesäumter Flucht seine Staatenräumte. Während der Kaiser die Schweden in den Reichsbann that, drang der Kurfürst,durch ein Bündniß mit Dänemark verstärkt, noch weiter siegreich vor, eroberte ganz Pom-mern und vertrieb die Schweden auch, als sie aufs neue im Jan. 1679 16000 M. stark vonLiefland her eingefallen waren, in einem glücklichen Winterfeldzuge aus Preußen. Währenddieser Siege des Kurfürsten hatten die mancherlei Unfälle der Armeen am Rhein, noch mehraber die diplomatischen Künste Ludwig's XIV. die kriegführenden Mächte zu Friedensunter-handlungen bestimmt, die sie einzeln, jedes nur aufseinen Vortheil bedacht, Holland am 11.Aug., Spanien am 17. Sept. und der Kaiser am 5. Febr. 1679 zu Nimwegen mit Frank-reich abschlossen. Der Kurfürst, in diesem Frieden unberücksichtigt gelassen und vom Kaiserpreisgegcben, wollte nun, mit Dänemark verbündet, Pommern, den Gewinn seiner Siege,hartnäckig behaupten; allein nach erfolglosen Verhandlungen mit Ludwig XIV. und ebensoerfolglosen Vorstellungen bei dem Kaiser mußte er endlich, da die Franzosen 30000 M.stark feindselig in das Herzogthum Kleve einrückten, der Nothwendigkeit weichen und in denFrieden von St.-Germain en Laye am 29. Juni 1679 einwilligen, demzufolge er alle Ero-berungen an Schweden herausgab, dagegen aber, außer 300000 Kronenthaler Entschädi-gung von Frankreich, die wenigen Örter und Zölle erhielt, welche Schweden seit dem westfäl.Frieden in Hinterpommern besessen hatte. Uneingedenk, wie wenig in den Verträgen zu La-biau, Wehlau und Vossem die Bundestreue dem Staatsinteresse gegenüber ihm gegolten, hegteder Kurfürst über das Fehlschlagen seiner Hoffnungen und Plane, namentlich gegen denKaiser, Kittern Unmuth und brach bei Unterzeichnung der Ratification des Friedens mit Vir-gil's Dido in die Worte aus: „Einst ersteht aus meiner Asche ein Rächer", indem er zugleichzum Texte für die Friedenspredigt den Spruch aus Psalm 118, 8. wählte: „Es ist gut aufden Herrn vertrauen und sich nicht verlassen auf Fürsten."
Als in der Folge Ludwig XIV. durch den Ausspruch jener berüchtigten Reunionskam-mern, welche 1680 ihre Wohnsitze zu Metz, Breisach, Besancon und Doornik aufschlugen,sich das Eigenthumsrecht über eine große Anzahl zum Deutschen Reiche gehöriger Land-schaften und Städte anmaßte und mit gewaffneter Hand mitten im Frieden sich in Besitz der-selben setzte, brachte der Prinz Wilhelm von Oranien einen Bund zwischen den Generalstaa-ten und Schweden zu Stande, welchem sich auch der Kaiser und alle bedeutender« deutschen