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Friedrich Wilhelm (Kurfürst von Brandenburg)
strators, des Prinzen August von Sachsen, als Herzogthum versprochen wurde. SeinerGlaubensgenossen, der Reformirten, nahm sich F. bei den westfäl. Friedensunterhandlungenebenso dringend als seines politischen Privatinteresses an und brachte es dahin, daß dieselbengleiche Rechte mit den Protestanten erhielten. Nach dem Friedensschlüsse war die Haupt-aufgabe, die er zu lösen strebte, die Bildung eines stehenden Heers, um bei einem künftig aus-brechenden Kriege nicht wieder, wie im Dreißigjährigen Kriege, wehrlos dem eindringendenFeinde preisgegcben zu sein. Zu diesem Zwecke beförderte er die Wiederbcvölkerung des Kur-staats mittels Einwanderungen aus Holland, drang bei den Ständen auf bleibende Bewilli-gung der Accise und auf die Einführung sogenannter Ritterpferde und brachte, nach solchenVorbereitungen, innerhalb zehn Jahre, sein Heer, indem er die Organisation des schwedischenzum Muster nahm, durch die rastlosen Bemühungen seiner Generale Georg von Dersflin-ger (s. d.), Herzog von Schömberg, Otto von Sparr und Christoph von Kannenberg aufdie Höhe von 25000 M. Die erste Anwendung dieses noch im Anfänge seiner Entwicke-lung begriffenen Heers machte der Kurfürst mit Erfolg gegen den Herzog von Pfalz-Neu-bürg, der in den vermöge Vergleichs mit Brandenburg vom I. 1647 erhaltenen LändernJülich, Berg und Ravenstein 1650 die dort gewährleistete Religionsfreiheit brach und dieProtestanten hart verfolgte. Bald hernach wurde der Kurfürst in den Krieg, welchen 1655Schweden mit dem Polenkönig Johann Kasimir führte, verwickelt, indem ihn der König vonSchweden, Karl Gustav, zwang, auf seine Seite zu treten und, nach der Eroberung des größ-ten Theils von Polen, das Hcrzogthum Preußen von ihm zur Lehen zu nehmen. Bald dar-auf rückte zwar Johann Kasimir an der Spitze eines Nationalheers gegen die Schweden insFeld, diese aber und die Brandenburger erkämpften in der dreitägigen Schlacht bei War-schau, am 28.—30. Juli 1656, einen blutigen Sieg. Zum Lohne für seinen Antheil daranerlangte der Kurfürst in einem zu Labiau geschlossenen Vertrage die Aufhebung der Lehns-abhängigkeit des Herzogthums Preußen von Schweden. Als aber 1657 der Kaiser des be-drängten Polenkönigs sich annahm und auch Dänemark, um bei dieser Gelegenheit von denim letzten Friedensschlüsse erlittenen Verlusten sich zu erholen, Schweden den Krieg erklärte,verließ der Kurfürst die Partei des letztem und verbündete sich am lO.Sept. zu Wehlau mitdem Könige von Polen, der ihm dafür die Souverainekät Preußens gewährte, und schloß sichauch, am 10. Nov., aus Furcht vor der Rache Karl Gustav's für seinen Abfall, dem engemBündnisse an, in welches Polen, Dänemark und Holland zum Schutz und Trutz gegenSchweden miteinander traten. Karl Gustav's plötzlicher Tod befreite ihn von dieser Rache, undin dem hierauf zu Oliva 1660 zwischen den kriegführenden Mächten geschlossenen Friedenerhielt der Kurfürst die Bestätigung der Souverainetät des Herzogthums Preußen. DieStände Preußens aber, mit der Aufhebung des Lehnsverhältnisses zu Polen unzufriedenund der festen Meinung, durch dieselbe die Gewährleistung ihrer Privilegien und Rechte ver-loren zu haben, verweigerten den Huldigungseid, vor allen die Stadt Königsberg mit ihremcharakterfesten Bürgermeister Hieronymus Rhode, und es bedurfte, nach der Fruchtlosigkeitgütlicher Verhandlungen, endlich strengerer Maßregeln, z. B. die Anlegung der FestungFriedrichsburg zu Königsberg, um die Stände endlich 1662 zur Huldigungslcistung zu be-wegen. In ähnlicher Weise wußte der Kurfürst 1666 auch die Huldigung der Stadt Magde-burg, die bei dem Übergehen des Erzbisthums in des Kurfürsten Hände ihre reichsstädtischenRechte behaupten wollte, sich zu erzwingen. Unterdeß hatte der Kurfürst 1663 dem KaiserLeopold mit 2000 M. Hülfstruppen und bald hierauf auch dem poln. Könige Michel Kori-but in dem Kriege gegen die Türken beigestanden. Ebenso trat er, die aus dem Falle der Re-publik der Niederlande für Deutschland erwachsende Gefahr klarerkennend, 1672 mit die-sem Staate, der von Ludwig XIV. angegriffen wurde, in ein Bündniß und trug dazu bei,daß sich zu Braunschweig der Kaiser, Dänemark, Hessen-Kassel und andere deutsche FürstenMit ihm zur Vertheidigung der Niederlande gegen Frankreich verbanden. Allein die zwei-deutige Lauheit, mit welcher die Lstr. Feldherren den Krieg führten, sowie ein Einfall derFranzosen in seine westfäl. Provinzen nöthigten den Kurfürsten, am 16. Juni 1673, zu demVertrage zu Vossem, einem Dorfe bei Löwen, nach welchem Ludwig XlV. Westfalen zu räu-men und dem Kurfürsten 800000 Livres zu zahlen sich verbindlich machte; der Kurfürstdagegen dem Bündnisse mit Holland entsagte und Frankreichs Feinden weder mittelbar noch