6IÜ Friedrich V. (v.d. Pfalz) Friedrich VI. (König v. Dänemark) ^
sich verschlossen trug. Während der Zeit seiner Negierung wurden die Erfindungen dcS 'Lumpenpapiers, der Formenschneidekunst und der Buchdruckerkunst gemacht, Amerika ent-deckt, der Seeweg nach Ostindien ausgefunden, nach der Eroberung Konstantinopels II5Zein neues wissenschaftliches Leben durch die griech. Flüchtlinge in Italien und Deutschlandangeregt und ein neues System der westeurov. Staaten ausgebildet, das namentlich imKampfe über Italien sich praktisch bekundete. Aber F. hatte an dem Allen keinen Ankheil.Fast noch träger in der Sorge für das Reich als einst König Wenzel, kümmerte ihn kaumdie Wohlfahrt seiner Erbländer, und selbst wenn die Umstände ihn gebieterisch aufschrecktm,griff er nicht zum Schwerte, sondern am liebsten zu langen, ermüdenden Unterhandlungen,bei welchen nicht selten verrätherische List die Hauptrolle spielte. Statt der Kirche die heiß-ersehnte Reform zu geben, was in seinen Händen lag, statt wider Türken und Räuber zukämpfen, die seine Länder verwüsteten, statt dem wiedererwachten Fehdewesen und Faust,rechte zu steuern und statt der Reichstage zu warten, beschäftigte er sich lieber mit Astrolo-gie, Alchemie und Botanik. Eine beunruhigende Sorge für ihn war, daß er nach seinemTode wegen des ihm abgenommenen Beins nicht der einbeinige Kaiser genannt werdenmöchte und eine ihn vielfach beschäftigende Aufgabe, das von ihm aufseine Bücher, Gefäßeund Paläste gesetzte Anagramm X. bl. I. O. lä. (Xustriae bist lmperare Orbi läniverso),dessen Lösung man erst in seinen Papieren fand, recht vielfach zu deuten. Übrigens ist F.trotz seiner Thatenlosigkeit als der zweite Stammvater des östr. Hauses zu betrachten, dessenPrivatvortheil er bei aller Liebe zur Ruhe doch niemals aus den Augen verlor. Von F. anblieb das Kaiserthum gleichsam erblich bei Ostreich und ward unverkennbar die Hauptursachedes schnellen Emporsteigcns dieses Hauses zu weltgeschichtlicher Größe, wenigstens der For-derung seines Glückes.
Friedrich V. von der Pfalz, König von Böhmen 1619 — 2V, geb. zu Amberg1596, war der Sohn Kurfürst Friedrichs IV. von der Pfalz, dem er bei dessen Tode im J.
1619 unter der Vormundschaft des Pfalzgrasen von Zweibrücken Johann's IV. in der Kur- >würde folgte, und der Prinzessin Luise Juliane, der Tochter des großen Wilhelm von Ora-nien. Er erhielt eine sehr sorgfältige Erziehung theils daheim, theils in Sedan bei seinemOheim, dem Herzoge von Bouillon, und erwarb sich nicht nur im Französischen und Latei-nischen sondern auch in der Geschichte in damaliger Zeit ansehnliche Kenntnisse. Schon16 l3 vermählte er sich mit Elisabeth, der Tochter König Jakob's I. von England; zwei -Jahre darauf übernahm er die Negierung. Als Neformirtcr an die Spitze der Protestant!- jsehen Union gestellt, zog er allmälig mehr und mehr die Aufmerksamkeit der protestantischen >Fürsten Deutschlands auf sich. Nachdem die Böhmen den am 28. Aug. 1619 in Frankfurt izum Kaiser erwählten Ferdinand II. am 19. Aug. der böhm. Königskrone für verlustig er-klärt hatten, wurde dieselbe durch fast einstimmige Wahl F. übertragen, der sie auch aufZureden seiner Gemahlin und im Vertrauen auf die Union und seinen Schwiegervater nacheinigen Bedenklichkeiten annahm und am 2. Nov. gekrönt wurde. Die Schlacht am Wei-ßen Berge bei Prag am 8. Nov. 1629 raubte ihm die böhm. Krone. Besiegt flüchtete erdurch Schlesien und Brandenburg nach Böhmen. Spott aller Art folgte dem Besiegten,man nannte ihn in Rücksicht seiner kurzen Herrschaft den Winterkönig und am Hause desengl. Gesandten in Wien wurde er in einem Steckbriefe als verloren gegangen bezeichnetund auf sein Einbringen eine große Belohnung gesetzt. (S. Dreißigjähriger Krieg.) -Im I. 1621 in die Reichsacht erklärt, wurden seine Kurlande vom Herzog Maximilian vonBaiern und span. Truppen besetzt und er selbst 162 3 der Kur für verlustig erklärt. (S. P fa l z.)Ohne wieder in die Kur eingesetzt zu werden, starb er zu Mainz am 19. Nov. 1632.
Friedrich VI., König von Dänemark, geb. am 28. Jan. 1768, ein Sohn Chri-sti an's VII. (s. d.) und der Königin Karoline Mathilde (s. d.), wurde am 14. Apr.1784 für volljährig und zum Mitrcgcnten seines geisteskranken Vaters erklärt, dem er am13. März 1898 als König auf dem Throne folgte. Vom besten Eifer für das Wohl seinesVolks beseelt, dabei ein gütiger und gerechter Fürst, erkannte er bei dem zerrütteten Zu- !stände, in welchem er die Regierung übernommen hatte, daß nur durch eine durchgreifendt >Abstellung der verschiedenen Gebrechen in der Verwaltung und dem Staatsleben der dän.Monarchie wieder anfgeholfen werden könnte. So erwarb er sich durch eine Reihe wohlrh»'