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Friedrich IV. (deutscher König)
Wenn er durch diese Krönung sowie durch das um dieselbe Zeit (1453) den östr. Fürsten er-theilte Vorrecht, den erzherzoglichen Titel führen zu dürfen, seinem Hause einen gewissenäußern Glanz verlieh, so ließ er dagegen wahre und wichtige Vortheile sich aus den Händenreißen. Dies geschah, als Ladislaw >457 ohne Nachkommen starb. Zwar gewann F., wäh-rend Oberöstreich an Albrecht und ein Theil von Kärnten an Siegmund von Tirol kamen,durch diesen Todesfall Niederöstreich, in Bezug auf die übrigen Länder desselben aber mußteer die Demüthignng erleben, daß trotz seiner gegründeten Ansprüche die Krone von UngarnMatthias Corvinus und die von Böhmen Georg Podiebrad zufiel. Kaumwardiesverschmerzt,als sein Bruder Albrecht im 1.1462 die Hauptstadt Wien gegen ihn insurgirte. Erst mit Al-brecht's Tode im I. 1463 bekam er von dieser Seite her Ruhe und trat nun auch in denBesitz von Oberöstreich. Fast ohne Widerstand ließ er die Osmanen, die gleich anfangs mitleichter Mühe aus Europa hätten wieder vertrieben werdenkönnen, 1456 bisUngarn, 1469bis Kram und 1475 bis Salzburg Vordringen; auch zeigteer auf dem 1471 zu Regensburgüber die Abwehr dieser Feinde gehaltenen Reichstage, obwol am meisten bedroht, diegrößte Theilnahmlosigkeit unter allen Fürsten. In Deutschland selbst nahm unter seinerRegierung das Faustrecht auf eine furchtbare Weise wieder überhand. So befehdeten sichdie Fürsten Sachsens 1447 in einem Bruderkriege, der ihre Länder mehre Jahre lang ver-wüstete, und ebenso führte Albrecht Achilles von Brandenburg mit 17 Fürsten, 15 Bischö-fen, 40 Grafen und der fränk. Ritterschaft im Bunde einen noch verheerender» Krieg gegendie Reichsstädte Nürnberg, Augsburg, Nördlingen, Memmingen und die Schweizer wegenangeblicher Verletzung seiner burggräflichen Rechte. Seiner treulosen Politik, der zufolgeer die Könige von Böhmen und Ungarn unter sich verfeindete, hatte er es zu danken, daßendlich Beide gegen ihn die Waffen kehrten und besonders Matthias ihn so in die Engetrieb, daß er auch nicht Einer Stadt in seinen Erblanden mehr mächtig war, bis endlichsein Sohn Maximilian erst spät den Ungarn diese Eroberungen wieder entriß. Auch Karlden Külmen, um dessen reiche Erbtochter Maria er für seinen Sohn Maximilian warb,täuschte er bei den Unterhandlungen zu Trier im 1. 1473 über die Erhöhung Burgunds zueinem Königreiche, die er durch schnelle Entfernung abbrach, wodurch er mit Karl selbst ineinen Krieg gerieth, den er mit Aufopferung seiner Bundesgenossen endigte. Nur als seinSohn Maximilian, der nach Karl's Tode im I. 1477 die Hand der Maria und mit ihrdie reichen Niederlande erhalten hatte, mit den eigenen Niederländern in Krieg gerieth und>488 sogar gefangen worden war, entschloß er sich, ihm selbst zu Hülse zu eilen und zu be-freien. Dagegen gelang es auch nach Matthias'Tode im I. 1490 ihm nicht, die Ungar.Krone zu erlangen; vielmehr mußte er sehen, wie die Ungarn statt seiner den poln. FürstenLadislaw zum König wählten. Seine Thätigkcit auf dem Reichstage beschränkte sichauf einige wenig beachtete Gesetze über den Landfrieden; auf ein unwichtiges Edict zurVerbesserung der Münzen im Reiche; auf Beschränkung des westsäl. Femgerichts, das ihnselbst einmal vorzuladen sich erdreistet; auf einen Plan über das Aufbringen der Reichs-hülfe, die in die große und die kleine oder eilende getheilt wurde, aber bei der Kostcnver-theilung auf die einzelnen Stände übergroße Schwierigkeiten fand; endlich auf einen Planzur Errichtung eines Reichskammergerichts, welches aber erst unter Maximilian 1495 zuStande kam. Diesem seinem Sohne überließ übrigens F. schon seit 1490 die Regierung,während er selbst,zu Linz seinen Lieblingsneigungen lebte. Kurz vor seinem Tode mußte ernoch eines Schadens am Fuße wegen den letztem sich abnehmen lassen und starb an derRuhr, die er sich durch zu reichlichen Genuß von Melonen zugezogen hatte, am 19. Aug.1493, indem er seinem schon I486 zum röm. König erwählten Sohne Maximilian dasReich hinterließ. F. war 53 Jahre Herrscher und hat unter allen deutschen Kaisern am läng-sten regiert. Mit manchen Privattugenden geschmückt, war F. bei seiner entschiedenen Gei-stesmittelmäßigkeit, seiner übermäßigen Liebe zur Ruhe und seiner vorherrschenden Abnei-gung gegen jedes große Geschäft, besonders gegen kriegerische Unternehmungen, weder ziteinem Regenten überhaupt noch zu einem Könige der Deutschen insbesondere geeignet, zu-mal in einem Jahrhundert, das an geistigen und weltlichen Bewegungen fruchtbar, eineneue Gestaltung der Dinge hervorzubringen versprach, die Keime neuer Entwickelungen jnConv.-Lex. Neunte Aufl. V, 39