598 Friedland (Schlacht bei)
sich vor der Stadt gegen Posthencn hin und stieß bald auf Lannes, welcher sich von Domnaagegen F. in Marsch gesetzt hatte. Er leistete Widerstand, welcher Wermingsen vcranlaßte,immer mehr Truppen auf das linke Ufer hinüberzuziehen. Hier vor F. bildet das Terrainim Umfange einer Meile eine lcichtgewcllte Ebene, in gleicher Entfernung von Wäldern um-geben, südlich der von Sortlak; ein Mühlenfließ, von Posthencn her in die Alle mündend,theilt es in zwei Theile. Benningsen, dessen Heer seit zehn Tagen ununterbrochen in Bewe-gung oder im Gefechte gewesen war, glaubte ihm unter dem Schutze der hinübergezogenenTruppen einen Ruhetag geben zu können; eine Schlacht hier zu liefern, lag gar nicht infeiner Absicht. Lannes hatte das Terrain und das hohe Korn so vortheilhaft benutzt, daß erseinen Gegner am Morgen des 14. bis 8 Uhr über seine Stärke zu täuschen wußte; er dehntesich links bis Heinrichsdorf aus, hielt in seiner rechten Flanke den sortlaker Wald mit Tirail-lenrs besetzt, die auch vor der Fronte in großen Schwärmen, unterstützt von Artillerie, sichausbreiteten. So fochten hier 8000 M. Infanterie und S0t»» M. Cavalerie gegen das rufs.Heer, welches um 9 Uhr mit Zurücklassung der l 4. Division, I v Escadrons Cavalerie und einesgroßen Theils der Artillerie auf dem rechten Ufer der Alle, in einer Stärke von 46000 M.,zwischen dem sortlakerWalde und dem GebüscheDamerau, vor dem rechten Flügel Heinrichs-dorf, aufgestellt stand; mehre Brücken in F. verbanden die beiden Ufer der Alle. DieJnfanterieformirte zwei Treffen, General Fürst Bagration befehligte den linken und Fürst Gortschakowden rechten Flügel, die Cavalerie unter den Generalen Uwarow und Fürst Gallizin standhinter denselben. Aus dieser Stellung ließ Benningsen sein Heer nach 9 Uhr ungefähr lOOüSchritte Vorgehen, aber ein Versuch, sich Heinrichsdorfs zu bemächtigen, schlug gänzlich fehl.
Bei Lannes trafen unausgesetzt neue Abteilungen ein, denn Napoleon hatte, sowie ihmdieser das Erscheinen der Russen diesseit F. gemeldet, allen Nachrückenden Eile empfohlen;um l 0 Uhr befehligte er schon 4009» M. und das Übergewicht der Russen war nun aufgehoben.Diese waren in ihre frühere Aufstellung zurückgegangen, blieben hierin unbeweglich halten,das Ganze folgte nur mechanisch den Schützen, sowie diese gegen die Feinde vordrangcn undging mit ihnen auch zurück. Alles war in den Bewegungen ohne Plan, da Benningsen wederentschieden vorwärts zu gehen noch das Gefecht abzubrechen Lust hatte. Um seine Waffen- >ehre zu retten, wollte er erst bei einbrechendem Abend den Rückzug auf Wehlau fortsetzen. !Sein Heer war in der weiten ebenen Fläche den feindlichen Geschossen ganz ausgesetzt, und !jede Kugel traf. Nichts konnte den Franzosen erwünschter kommen. Napoleon war gegenMittag auf dem Schlachtfelde, ihm folgte Ney, der hinter dem sortlaker Walde sich verdecktaufstellen mußte. Napoleon erkannte sogleich, als er das Schlachtfeld übersehen hatte, daßF., wo die Übergänge über die Alle waren, der entscheidende Punkt sei. Kam er in dessenBesitz, so war er Sieger und der russ. rechte Flügel von demselben abgeschnitten. Er zog diefechtenden Truppen zusammen, Ney nahm den rechten, Mortier den linken Flügel ein undLannes die Mitte; die Cavalerie stand größtentheils hinter Ney, wo auch Bernadotte, derzuletzt eintraf, Victor und die Garden hielten. Obgleich Napoleon 85000 M. zusammenhatte, blieb er lange unentschlossen, ob er angreifen solle; ihm waren die wunderliche Auf-stellung Bcnningsen's und dessen Absichten räthselhaft. Endlich um 5 Uhr befahl der Kaiserden Angriff, der rechte Flügel sollte ihn beginnen, die Wegnahme von F. sein Ziel sein und !der linke als Pivot dienen. Zu gleicher Zeit hatte aber auch Benningsen eingesehen, daß seineLage, entziehe er sich derselben nicht noch bei Zeiten, eine verzweifelte werden müsse; er befahlden Rückzug, der vom rechten Flügel anfangen sollte, allein seine Befehle wurden nur lang-sam befolgt, ja Gortschakow verweigerte, da er keine Veranlassung sah, sie auszuführen, denGehorsam. Ney schritt vorwärts, seine Tirailleurs warfen ihre Gegner ganz aus dem sort-laker Walde, wodurch auch der linke russ. Flügel zu einer rückgängigen Bewegung veran-laßt wurde. Ney suchte nun diesen Flügel weiter rechts zu umgehen, stieß aber bald mit sei- >»cm rechten Flügel an die Alle, seinen linken breitete er gegen das Mühlenfließ aus, um sich i
der Wirkung des feindlichen Geschützes zu entziehen, welches beim weitern Vorgehen so ver- ,
heerend wurde, denn auch vom jenseitigen Alleufer wurde er beschossen, daß sein Corpsschwankte. Die russ. Cavalerie warf sich nun auf die beiden Flügel Ney's, während Bagra-uon mit der Infanterie seine Fronte angriff. Ney wurde vollständig geworfen, und seinCorps ergriff die Flucht. Die Division Dupont aber vom Corps Bernadotte und die Cava-