Druckschrift 
5 (1845) Entführung bis Gebläse
Entstehung
Seite
587
Einzelbild herunterladen
 

Fresconmtkrer 58?

dir Ausschmückung des neuen Königsbaus und der damit verbundenen Allerhciligenkirche.Elfterer enthalt Gemälde vonKa ulbach (s. d.), Olivicr, Hiltcnspcrgcr, Schulz, Zimmcr-mann, Karl Hermann, Gassen, PH. Foltz, Lindenschmitt u. A. theils in Enkaustik, theils inFccsco, sämmtlich zu deutschen und griech. Dichtern; doch beiweitem das Bedeutendste sinddie großen Fresken im Erdgeschoß, zu den: Gedichte der Nibelungen, von Jul. Schnorr. DieAllerhciligenkirche, fast über und über mit Fresken auf Goldgrund bedeckt, verwirklichte zu-erst wieder den kühnen Gedanken, eine große theologische Idee, den Zusammenhang des altenBundes mit dem neuen, in einem Komplex architektonisch geordneter Bilder mythisch ver-sinnlicht zur Anschauung zu bringen; nur ist zu bedauern, daß die Ausführung hier, zumTheil wegen des schweren Goldgrundes, sich so sehr auf das Uranfänglichc in der christlichenKunst zurückziehen und beschränke» mußte. Bei unleugbar großartiger Gcsammtconceptionist die Wirkung daher verhältnißmäßig gering. Hcinr. Heß (s.d.) begann diesesWerk 1828mit Hülfe seiner Schüler Schraudolph, Koch, Müller u. s. w., unter denen besonders derErstgenannte sich seitdem bedeutenden Ruf erwarb. Aber diese sogcnannteHofkirche erscheintgleichsam nur als eine Vorarbeit neben der seit 182!» begonnenen Ludwigskirche, an derenWänden und Gewölben Cornelius, und nach seinen Entwürfen seine Schüler, in einem rie-,sigen Cyklus von Darstellungen den ganzen christlichen Glauben geschildert haben. An derflachen Hintcrwand befindet sich das berühmte Jüngste Gericht, ohne Zweifel eines der größ-ten Kunstwerke der neuern Zeit, wenn auch im Detail ohne des Meisters Schule einigesHarte und Verfehlte bemcrklich wird. Eine neue Aufgabe erwuchs, als die Pinakothek ge-schmückt werden sollte. Der König wünschte ein Gegenstück zu den Nafael'schen Logen imVakican, und so entstanden die Fresken in den Kuppeln und Lünetten der 25 Arcaden längsder Stadtscite des Gebäudes. Cornelius schilderte darin die Geschichte der Kunst von Cima-bue bis auf Rubens; Zimmermann übernahm die Ausführung. Auch zu den Fresken amZsarthore entwarf Cornelius die Zeichnungen. Die meisterhafte Ausführung durch Bernh.Neher hat diesem einen bedeutenden Ruhm und wichtige Bestellungen erworben, wovon wirnur die Fresken im Schlosse zu Weimar erwähnen. Auch ließ der Kronprinz von Daicrnseine Burg Hohenschwangau nach einer Reihe trefflicher Cvmpositionen von Lindcnschmittmit FreScobildern schmücken. In der Basilika des heil. Bvnifacius in München gehen diezahlreichen und imposanten Frescobildcr von Hcinr. Heß der Vollendung entgegen; eineandere große Unternehmung, Jul. Schnorr's Fresken aus der deutschen Kaisergcschichte inder sogenannten Neuen Residenz (dem Festsaalbau) sind bereirs vollendet, auch wird dies balddcr Fall sein mit den enkaustischen Bildern zur „Odyssee" von Hiltensperger. Was in denneuesten Bauten, dcr Loggia bei dcr Theatinerkirche, der Nuhmeshalle, der königlichen Villabei Aschaffenburg u. s. w., gemalt wird, ist uns noch nicht bekannt. Auch der Dom vonSyrier soll bedeutenden malerischen Schmuck erhalten. Endlich sind Karl R o ttma nn's(s. d.) höchst wcrthvollc landschaftliche Fresken in den Arcaden am Hofgarten zu erwähnen.Zn ihnen ist das unlösbar scheinende Problem, ohne besondcrcLicht- und Farbeneffectc Land-schaften in Frcsco zu behandeln, auf das glücklichste gelöst durch möglichste Beschränkungdes Vordergrundes, und durch poetische Anordnung und Stilisirung des Ganzen, und es bil-den diese Landschaften eine der bedeutendsten Leistungen der neuern Kunst. Überblickt manden ganzen Ungeheuern Ncichthum der auf Anregung König Ludwig's entstandenen FreSco-malereien, so ergibt sich eine Masse von bedeutenden künstlerischen Leistungen, wie sic wol nochnie eine Negicrungszcit von 20 Jahren hervorgcbracht hat. Unleugbar hat die Ölmalerei,auf Schlachten, Genre und Landschaften beschränkt, dabei gelitten, und zwar nicht nur inBetreff der numerischen Masse. So freudig Deutschland das Große dieser Leistungen, denwahrhaft monumentalen Stil dieser in ihrer Art oft vollkommenen Kunstwerke anerkennt,so ist doch nicht in Abrede zu stellen, daß dieselben in manchem Betracht außerhalb dcr Zeitstehen, deren Richtung vor Allem eine charakteristische Durchbildung des Einzelne» verlangt,welche dem Frescobilde vermöge seiner inner» Bedingungen nicht zu Gebote steht.

Was die Fresken außerhalb Baicrns anlangt,, so sind dieselben zum großen Theil vonKünstlern dcr münchencr Schule gefertigt. So malte Stürmer im Schlosse des Grafen vonSpee zu Hcldorf, unweit Düsseldorf, mehre Bilder aus der Geschichte Kaiser Heinrich's 1l.,«u deivn jedoch auch H. Mücke, dcr der düsseldorfcr Schule angchört, bedeutenden Theil