584 Freskomalerei
dem Titel „^nnee litteruire" (1753—76). Seine erste literarische Thätigkeit hatte er denvon Des Fontaincs herausgegebencn „Observstions s„r les ecrits modernes" und „äiixe-ments snr ^»eignes ouvruAes nouveanx" (35 Bde., 1735—36)gewidmet. Die Bitterkeit,mit welcher er mehre Schriftsteller, besonders Voltaire, unablässig behandelte, zog ihm mehr-mals Gefahr zu, und nur der mächtigen Protection des Königs Stanislaus hatte er cs zudanken, daß er nicht verhaftet wurde. Er starb am 16. März 1776. Wenn auch F. in denmeisten Fällen gegen die von ihm getadelten Schriftsteller Recht hatte, so verlor er doch nachund nach seinen ganzen Ruf, und in der letzten Zeit seines Lebens hatten Voltaire's und derEncyklopädistcn Satiren es dahin gebracht, daß der Name Freron gewissermaßen zu einemSchimpfwort wurde, das noch lange nachher einen frechen Kriticus bedeutete. Sein Sohn,Louis Stanislas, geb. zu Paris 1765, setzte nach des Vaters Tode die „^nneelitte-raire" bis 1796 fort (zusammen 296 Bde.), die unter seinem Namen zuerst sein Oheim, derAbbe Royon, dann Grosser und zuletzt Geoffroy Herausgaben. Beim Ausbruch der Revo-lution warf er sich ganz in den Strudel derselben und gab 1789 den berüchtigten „Orateurdu j>e,iple" heraus. Als Deputirter der Stadt Paris in der Nationalversammlung und indem Convent und im Club der Cordeliers machte er gemeinschaftliche Sache mit seinem ein-maligen Mitschüler Robcspicrre. Nebst Barras vollzog er 1793 in Toulon und Marseilledie blutigen Beschlüsse der Schreckensherrschaft. Nach seiner Rückkehr wurde er indcß No-bespierre verdächtig und trug, als ihm dies klar wurde, zu dessen Sturze bei. Er schloß sichnun der Conventsregierung an und nahm den „Oruteur du z>euz,le" wieder vor, den Dus-sault unter seinem Namen redigirtc, entzweite sich aber wegen der darin jetzt ausgesprochenenAnsichten fast mit Allen, deren Meinung er früher getheilt hatte. Bei einer zweiten Sen-dung nach Marseille imJ. >795 that er einer wilden ReactionEinhalt. Vgl. sein „Memoirelustoricgie sur In reaction royale et mir les mslbeurs du Midi". In der Zurückgezogenheitschrieb er hierauf seine „kletlexions sur les Irüpitaux et zmrticulierement ce»x de Loris"(Par. 1866). Zm Z. 1862 sendete ihn der erste Conseil mit dem General Leclexc als Untcr-präfect nach S.-Domingo, wo er nach zwei Monaten den Einflüssen des Klima erlag.
Freskomalerei oder Malerei ul kresc», d. h. auf der noch nassen Mauer, nenntMan im Gegensatz zu der cnkaustischen und der Ölmalerei diejenige Art Malerei, welche mitWasserfarben auf einer noch frischen Unterlage von Kalk, mit Sand vermischt an Wand-flächen ausgcführt wird. Schon im griech. Altcrthuni, neben der Enkaustik, in stetem Ge-brauche, ging die Frescomalerei nie völlig verloren, die gegenwärtig wieder neue Triumphefeiert. Das jetzige, besonders durch die münchener Schule ausgebildete Verfahren der Fresco-malerei besteht darin, daß die wohlausgetrockncte Mauer mit einem sorgfältig bereitetenMörtel aus seinem Sande und altem Kalk in der Stärke von ein bis zwei Linien übersehtwird, welcher dann der Malerei als Grund dient und, so lange er noch feucht ist, die Eigen-schaft besitzt, die darauf getragenen Farben ohne Zusatz von Leim oder eines andern Binde-mittels dergestalt fcstzuhaltcn, daß sie weder trocken noch mit Hülfe des Wassers sich auslö-sehen lassen, sondern mit der Zeit nur desto inniger mit der Wandfläche sich verbinden. DieseVerbindung der Farbstoffe mit dem Kalkbcwurf der Mauer ist keine bloße mechanische Adhä-sion sondern eine wahre chemische Cohäsion. Der im nassen Mörtel aufgelöste Kalk hatnämlich die Eigenschaft, sich während des Austrocknens an die Oberfläche zu ziehen und aufderselben durch Absorption von Kohlensäure aus der atmosphärischen Luft zu einem feinendurchsichtigen Email zu krystallisiren, welches die damit in Berührung stehenden Farbenpar-tikeln durchdringt oder einhüllt und somit fixirt. Dieser krystallinische Überzug, eine ArtTropfstcinbildung, ist im Wasser schwer auflöslich und wird von den übrigen atmosphäri-schen Einwirkungen nicht zerstört, sondern geht bei fortgesetzter Anziehung von Kohlensäureund Wasserdämpfen nur vorwärts in der Steinbildung. Schon aus der nothwendigen Ver-bindung mit dem Kalk geht hervor, daß nicht nur sämmtlichc vegetabilische und animalischeFarben dabei unanwendbar sind, sondern auch diejenigen mineralischen, welche mit dem Kalkvcrwondt sind und demnach eine neue Verbindung mit demselben eingehen würden, z. B.
rs Bleiwciß. Vgl. Wiegmann, „Die Malerei der Alten" (Hann. 1836). Da nur miteinem feuchten Grunde die Farben zu einem Ganzen verschmelzen, so kann auch daS Antra-n des Bewurfs und das Aufträgen der Farben selbst nur stückweise geschehen und nie mehr