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5 (1845) Entführung bis Gebläse
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577
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Frermaurerei ' 577

^ Das leitende Gesetz dabei ist das Selbstbewußtscin der in eine Loge vereinigten Männer, der

^ Ausgangspunkt ist das in jeder Menschenbrust liegende Gebot: Du sollst in jeder einzelnen

'' Stunde ein guter Mensch sein, und die Gebräuche und Formen des Vereins sind dem Werk-

^ maurerthume entlehnt, weit genug, um'der individuellen Anschauung und Deutung hinrei-

^ chmden Spielraum zu gestatten, und doch insoweit begrenzt, daß sie sich eben nur auf das All-

§ gemeinmenschliche in ihrem Zusammenhänge beziehen lassen. Indem nun die Freimaurer als

^ gute, treue Menschen beisammenstehen, ihre Verbindung fortsctzen, sich unterhalten und cr-

^ holen, wollen sie das Urbild der Menschheit, wie es in ihrem Bewußtsein steht, darleben, sich

E in der Theilnahme an diesem Leben erheben und stärken, und mit der in der Loge belebten

- Liebe zur reinen Menschenwürde in die Außenwelt zUrücktretcn, um da auf weitere Kreise

' durch Beispiel, Wort und Thal veredelnd einzuwirken. Bei diesem Streben ist ihnen jeder

" freie Mann von gutem Rufe als Bruder willkommen, welchem Stande, welcher Kirche er

" angehörc; er kommt zu ihnen als Mensch und wird nur als solcher in ihren Kreisen bclrach-

tet, aus denen eben Alles hinweggewicsen ist, was nicht zu den reinmenschlichcn Angelegen-t Heiken gehört. Sie kümmern sich nicht um den Staat als eine besondere Vereinigung blos

^ gewisser Menschen zur Verwirklichung der Idee des Rechts, sondern ehren ihn nur als eine

" nothwendigeAnstalt, sind dankbar für seinen Schuß und fügen sich willig in seine Anordnun-

E gen und Gesetze. Sie fragen nicht nach dem Glaubensbekenntnisse und nach den kirchlichen

" Angelegenheiten, aber ehren die Kirche als eine heilsame Anstalt zur Entwickelung des Got-

^ tesbewußtseins, schätzen das Christcnthum als den Inbegriff der erhabensten und reinsten

' Ideen und als die Quelle, aus welcher die Bildung stammt, deren sie sich erfreuen, so innig,

e daß sie sogar die Bibel als das Symbol ihres größten Lichts, des Begriffs Gott, in ihrer

^ Mitte haben. Darum protestircn sie aber auch in ihrer großen Mehrheit gegen die Meinung,

' eine christliche Anstalt zu bilden, obschon sie nichtverkennen, daß sie sich das Urbild der Mensch-

' heit nicht schöner und vollkommener denken können, als es sich in den: Stifter des Christen-

^ thums ausgeprägt und in seiner einfachen Lehre ausgcdrückt hat, und öffneten schon oft

' ihre Werkstätten auch Nichtchristen. Alles Positive ist ihnen fremd; ihr Thun ist praktische

^ Philosophie. Ihre Verfassung ist frei; sie wählen ihren Meister, sic geben sich ihr Gesetz

^ selbst und hegen den festen Glauben, der heilige Geist im Menschengeschlecht sei mächtig ge-

' nug, um durch alle Verirrungen hindurch die Menschheit immer wieder auf den rechten Pfad

' zu leiten und ihre Blicke immer wieder auf das herrliche Ziel, das sic erreichen soll, zu richten.

' ^ Ob, wenn sie fest an diesem Glauben halten, ihrer Verbrüderung eine bedeutungsreiche Zu-

> , kunft bevorstehe, wer wollte daran zweifeln? Noch haben sie kaum angefangen, die Ergeb-

* ^ msse der Wissenschaft in ihrem ganzen großen Umfange, insofern sie reinmeuschlich sind, in

' ihre Unterhaltung zu ziehen und zu einem Gemeingute zu machen für die Menschheit; nuri ^ erst für Moral, Religionsphilosophie und Geschichte hat man dcnMuth gehabt, sich in dieser

^ - Hinsicht zu entscheiden. Dennoch aber scheint der Brüderschaft gerade Vorbehalten zu sein,

' i vom winmenschlichen Standpunkte aus alle Zweige der Wissenschaft in das Auge zu fassen.

' s Ebenso gehört die Kunst bis jetzt erst theilweise in ihre Kreise, und Vieles, was eine rein-

^ t menschliche Erbauung fördern würde, hat man noch nicht gewagt, in ihre Werkstätten zu

' ! ziehen. Auch sind es bis heute fast ausschließlich Männer, denen die Freimaurerei zugänglich

' z ist, während das weibliche Geschlecht und die Jugend noch fern von dem Bunde steht. Wel-

^ j chcs aber auch seine Zukunft sein möge, überflüssig und kraftlos ist er auch in seiner jetzigen

' ' Verfassung nicht. Dadurch, daß er Menschen an willige Unterwerfung unter das Gesetz der

' Vernunft gewöhnt, sie übt, sich frei zu bewegen und sich in dieser Freiheit doch durch Liebe

' und durch weise Achtung fremder Rechte selbst zu beschränken, sie lehrt, die Sittlichkeit über

' Alles zu stellen und in einer allseitigcn Entwickelung der Geisteskräfte das Heil der Mensch-

' ! heit zu suchen, dadurch ist sein Dasein und Wirken bedeutungsvoll. Rechnen wir dazu, daß

' I er den Menschen, der bessere Zeiten sehen möchte, vor allen Dingen an die Veredelung seiner

' j selbst weist, daß er zur Bedingung eines gemeinnützigen Strebens Bescheidenheit und An-

spruchslosigkeit erhebt, daß er zwischen die genußsüchtigen und prunkliebcnden Zeitgenossen' seine einfachen Sitten stellt, neben die eifernden und hadernden Rcligionsparteien seine Dul-dung und Anerkennung fremder Rechte hält, und neben die Altäre der Weltliebe seine derCciw.-Lex. Neunte Aufl. V. 37