576 Freimaurerei
spruchlos, und bei dem praktischen Blicke der Engländer erhielten sich die Werkstätten auchziemlich frei von fremdartigen Zusätzen und falschen Richtungen, obgleich es auch meist nurdie gesellige Seite des Bundes zu sein scheint, welcher man vorzugsweise seine Aufmerksam-keit widmete. In Portugal wurde zwar schon 1735 die erste Loge m Lissabon gegründet,aber bald machte die Hierarchie ihre Macht gegen ihn auf grausame Weise geltend, und jenachdem Englands und Frankreichs Einfluß in diesem Lande die Priesterherrschast überwogoder nicht, hob sich oder sank das Leben der Maurerci, bis cs seit 1823 gänzlich erlosch.Dasselbe Schicksal erfuhr die Brüderschaft in Spanien, wo sie noch früher als in Portugal >Eingang gefunden hatte. Schon >740 erging in Folge eines Edicts von Philipp V. eineharte Verfolgung über den weit verbreiteten Bund, die aber noch blutiger im J. 1751 wurdeWenn die franz. Herrschaft in Spanien die Maurerei wieder ins Leben rief, so wußte Fer-dinand VII. sie wieder zu vertilgen, und die seit 1820 von den Cortes wieder geöffneten Lo-gen schloß >824 ein neues Verbot. Vielleicht hat das Blut von sieben noch im I. >827 zumTode verurtheilten Brüdern den dem Bunde feindseligen Geist versöhnt, denn seitdem scheintdas Maurerthum unangefochten geblieben zu sein. In Frankreich hat sich der Bund seit1725 trotz mehrfacher Verbote von Seiten der Regierung, die nicht mit Strenge ausgcübtwurden, fast ununterbrochen erhalten,' jedoch bis heute noch ist er nicht frei von störendenBeimischungen. Die Erweiterung, die ihm Napoleon bereitete, unter dessen Herrschaft dieZahl der Logen bis auf 1200 stieg, hat sich insoweit gemindert, daß jetzt etwa 500 Bauhüttenzu der pariser Großloge gehören. Italien konnte, wie oft auch der Versuch, der Brüderschaftfesten Fuß zu verschaffen, erneuert wurde, kein günstiger Boden für Freimaurerei werden,da ihr Erbfeind, der Jesuitismus, daselbst immer eine überwiegende Macht besaß. DieSchweiz hat nach mancherlei Wirren jetzt etwa 20 Logen aufzuweiscn, unangefochten in denprotestantischen, mehr oder weniger beunruhigt in den katholischen Cantonen. In den Nie-derlanden, wo die Werkstätten fast nie gestört wurden und man auch ziemlich treu der ur-sprünglichen Einfachheit blieb, werden von Holland heute noch 75 Logen aufgezählt, vondenen die Mehrzahl in den Colonien ist; Belgien dagegen, mit etwa 36 Logen, hat einensteten Kampf des Freimaurerthums mit dem Katholicismus auszuwcisen, in welchem dieVolksstimmc für die durch Wohlthätigkeit und Freisinnigkeit ausgezeichnete BrüderschaftPartei genommen hat. Dänemark, dessen König selbst Großmeister ist, hat dem Bunde stetsein ungestörtes Leben innerhalb seiner Grenzen gegönnt, und es ist derselbe dort praktisch undeinfach geblieben. In Schweden dagegen hat sich die Freimaurerei nicht rein erhalten von ,mystischer Färbung. Beide Staaten zusammen haben etwa 30 Logen. In den östr. undruff. Staaten, wo früher ebenfalls maurerische Bauhütten standen, sind alle Logen von den ^Regierungen geschlossen worden. Dasselbe Schicksal haben sie in Baden erfahren, sowie in iBaiern alle Staatsdicner von der Thcilnahme entfernt wurden, und in Kurhessen die Logen ieingegangen sind. In den übrigen deutschen Staaten aber erfreut sich der Maurcrbund eines >regen Lebens und ist theils anerkannt, theils geduldet mit mehr als 200 Logen. Die Frei-staaten von Nordamerika zählen unter Leitung von etwa 20 Großlogen gegen 1100 Werk-stätten. So ist die Brüderschaft thätig in mehr als 2500 Logen, und ihr Bestehen ist jetztwol ein gesichertes, sowie ihre bisherigen Erfahrungen sie vor wesentlichen neuen Verirrun-gen schützen dürsten. Zwar ist nicht in Abrede zu stellen, daß die Versuchung zu neuem Irr-thume abermals vorhanden ist, in den weitverbreiteten Bestrebungen unserer Zeit, eine kirch-liche Reaction zu betreiben, und schon hat man angcsangcn, theils den Bund öffentlich alseine widerchristliche Anstalt zu verklagen, theils in den Bereich seiner Thätigkeit kirchlicheAngelegenheiten ziehen zu wollen. Allein die Überzeugung, nur das Reinmenschliche sei seineAufgabe, ist zu fest begründet und zu allgemein eingewurzelt, als daß einzelne Versuche derganzen Brüderschaft eine falsche Richtung zu geben vermögend sein möchten. Vielmehr stehtzu erwarten, daß sich die Maurerei einer Hähern Stufe ihrer Entwickelung mit festem Schritte inähern werde; denn, auf unvergänglichen Bedürfnissen ruhend, trägt der Bund viel vcr- ,heißende, edle Keime in seinem Schoost.
Anerkannt ist sein Zweck, den Menschen zum Menschen zu bilden durch freie und har-monische Übung seiner Kräfte. Nicht nach einem gegebenen Muster, nicht nach einer positi-ven Lehre, sondern aus sich selbst heraus soll sich die Menschheitin seinen Werkstätten erbauen.