Freiligrarh Freimaurerei. 571
schränkungen unter den Kaisern bald nach, und auch der Fall kam nun häufig vor, daß einemFreigelassenen dieRechte der freien Geburtsörmlichdurchdie Staatsgewalt übertragenwurden.
Freiligrath (Ferd.), ein bekannter lyrischer Dichter, gcb. am 17. Juni 1810 zuDetmold, wo sein Vater Lehrer an der Bürgerschule war, besuchte bis 1825 das Gymna-sium daselbst, widmete sich aber dann in Aussicht auf das Erbe eines reichen Oheims in Edin-burg dem kaufmännischen Stande und lernte bis 1831 in Soest, wo er mit Grabbc freund-schaftlich verkehrte. Nachdem er hierauf bis 1836 als Commis in einem Wechselgeschäft zuAmsterdam und von 1837—39 in Barmen conditionirt hatte, entsagte er, veranlaßt durchden Beifall, welchen seine Gedichte fanden, der kaufmännischen Laufbahn und privatisirt ge-genwärtig, von dem König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen mit einem Jahrgehalt be-schenkt, zu St.-Goar am Rhein. Seine ersten Gedichte erschienen in kleinen westfäl. Blät-tern, im „Morgenblatt" und im „Deutschen Musenalmanach" (1835) und machten seinenNamen schneller bekannt, als fast irgend ein lyrischer Dichter durch größere Sammlungenseiner Gedichte geworden ist. Gesammelt erschienen seine „Gedichte" zuerst 1838 (6. Aust.,Skuttg. 1833). Außerdem gab er heraus „Roland's Album" (Köln 1830); ferner in Ge-meinschaft mit I. Hub und A. Schnezlar „Rheinisches Odeon" (Kobl. 1839); mit Simrockund Matzerath das „Rheinische Jahrbuch" (Köln 1830 und 1831); mit Lewin Schücking„Das romantische Westfalen"; mit Duller „1862, Gedicht zum Besten des kölner Doms"(Darmst. 1832), und „KarlJmmermann, Blätter der Erinnerung an ihn"(Stuttg. 1832).Zn jüngster Zeit verlor er die Sympathien der liberalen Partei, deren Zuneigung er durcheinzelne Aussprüche und Dichtungen erworben hatte, besonders durch die Polemik gegenHerwegh. F.'s poetijches Talent bewegt sich im Allgemeinen in einem zwar beschränkten,aber um so schärfer abgcgrenzten Kreise und mehr im Gebiete der beschreibenden Poesie alsin dem der rein lyrischen Empfindung oder des Gedankens. Seine Gedichte sind zum größ-ten Thcil Malereien von kühner Zeichnung, keck aufgefaßt und brennend colorirt, jedoch vonetwas einseitig materieller Wirkung und nicht selten sogar rein ethnographischen oder topo-graphischen Charakters. Auch fehlt es nicht an Bizarrerien, noch an der auffallenden Nei-gung für zwar klangvolle, doch gesuchte Reime, zu denen selbst der Vvrrath fremder Spra-chen mit einer Vorliebe benutzt wird, welche das Haschen nach Originalität und pikanterWirkung nur zu sehr verräth. Insofern zwar manierirt und überhaupt in größer» und ge-dankenreichern Compositionen noch nicht bewährt, bildet F. doch durch energische Lebendig-keit der Phantasie, Glut.und Pracht der Ausführung und die Plastik der Darstellung unterden lyrischen Dichtern Deutschlands eine durchaus cigenthümliche Erscheinung. Vollkom-men Herr der Sprache und Meister der rhythmischen Form, ist F. zugleich ein vortreff-licher und feinfühlender Übersetzer, und seine lyrischen Umbildungen der „Oden" (Franks.1836) und der „Dämmerungsgesänge Victor Hugo's" (Sütttg. 1836; 6. Aust., 1833),dem er überhaupt einen großen Thcil seiner Art und Weise verdankt, wie mehrer engl. Lyri-ker erreichen das Höchste in der in Deutschland überhaupt so ausgebildeten Übersetzungskunst.
Freimaurerei oder Maurerei, auch Masonei genannt, die Kunst aus eineei-genthümliche, dem Werkmaurerthume nachgebildete Weise, die Veredelung des Menschen,als Menschen, in freier Geselligkeit zu befördern, wird seit 125 Jahren von dem über alleErdtheile verbreiteten Freimaurerbunde, der Freimaurerbrüderschaft oder dem Freimaurer-orden im Stillen ausgeübt. Uber die Entstehung der Brüderschaft hat man die wunderlich-sten Ansichten verbreitet, invem man ihr Alter bis in die entferntesten Jahrhunderte zurück-trug. Bald ist rwan dabei von einiger Ähnlichkeit der Gebräuche mit den Formen früher be-standener Verbindungen verleitet worden, bald hat man den der Anstalt zum Grunde lie-genden Gedanken, der im Allgemeinen, mehr oder minder ausgeprägt, mit der Menschheitdurch alle Jahrhunderte gehen mußte, mit dem Vereine selbst verwechselt. Irgend ein Zugreinmenschlichen Strcbens, irgend eine davon erzeugte Form läßt sich leicht überall Nachwei-sen, wo Männer mit Männern innig vereint handelten. Nur eine Vereinigung der Vorzeithat nachweisbar in ihrem Schoost stets die Keime rcinmenschlicher Veredelung in freier Ge-selligkeit gepflegt und läßt sich geschichtlich mit dem Freimaurcrbunde verknüpfen. Dies sinddieBaucorporationen. (S. Bauhütten.) Diese Baucorporationcn vereinigten langevorher, ehe es in Europa Zünfte der Maurer und anderer zum Bauen erfoderlichen Gewerbe