5iU Freikorps Freie
und das unmittelbar über der Stadt liegende alte, angeblich von Ludwig dem Springer um1969 erbaute Bergschloß (Neuburg genannt), welches jetzt als Wirtschaftsgebäude des damgehörigen Grundbesitzes dient. Auf dem Markte befindet sich die Statue des Herzogs Chri-stian von Sachsen-Weißenfcls. Zn der Nähe von F. ist der Adelsacker, den, der Sage nach,unter Ludwig dem Eisernen der die Bauern arg bedrückende Adel, zur Strafe vor den Pfluggespannt, umackern mußte. Seit Friedrich des Ernsthaften Zeit residirten in F. die Pfalz-grafen von Sachsen und die Landgrafen von Thüringen. Im Z. 18 l 3 kam es hier am21. Oct. zwischen den Franzosen unter Bertrand und den Preußen unter Pork zum Gefecht.
Freicorps, s. Freibataillone.
Freidank oderVridanknenntsichder Dichter eines mittelhochdeutschen didaktischenGedichts, das den Titel „Bescheidenheit" führt, mit welchem Worte die alte Sprache ver-ständige Einsicht und richtige Beurtheilung der Dinge bezeichnet. Der Dichter, den W.Grimm für nicht verschieden von Walther von der Vogelweide (s. d.) hält, verfaßtesein Gedicht entweder auf oder bald nach dem Kreuzzuge von 1229, auf welchem er selbstKaiser Friedrich 11. begleitete. Es ist ein Spruchgedicht, d. h. seine hauptsächliche Grund-lage ist die Weisheit und Klugheit des Volks, wie sie namentlich im Sprüchwort sich kundgibt, verarbeitet durch einen höfischen Dichter. Abgesehen von dem poetischen Werth, den csbesitzt, und von der tüchtigen kernhaftcn Gesinnung, die sich darin ausspricht, ist es von Wich-tigkeit durch den Aufschluß, den der Dichter darin über den sittlichen und religiösen, öffent-lichen und häuslichen Zustand seiner Zeit ertheilt. Es wurde viel gelesen, und seine Formbot Gelegenheit zu Zusätzen und Änderungen, daher die Handschriften sehr untereinanderabweichen. Eine treffliche Ausgabe des Gedichts mit belehrender Einleitung besorgte W.Grimm (Gött. 1834). Von der erweiternden Umarbeitung desselben durch Seb. Brandt(s. d.) sind von 15<>8—83 sieben Auflagen erschienen. ^
Freidenker bezeichnet nicht blos einen Denker, der seine Überzeugungen von den An- ,sichten der Kirche unabhängig macht, sondern auch einen solchen, der den Offenbarungsglau- !bcn oder allen positiven Glauben überhaupt verwirft; im ersten Fall ist die Frcidenkcrei -Deismus, im letztem überhaupt Unglaube. Der Name hat in dieser Bedeutung seinen Ur-sprung von den Engländern, unter denen im 18. Jahrh. mehre Gegner des Christenthumsauftraten. Man tadelte mit diesem Namen mittelbar die Gläubigen als schwache Köpfe underhob sich über dieselben als Denker; daher auch die franz. Freidenker sich gern starke Gei- lster, Freigeister oder Philosophen nannten. So artete das freie Denken in Befehdung des tGlaubens, und da dieser sich verthcidigte, in Spott und Feindseligkeiten gegen das Positive ;aus. In England wurde die Frcidenkcrei, die zunächst mit der Verspottung einzelner Dogmenund der kirchlichen Verhältnisse begann, durch den schlechten Zustand der Religion und Kircheveranlaßt, gegen.welchcn die Schriftsteller unter Jakob II. und Wilhelm lll. zu Felde zogen, iDodwell, Steele, Ant. Collins, der durch seinen „I)isc«urse nk treetlimlcmg" (Lond. 1713)dieses Wort zuerst zu einem Parteinamen machte, und John Tolland waren die Chorführerder Freidenker in England. Auch erschien hier seit 1718 eine Wochenschrifttreetlim-I<er, nr vk >vit Uliil Iiumnur etc." Matth. Tindal, gest. 1733, Morgan und BernardMandeville trugen die Freidenkcrci auf die Moral über; am weitesten aber trieben dieselbeLord B olingbrocke (s. d.) und David H u m e (s. d.). In Frankreich wurde die Frciden-kcrei durch den Gcistesdruck, welchen die herrschende Kirche ausübte, hervorgerufen; sie tricb ;anfangs nur verstohlen ihr Wesen, bemächtigte sich aber bald um so tiefer der Gesellschaft, iMan griff die Religion, die man häufig mit Pfaffenthum sur gleichbedeutend hielt, als cinVorurthcil an, und Viele verloren sich in offenbaren Atheismus. Voltaire und die Encyklo-pädistcn d'Nlcmbert, Diderot und Hclvetius sowie der Verfasser des „8Müme <Ie la na-turs" streuten das Unkraut aus,'das in der Revolution wucherte und unter Friedrich U-auch kurze Zeit in Deutschland Wurzel faßte. (S. Deismus.)
Freie oder Frilinge nannten die Germanen den Mittelstand, die Hauptmasse und ,den Kern des Volks. Aus den Freien gingen die Edelinge, gleichsam als Blüte, hervor;unter ihnen standen die zwar zum Theil aus der Nation entsprossenen, aber nicht mehr zuderselben gehörigen Unfreien als hörige Dienstleute oder als Leibeigene. Die Freien waren .von freier Geburt und besaßen insofern die Fähigkeit, Staatsbürger zu werden, welches Bor-